Leserartikel

FitnesswahnAuf dem Weg zum Muskelmann

Leser Philipp Nagels beschreibt, wie er seinen Körper im Fitnessstudio stählt und langsam in der Hierarchie der Bodybuilder aufsteigt.

Seit mehreren Monaten gehe ich regelmäßig ins Fitnessstudio. Die Übungen an sich sind echt okay, der viel schwierigere Part sind die Pausen dazwischen. Wohin mit sich, wohin den Blick richten? Jedenfalls nicht herüber zu dem ekelhaften Strongest-Man-Typen mit den unfassbar kurzen Hot Pants, die locker zehn Zentimeter kürzer sind als meine Boxer-Shorts.

Also gucke ich in den Spiegel: Ernst, ein bisschen böse, aber nicht zu ernst, immer lässig. Ich wiege mich von einem Bein aufs andere. Total beiläufig rotiere ich mit dem Oberkörper in beide Richtungen um die eigene Körperachse. Nicht, dass ich mich der eigenen Muskeln versichern müsste, aber naja, sieht ja schon gut aus. Mal was trinken zwischendurch. Mit großer Geste Schweiß abwischen. Ich lasse den Blick durch den Raum schweifen, durch die anderen Adonisse hindurch. Dann wieder ein Satz Bankdrücken. Bei den letzten Wiederholungen verziehe ich das Gesicht und atme schwer. Und dann stehe ich wieder vor dem Spiegel: wiegen, rotieren, gucken.

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Vor einigen Wochen habe ich begonnen, hauptsächlich semifreie Übungen zu machen. Je freier die Übungen, desto besser. Es wird dann mehr Stützmuskulatur beansprucht. Ich drehe also nicht mehr meine Runde durch die Geräte mit den geführten Bewegungen, sondern hänge in der Ecke mit den Hanteln, den sogenannten Multipressen und den schweren Jungs rum. Der Nachteil: Ich kann nicht mehr durch die Glaswände des Kursraums checken, ob bei den Teilnehmerinnen im Pilateskurs alles in Ordnung ist.

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Mein Ziel ist es, bald in den Olymp meines Fitnessstudios aufzusteigen und nur noch komplett freie Übungen zu machen. Es sieht zur Zeit ganz gut aus: Das zweite Fass amerikanischen Protein-Pulvers ist beinahe aufgebracht und ich muss in der Dusche nicht mehr hin und her springen, um von Tropfen getroffen zu werden. Außerdem ist das T-Shirt, das mir in Größe S letzten Sommer schon etwas zu eng war, jetzt viel zu eng. Keine Frage, ich bin auf dem Weg zum Tier.

Ab und an treffe ich meinen persönlichen Kundenberater. Jedes mal, wenn er mich sieht, performt Ole zumindest ein cooles einäugiges Augenzwinkern, an guten Tagen kommt noch der ausgestreckte Arm mit dem ausgestreckten Zeigefinger hinzu. "Yeah, Champ", scheint er zu rufen.

Traumhaft. Ich bin angekommen, irgendwo.

 
Leserkommentare
  1. auf voluminös-muskulöse Leere in Hirn und Charakter!

    7 Leserempfehlungen
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    ..gonna hate :)

    und dann erklären Sie mir doch noch, warum Muskeln ein Mangel an Intelligenz bedingen sollten, noch schlimmer, eine Leere an Charakter. Ihre Aussagen sind nicht mal kühn, eher dreist und frech. Woher kommts?

    Ihr Kommentar ist, gelinde gesagt, vorurteilsbeladen dumm. Jede Sportart hat ihre Freaks, die meist für einen bestimmten Zeitraum ihrer Ausübung einfach das gewisse Maß verloren haben. Sei es, um wirklich die Grenzen auszustesten, was möglich ist, sei es, weil im wirklichen Leben irgend etwas fehlt und so mit anderen Dingen Kompensation betrieben wird. Vielleicht ist es auch die Flucht vor dem wirklichen Leben. Ich kannte Handballerfamilien (!), wo sich das ganze Leben nur um Handball drehte. Ist das etwa intelligenter, nur weil es eine Ballsportart ist?

    Wenn jemand aktiv eine Sportart betreibt, finde ich das allemal besser, als wenn eine Sportart passiv betrieben wird, sprich, sich i.d.R. vor dem Fernseher und im Stadion abspielt, bockwürstchenfressender und biertrinkenderweise, versteht sich.

    Tatsache ist, zu einem gesunden Körper gehört ein gewisses Maß an Ausdauer UND Krafttraining. Bodybuilding gehört in der Form sicher nicht dazu, aber wer einen Marathon läuft, handelt auch nicht in erster Linie gesundheitsorientiert, sondern möchte einfach seine Grenzen austesten. Darüber zu urteilen, ob das gut oder schlecht ist, steht Außenstehenden eigentlich nicht zu. Ich finde Modelleisenbahnen und Briefmarkensammeln auch doof, aber jedem das Seine, mir das Meine.

    sind viele der Muskeltypen extrem nette Kerle und oft auch erfolgreiche, strebsame Typen mit denen man sich auch ueber Dinge ausserhalb des Studios unterhalten kann. Und wenn man das nicht kann sind sie immer noch extrem nette Kerle ;).
    Man sollte halt mit dem Muckitypen genauso koennen, wie mit dem verwirrten Professor von nebenan, der quasseligen Kassiererin oder Yusuf vom Kiosk, wenn denn das Herz auf dem rechten Fleck ist.
    Aber vielleicht war Ihr Kommentar gar nicht so negativ gemeint wie er rueber kommt?

    ... Letztens habe ich mich näher mit der kritischen Theorie befasst und kam auf die französischen Philosophen (Derrida, Foucault etc.) und suchte Bilder im Internet, um dann nach den deutschen Philosophen zu suchen (Horkheimer, Adorno) und dachte nur: "Mann, wieso sind die Franzosen lauter Charismatiker und die Deutschen sehen aus wie lauter Honeckers." Ich begann einer Diskursanalyse a la Foucault und da kam ich darauf: "Deutsche sehen Geist und Körper als inkongruente Materie. Der Geistmensch und der physische Mensch können nicht die gleiche Person sein. Einen frauenliebenden Gourmet und Philosoph können wir uns zwar gut in französischer Form, nicht jedoch in Deutscher vorstellen. Vielleicht liegt das an der calvinistisch geprägten Arbeits- und Lernethik." Diese Diskursanalyse und Aufstellung einer Hypothese ist nicht nur neben, sondern besonders auch während sportlichen Tätigkeiten möglich.... somit habe ich dem Autor des Artikels auch gleich gezeigt womit man u. a. seine Pausen füllen kann (wobei sich meine Trainer sehr über merkwürdige Notizen auf meinen Trainingsplänen amüsieren).

    ..gonna hate :)

    und dann erklären Sie mir doch noch, warum Muskeln ein Mangel an Intelligenz bedingen sollten, noch schlimmer, eine Leere an Charakter. Ihre Aussagen sind nicht mal kühn, eher dreist und frech. Woher kommts?

    Ihr Kommentar ist, gelinde gesagt, vorurteilsbeladen dumm. Jede Sportart hat ihre Freaks, die meist für einen bestimmten Zeitraum ihrer Ausübung einfach das gewisse Maß verloren haben. Sei es, um wirklich die Grenzen auszustesten, was möglich ist, sei es, weil im wirklichen Leben irgend etwas fehlt und so mit anderen Dingen Kompensation betrieben wird. Vielleicht ist es auch die Flucht vor dem wirklichen Leben. Ich kannte Handballerfamilien (!), wo sich das ganze Leben nur um Handball drehte. Ist das etwa intelligenter, nur weil es eine Ballsportart ist?

    Wenn jemand aktiv eine Sportart betreibt, finde ich das allemal besser, als wenn eine Sportart passiv betrieben wird, sprich, sich i.d.R. vor dem Fernseher und im Stadion abspielt, bockwürstchenfressender und biertrinkenderweise, versteht sich.

    Tatsache ist, zu einem gesunden Körper gehört ein gewisses Maß an Ausdauer UND Krafttraining. Bodybuilding gehört in der Form sicher nicht dazu, aber wer einen Marathon läuft, handelt auch nicht in erster Linie gesundheitsorientiert, sondern möchte einfach seine Grenzen austesten. Darüber zu urteilen, ob das gut oder schlecht ist, steht Außenstehenden eigentlich nicht zu. Ich finde Modelleisenbahnen und Briefmarkensammeln auch doof, aber jedem das Seine, mir das Meine.

    sind viele der Muskeltypen extrem nette Kerle und oft auch erfolgreiche, strebsame Typen mit denen man sich auch ueber Dinge ausserhalb des Studios unterhalten kann. Und wenn man das nicht kann sind sie immer noch extrem nette Kerle ;).
    Man sollte halt mit dem Muckitypen genauso koennen, wie mit dem verwirrten Professor von nebenan, der quasseligen Kassiererin oder Yusuf vom Kiosk, wenn denn das Herz auf dem rechten Fleck ist.
    Aber vielleicht war Ihr Kommentar gar nicht so negativ gemeint wie er rueber kommt?

    ... Letztens habe ich mich näher mit der kritischen Theorie befasst und kam auf die französischen Philosophen (Derrida, Foucault etc.) und suchte Bilder im Internet, um dann nach den deutschen Philosophen zu suchen (Horkheimer, Adorno) und dachte nur: "Mann, wieso sind die Franzosen lauter Charismatiker und die Deutschen sehen aus wie lauter Honeckers." Ich begann einer Diskursanalyse a la Foucault und da kam ich darauf: "Deutsche sehen Geist und Körper als inkongruente Materie. Der Geistmensch und der physische Mensch können nicht die gleiche Person sein. Einen frauenliebenden Gourmet und Philosoph können wir uns zwar gut in französischer Form, nicht jedoch in Deutscher vorstellen. Vielleicht liegt das an der calvinistisch geprägten Arbeits- und Lernethik." Diese Diskursanalyse und Aufstellung einer Hypothese ist nicht nur neben, sondern besonders auch während sportlichen Tätigkeiten möglich.... somit habe ich dem Autor des Artikels auch gleich gezeigt womit man u. a. seine Pausen füllen kann (wobei sich meine Trainer sehr über merkwürdige Notizen auf meinen Trainingsplänen amüsieren).

  2. ..gonna hate :)

    12 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Nette Schmähschrift"
  3. ...die Welt der Fitnesstudios. Ich weiß, warum ich mich in diesen Gefilden nicht mehr bewege. Eben wegen der ganzen Spiegelprolls und Eiweißjunkies, die sich allein über ihre Muskelmasse und -definition ihre Bestätigung abholen.

    Ich bleibe da doch lieber bei meinen Kugelhanteln und dem Training in meinen eigenen vier Wänden.

    Und ich gehe jede Wette ein, dasss der Autor sein zu enges T-Shirt noch länger behält. Da sieht man doch so toll aus wenn das zu eng ist...naja, whatever floats your boat...

    6 Leserempfehlungen
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    wird es denen auch nicht mehr so viel Spaß machen. In den eigenen vier Wänden kann man das gleiche erreichen, aber vielleicht denkt man da mehr darpber nach, was es eigentlich bringen soll.

    ...sind auch mein Weg. Eine tolle, effektive Sache, die nach meinem Empfinden auch sehr viel mehr dynamische Kraft und Integration verschiedener Muskelgruppen sowie Balance & Körperbeherrschung fördern.

    Wie Sie an der ersten Antwort auf Ihren Kommentar sehen, können sich allerdings wohl einige Leute überhaupt keinen anderen Sinn ("was das bringen soll") in (Kraft)Sport vorstellen, als den des Sehen&Gesehen-werden, was im Artikel so herrlich karikiert worden ist ;-)

    Damit sollen nicht diejenigen geschmälert werden, die einfach mal in der Gruppe Sport machen, das mache ich auch häufig, aber eben nicht in der Muckibude.
    Letztlich gilt aber doch: Jedem das Seine.

    ..nicht ihren eigen Standpunkt widergeben sondern die Mentalität der Schaupumper kommentieren.
    Muß wohl mal wieder Eiweiß nehmen, um meine Konzentration zu fördern ;-)

    wird es denen auch nicht mehr so viel Spaß machen. In den eigenen vier Wänden kann man das gleiche erreichen, aber vielleicht denkt man da mehr darpber nach, was es eigentlich bringen soll.

    ...sind auch mein Weg. Eine tolle, effektive Sache, die nach meinem Empfinden auch sehr viel mehr dynamische Kraft und Integration verschiedener Muskelgruppen sowie Balance & Körperbeherrschung fördern.

    Wie Sie an der ersten Antwort auf Ihren Kommentar sehen, können sich allerdings wohl einige Leute überhaupt keinen anderen Sinn ("was das bringen soll") in (Kraft)Sport vorstellen, als den des Sehen&Gesehen-werden, was im Artikel so herrlich karikiert worden ist ;-)

    Damit sollen nicht diejenigen geschmälert werden, die einfach mal in der Gruppe Sport machen, das mache ich auch häufig, aber eben nicht in der Muckibude.
    Letztlich gilt aber doch: Jedem das Seine.

    ..nicht ihren eigen Standpunkt widergeben sondern die Mentalität der Schaupumper kommentieren.
    Muß wohl mal wieder Eiweiß nehmen, um meine Konzentration zu fördern ;-)

  4. ist leider unmöglich, auf 2000 Zeichen hinzukriegen.

    Der Artikel liest sich tendenziell wie das Abstract zu einer interessanten Reportage im Selbstversuch.

    7 Leserempfehlungen
  5. und was einen Teil der Problematik beim Bodybuilding ausmacht: Wie weit würde der Autor in Sachen "Olymp" gehen? Je näher er sich den höchsten Zirkeln nähert, umso unwahrscheinlicher wird es, dass das amerikanische Proteinpulver ausreicht. Würde er halt machen, bevor im Zuge von Anabolikakonsum seine Hoden auf Haselnussgröße schrumpfen und regelmäßig ein Arzt "hintenrum" kontrollieren muss, ob sich nicht die Prostata vergrößert hat?

    2 Leserempfehlungen
  6. und dann erklären Sie mir doch noch, warum Muskeln ein Mangel an Intelligenz bedingen sollten, noch schlimmer, eine Leere an Charakter. Ihre Aussagen sind nicht mal kühn, eher dreist und frech. Woher kommts?

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Nette Schmähschrift"
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    sollten Sie sich nicht persönlich zuziehen.

    Um mit Ihrer Frage zu antworten Woher kommts?

    sollten Sie sich nicht persönlich zuziehen.

    Um mit Ihrer Frage zu antworten Woher kommts?

  7. Mein Studio ist nur für Frauen, ich kann leider nicht durch Glaswände checken, ob bei den Jungs an den Hanteln und Multipressen alles in Ordnung ist...

    k.

    5 Leserempfehlungen
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    "Mein Studio ist nur für Frauen, ich kann leider nicht durch Glaswände checken, ob bei den Jungs an den Hanteln und Multipressen alles in Ordnung ist..."
    ---------------
    Warum "leider"? Es steht Ihnen doch frei, das Studio zu wechseln.

    "Mein Studio ist nur für Frauen, ich kann leider nicht durch Glaswände checken, ob bei den Jungs an den Hanteln und Multipressen alles in Ordnung ist..."
    ---------------
    Warum "leider"? Es steht Ihnen doch frei, das Studio zu wechseln.

  8. sollten Sie sich nicht persönlich zuziehen.

    Um mit Ihrer Frage zu antworten Woher kommts?

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    Es kommt eher daher, weil Ihre implizierte Ansicht schlichtweg unsinnig ist, irrational ist und an Klischeeschwere nicht so ganz einfach zu überbieten ist. Das genau entspricht wohl der Einfältigkeit und der charakterlichen Einschätzung, die Sie Bodybuildern unterstellen. Und nein, ich bin kein „Bodybuilder“.

    Ihre eigene Rechnung, auch was Charakter im Zusammenhang mit Geist und Persönlichkeit inhaltlich bedeutet. Aber bitte, jedem das Seine, selbstverständlich. Meinetwegen kann sich jeder so unproportinal "stilisieren" wie er gern möchte.

    Und nein, ich bin kein „Bodybuilder“.
    Das habe ich zweifellos bemerkt!

    Es kommt eher daher, weil Ihre implizierte Ansicht schlichtweg unsinnig ist, irrational ist und an Klischeeschwere nicht so ganz einfach zu überbieten ist. Das genau entspricht wohl der Einfältigkeit und der charakterlichen Einschätzung, die Sie Bodybuildern unterstellen. Und nein, ich bin kein „Bodybuilder“.

    Ihre eigene Rechnung, auch was Charakter im Zusammenhang mit Geist und Persönlichkeit inhaltlich bedeutet. Aber bitte, jedem das Seine, selbstverständlich. Meinetwegen kann sich jeder so unproportinal "stilisieren" wie er gern möchte.

    Und nein, ich bin kein „Bodybuilder“.
    Das habe ich zweifellos bemerkt!

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  • Schlagworte Fitnessstudio | Sommer | Spiegel | Tier
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