Möbeldesign: Katzen haben sieben Leben, Schubladen auch
Früher landeten alte Schränke und abgewohnte Dielen auf dem Müll. Designer machen aus solchen Resten nun Möbel mit Geschichte und setzen Handwerk gegen Massenfertigung.
© Peter Witt

Die Möbel der Berliner Designerin Franziska Wodicka entstehen rund um eine bunte Sammlung alter Schubladen.
Als Michael Ferguson vor vier Jahren zum ersten Mal nach Berlin kam, scannte er mit geübtem Blick die Bauschutt-Container, die überall in den Straßen standen. Berlin kehrte gerade sein Innerstes nach außen. Aus den Containern ragten 100 Jahre alte Fußbodendielen. Ferguson würde hier arbeiten können. Das sah er sofort. Er würde genug alte Dielen finden, um daraus neue Möbel herzustellen.
Und mit diesem Bedürfnis war er längst nicht mehr allein. Auf der Suche nach etwas Neuem kommen Designer immer häufiger bei etwas Altem an: Franziska Wodicka entwirft Kommoden und Sideboards mit alten Schubladen. Der Designer Daniel Kroh verwendet die gesprenkelte Arbeitskleidung von Malern und Lackierern, um daraus Maßanzüge zu nähen.
Und Michael Ferguson, der Engländer, der auch das Hamburger Restaurant von Tim Mälzer ausgestattet hat, stellt aus den Dielenbrettern, die Berlin bedeuten, Sessel, Tische und Hocker her.
Seitdem man in blitzblanken Geschäften Möbel kauft, die auf der anderen Seite der Welt gefertigt werden, habe allein das staubbedeckte Heraustreten aus seiner Werkstatt in Prenzlauer Berg einen Performance-Charakter, sagt Ferguson. Er steht in einer Duftwolke Holzwachs in der Tür zu dem winzigen Hinterzimmer. Ein Mann im Kostüm seiner Arbeit. Er ist der Beweis: So was gibt es noch. Denn wo verleibt sich die Arbeit noch den ganzen Körper ein? Und nicht nur den Kopf?
Ferguson, 42, betreibt seinen Laden Not a wooden spoon in einem der letzten unrenovierten Häuser in der Oderberger Straße. Kinder blieben staunend davor stehen, erzählt er. "Wenn man sehen will, wie eine Kuh gemolken wird, muss man auf den Bauernhof fahren, aber wo sehen Kinder, wie ein Stuhl entsteht?"
Die Menschen reizt die handwerkliche Attraktion des Einzelstücks. Warum aber ist das alte Material plötzlich so beliebt?








Leider sind die Preise etwas von dem entfernt was ich mir vorstelle für solch ein Möbelstück auszugeben. Oftmals besteht dieses ja nichtmal komplett aus Massivholz (z.B. bei den Schubladen welche meist in Holzfaserplatten gerahmt sind).
Naja Kundschaft aus München und Stuttgart wird sich wohl trotzdem finden.
...trägt dann doch etwas dick auf!
Ich dachte immer, dass Katzen im Allgemeinen 9 Leben nachgesagt werden. Zumindest im deutschen Sprachraum. Und da befinden wir uns ja meines Wissens nach.
Entfernt. Über konstruktive Kritik würden wir uns freuen. Danke, die Redaktion/mk
Über (selbsternannte) Design-Begrifflichkeit lässt sich, wie über Kunst, gar trefflich streiten.
Der Konsumet entscheidet über die Toleranz von Dekadenz, praktischer Neu-Interpretation kumulierter Preise.
Ein Börsenmakler in original-verkohlter Adolf-Hennecke-Kleidung erhielte damit zumindest den Arbeitsplatz eines "Inspirierten", also "Kohle im dritten Sinne"(bewundernswert-stringente Konsequenz solcher satirischen Kleidungs-Ideen).
Zuerst begeistert über die Re-Idee vom Schubladen-Mobilar-Mix ("Astronauten-Möbel" wegen der Preise), hege ich inzwischen Bedenken, weil damit bewusst die Zerstörung auch ehemals guter Handwerkskunst willkürlich alimentiert scheint und zuweilen dennoch aufarbeitende Behutsamkeit die Geldkatze des Kunden schonen würde.
Doch katzenglimmerte mir sogleich der Erkenntnis-Strahl: das ehemalige Grundmöbel ist preislich als philosophisch-unsichtbare Rahmen-Gebung inbegriffen:
die nachhaltige Korrespondenz eines ehemaligen Blech-Werkzeugs-Schiebers neben antikem Wurzelholzfurnier steht
exemplarisch als Gesamtkunstwerk für die neue Zeit und permanenten Lebens-Rotationen.
Wie die neue Weltordnung auch.
Da wird schonungsloser sortiert.
Aus rein menschlicher Sicht.
Das kleine Glas-Mehlmöbel wird den dramtaischen Geschichten eines ehemalig-sperrigen Finanzamt-Schiebers atemlos lauschen können.
Unbezahlbar!
das ist ja wunderbar. Ich kann von meinem Hobby in Zukunft leben, denn sowas mach ich aus Leidenschaft. Wenn ich mir anschaue, was man offenbar für ein (nicht besonders kreatives) Regal verlangen kann, dann sattel ich demnächst um.
Ansonsten ist das eine schöne Sache.
Auf den Trödelmärkten gibt es gebrauchte schöne Möbel oft viel günstiger, ebenso in Kleinanzeigen und auf Ibä.
Ich kaufe recht viel so, so kann ich mir edle Klassiker ect leisten, die neu unbezahlbar sind.
Abgesehen davon dass ein gewisser Mix recht gefällig ausschaut.
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