Leserartikel

Costa RicaDu bist süß wie Honig

In Costa Rica erhalten Frauen ständig Komplimente. Leserin G. Teufel genießt die sogenannten Piropos, die man sich sogar aufs Handy schicken lassen kann.

Komplimente machen ist in meiner Wahlheimat Costa Rica ein Volkssport. Vor allem Männer punkten mit Piropos – so heißen die Schmeicheleien in der spanischen Landessprache. Sei es auf dem Wochenmarkt oder an der Bushaltestelle, Frauen bekommen sie zu jeder Gelegenheit zu hören.

"Welch hübsche Augen!", rief mir neulich ein unbekannter Herr in der Fußgängerzone zu. Er saß auf einem Hocker und beobachtete die Passanten. Meine Antwort, "Und das ist noch nicht alles!", quittierte er mit bewundernden Pfiffen.

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Auf der Suche nach der ultimativen Schmeichelei sind der costa-ricanischen Fantasie keine Grenzen gesetzt. Piropos gibt es in den unterschiedlichsten Formen: poetisch, galant, witzig, zweideutig oder pikant. Hauptsache der Minnewillige verneigt sich vor dem weiblichen Geschlecht und beginnt vielleicht sogar einen Flirt.

Die meisten Costa Ricanerinnen schätzen die romantischen Verse und Vergleiche. Sie freuen sich, mit einem vom Himmel gefallenen Engel verglichen zu werden. Auch dieser Reim dürfte vielen gefallen: Pareces miel de abeja, porque quien te prueba no te deja. Übersetzt heißt das: Du bist wie Honig, wer von dir nascht, kann nicht mehr von dir lassen.

Das Internet bietet Inspiration: Der Satz "Spielen wir Schach! Du die Königin und ich der König" stammt von einer Website, die sich auf Piropos spezialisiert hat. Eine der Telefongesellschaften des Landes bietet einen speziellen Piropos-Service. Wer 6611 wählt, erhält sofort eine Schmeichelei auf das Mobiltelefon. 

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Der Brauch der Piropos hat eine lange Tradition. Sie soll im Hochmittelalter am spanischen Königshof entstanden sein und ist bis heute in der spanischsprachigen Welt allgegenwärtig. Was die einen freut, ist anderen ein Ärgernis: Alleinreisende Frauen erhalten in Reiseführern zu Costa Rica den Rat, die Bemerkungen, sofern gewünscht, zu ignorieren. Und Feministinnen sind Piropos ohnehin ein Dorn im Auge.

Doch Costa Ricanerinnen wissen, wie sie die Floskeln aufzufassen haben. Veronica, meine bildhübsche Nachbarin, sagt: "Galante Komplimente heben das Selbstwertgefühl. Und was uns missfällt, beachten wir einfach nicht."

 
Leserkommentare
  1. Ein wirklich schöner Brauch.

    Und vor allem so herrlich politisch unkorrekt und deshalb ehrlich!

    4 Leserempfehlungen
  2. Der einzige Ort, wo eine deutsche Frau Frau ist.

    3 Leserempfehlungen
    • xpeten
    • 10.06.2012 um 12:30 Uhr

    für die anderen plumpe Anmache notgeiler Machos. Ehrlich geht anders.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Hier gehts doch nicht um ein "Ey Schnittä! Geiler Hintern!", sondern um putzige bis würzige Kurzkomplimente, die, mit sonnigem Gemüt richtig kommuniziert, das Wohlgefühl auf beiden Seiten heben. Ist doch schön, wenn man sich ein bisschen schmeichelt und schmeicheln lässt. Ein Vorkommentator hat recht - in Deutschland funktioniert das tatsächlich nicht. Habe nach einem längeren Aufenthalt an der kanadischen Westküste versucht, die offene Art und die kleinen Komplimente (die es auch dort gibt, wenn auch weniger geschlechtsbezogen) mitzunehmen nach Deutschland. Meine Fresse, haben mich da die Leute angeschaut. Wie das sprichwörtliche Auto. Oder schlimmer.

    Hier gehts doch nicht um ein "Ey Schnittä! Geiler Hintern!", sondern um putzige bis würzige Kurzkomplimente, die, mit sonnigem Gemüt richtig kommuniziert, das Wohlgefühl auf beiden Seiten heben. Ist doch schön, wenn man sich ein bisschen schmeichelt und schmeicheln lässt. Ein Vorkommentator hat recht - in Deutschland funktioniert das tatsächlich nicht. Habe nach einem längeren Aufenthalt an der kanadischen Westküste versucht, die offene Art und die kleinen Komplimente (die es auch dort gibt, wenn auch weniger geschlechtsbezogen) mitzunehmen nach Deutschland. Meine Fresse, haben mich da die Leute angeschaut. Wie das sprichwörtliche Auto. Oder schlimmer.

  3. Nicht das Viele ist gut, sondern das Gute ist viel - und in diesem Sinne wohl eher das seltene, aufrichtig und taktvoll zugedachte, also uneigenützige Kompliment.

    Eine Leserempfehlung
  4. Für uns ist das wohl nichts. Siehe Kommentar 3.

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    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare. Danke. Die Redaktion/kvk

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  5. 6. [...]

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  6. Hier gehts doch nicht um ein "Ey Schnittä! Geiler Hintern!", sondern um putzige bis würzige Kurzkomplimente, die, mit sonnigem Gemüt richtig kommuniziert, das Wohlgefühl auf beiden Seiten heben. Ist doch schön, wenn man sich ein bisschen schmeichelt und schmeicheln lässt. Ein Vorkommentator hat recht - in Deutschland funktioniert das tatsächlich nicht. Habe nach einem längeren Aufenthalt an der kanadischen Westküste versucht, die offene Art und die kleinen Komplimente (die es auch dort gibt, wenn auch weniger geschlechtsbezogen) mitzunehmen nach Deutschland. Meine Fresse, haben mich da die Leute angeschaut. Wie das sprichwörtliche Auto. Oder schlimmer.

    4 Leserempfehlungen
  7. Für mich gewohnheitsbedingte Phrasendrescherei.
    Ich kann mir kaum vorstellen, dass diese Sprüche jedesmal von Herzen kommen - und das macht das Ganze dann wieder irgendwie so halbgar.
    Mag ja sein, dass einen das als Deutsche zu Anfang schmeichelt....wenn's dann aber zur Gewohnheit wird - ähnlich wie das amerikanische Dauergrinsen "Nice to meet you!" - ....nö, da habe ich Komplimente lieber seltener, dafür dann aber ehrlich und von Herzen kommend.
    So nötig hab' ich's dann auch nicht ;-)

    2 Leserempfehlungen

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  • Schlagworte Costa Rica | Reiseführer | Schach | Honig | Internet
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