Unser Garten befindet sich in einem sonnigen Seitental des Rheins. Wir haben eine ehemalige Grundschule aus den Sechzigern gekauft, samt eines alten Bolzplatzes. Das gesamte Grundstück ist 5.000 qm groß, 250 Quadratmeter davon sind Asphaltfläche. Hier versuchen wir uns an der Selbstversorgung.

Mein Mann und ich sind das einzige Personal und in Sachen Gärtnern noch Autodidakten – um es euphemistisch auszudrücken. Die größte Erkenntnis lautet bisher, mich in Demut zu üben. Mein bisheriges Wissen und Können sind obsolet, wenn es zum Beispiel um die richtige Fruchtfolge geht.

Beerenbüsche mulchen, den Hof fegen, Kompost schaufeln – wenn ich im Garten arbeite, gerät mein Gehirn in einen Flow-Zustand. Während ich das Blumenbeet jäte, träume ich vom Great Dixter, dem berühmten Haus mit Garten im Süden Englands. Während ich Tomaten ausgeize und gieße, denke ich an meine Facebook-Freunde, die Gewächshäuser auf Schuldächern in New York bewirtschaften.

Die vielen Neuerscheinungen in der Gartenliteratur sind mein Segen. Dort lese ich, welche Erde und welcher Standort die richtigen sind, welchen Dünger ich verwenden muss, wann ich gießen und düngen und harken muss. Natürlich gehört auch etwas Glück dazu. Die beste Gartenpflege ist vergebens, wenn die Rehe den leckeren Salat aus unseren Beeten verspeisen.

Die Rehe haben freien Zugang zum früheren Sportplatz. Unser Garten hat keine Zäune. Das Grundstück wäre dafür zu groß und wir sind zu freiheitsliebend. So sehe ich morgens häufig einen Hasen die Aschebahn entlang springen. Die Wildschweine besuchen regelmäßig ihre Kuhle im Secret Garden – so nennen wir den wilden, unbewirtschafteten Teil des Grundstücks.

An unserem Garten liebe ich besonders die Euphorbie, die sich bei uns etabliert hat und farblich fantastisch zur hellgrün blühenden englischen Rose passt. Genauso schätze ich die lange Sichtachse, die entstand, als wir schweren Herzens die zitternde Espe zwischen den Douglasien gefällt haben. Außerdem genieße ich im Moment den Anblick der bis zu sieben Meter hohen Rank-Skulpturen aus Glyzinie und Hopfen, die auf dem ehemaligen Schulhof stehen. Das Eselsohr breitet sich gerade aus wie verrückt und auch die Krauseminze sprießt.

Ein richtig guter Garten entsteht wohl erst, wenn sich zwei oder drei Generationen englischer Gärtner daran abgearbeitet haben. Zu diesem Schluss bin ich inzwischen gekommen. Wenn ich also einmal zu Kompost geworden bin, dann findet sich hoffentlich jemand, der unseren Garten mit Liebe weiter hegt und pflegt. Dieser Jemand muss nicht unbedingt Engländer sein, aber es wäre toll, wenn er sich mit Hortensien, Obstbaumschnitt und idealerweise auch mit Bienen auskennen würde.