Gartengeschichten : Jede Arbeit bringt sichtbaren Erfolg

Einen spießigen Schrebergarten hat Leserin Anna Kaleri übernommen und ihn zu ihrem Paradies gemacht. Jetzt wachsen ihr die Beerensträucher über den Kopf.
© Anna Kaleri

Zufällig habe ich im Supermarkt eine Anzeige gesehen, dass jemand einen Kleingarten abzugeben hat. Da ich in meinem Leben unbedingt etwas ändern wollte, rief ich den Besitzer an. Kurze Zeit später schritt ich durch eine Parallelwelt mit spießig bis liebevoll gestalteten Gärtchen. Die rechtwinklig angelegten, schnurgeraden Wege wurden immer schmaler. Dann stand ich vor einem Tor.

Hinter dem Tor setzte sich die Rechtwinkligkeit fort, überwuchert von mannshohem Gras und Unkraut. Zwei mit Vogeldreck bedeckte Tannen, denen man die Spitzen gekappt hatte, standen neben einer baufälligen Mauer. Beides sah aus, als hätte es einem verbitterten, alten Mann gehört. Außerdem standen da noch ein Holzhaus und ein Apfelbaum, ein Fliederbusch und ein paar alte Rosen. Am Grundstück floss ein Bach vorbei, die Sonne schien, die Vögel zwitscherten, ansonsten war alles ruhig.

Unglaublich, dass ich so verrückt sein könnte, diesen Garten zu übernehmen. Doch dann stellte ich mir vor, wie ich dort mit meinem Laptop auf dem Schoß sitzen und ab und zu ein Unkräutchen zwischen dem Salat wegzupfen würde. Der Gedanke gefiel mir.

Mein Paradies

Acht Jahre später sind die Tannen einem Pflaumenbaum und einem Oleander gewichen, die Mauer ist abgetragen und der unbehausten Garten dahinter ist zu meinem hinzu gekommen. Auf den Beeten gedeihen nach jahrelangem Kampf gegen die schlechte Erde und die vielen Schnecken Mangold und verschiedene Arten von Kohl. Die Beerensträucher wachsen mir über den Kopf, Schmetterlinge fliegen umher, Fuchs und Waschbär unternehmen nächtliche Streifzüge. Vom Baumhaus schaut mein Sohn auf den Bach hinunter.

Wenn ich abends das Tor hinter mir zuziehe, ist der letzte Blick zurück immer mit einer tiefen Befriedigung verbunden, denn jede Stunde Arbeit dort bringt sichtbare Erfolge. Den Laptop nehme ich schon lange nicht mehr in den Garten mit, weil ich ihn sowieso nie auspacke.

Ich habe gelernt, dass alles seine Zeit hat, dass man viel Geduld braucht und dass man manche alten Strukturen wie den hässlichen Betonplattenweg zwar am liebsten auf einen Ruck verändern würde, sich aber an einiges gewöhnt und manches nur in kleinen Schritten verändern kann. In meinem Paradies bin ich meine jugendliche Ungeduld losgeworden. Mein Garten hat mich zu einem anderen Menschen gemacht.

Kommentare

17 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Sehr sonderbar

Die Autorin schreibt, welche Freude sie bei ihrem Garten empfindet. Sie schildert, wie ihr Garten jetzt eine größere Biodiversität aufweist (mit Waschbären und Schmetterlingen), und inwiefern er schöner als vorher ist.

Und Sie kommen da an und sagen a) Schönheit ist nicht wichtig, b) sich die ganze Arbeit machen ist blöde, c) die Freude daran ist egal, und d) Gärten sind sowieso doof, denn am Besten wäre die ungezügelte Natur, oder zumindest das, was davon übrig bleibt, nachdem man Mauer aufzieht und Konifere aus dem Baumarkt hochwachsen lässt. Sagen Sie mal, sind Sie zufälligerweise der Vormieter des Gartens?

Nerven, Nerven, Nerven

Öhm, lassen Sie mich raten. Sie wollen, weil Sie den Artikel überflüssig finden, Ihr Geld zurück. Achso, Sie lesen die Online-Ausgabe und zahlen ohnehin nix.

Dann kann es ja nur sein: Sie klicken wahllos auf sämtliche Artikel, die bei der Zeit erscheinen, und wissen nicht, dass man das nicht muss. Also, lassen Sich sich bitte aufklären: es sind nur Überschriften, Sie müssen nicht alle Artikel lesen! Dann werden Sie feststellen: jene Themen, die man nicht interessant findet, stören nicht, wenn man sie ignoriert.

Ich muß es ja nicht lesen...

....'ne ?
Das Dumme an der Sache ist, dass es in der letzten Zeit überall immer mehr Artikel und Bücher zum Thema Garten und Gärtnern gibt.
Zu Beginn des Ganzen war ich noch interessiert - habe ich doch selber einen kleinen Garten.
Doch inzwischen nehme ich die Schwemme der Artikel und Bücher nur noch wahr....und wollte mal kurz meinem Widerwillen freien Lauf lassen.
Es wird so enden wie bei all den Kochshows : Menschen, die nicht mal 'ne Tütensuppe aufreissen können, ziehen Befriedigung aus all den Kochsendungen.
Und genauso werden all die Leute, die weder Balkon noch Garten ihr eigen nennen (oder nur wenig Bereitschaft zeigen, sich damit arbeitsintensiv zu beschäftigen), diese Art von Büchern und Artikeln verschlingen.
Und demnächst werden wir ins auf Sat1/RTL... irgendeinen "Stargärtner" anschauen müßen, der verwahrloste Gärten in Schuß bringt.
So 'ne Art "Rasen-Retter".

"Rasen-Retter" im TV

"Und demnächst werden wir ins auf Sat1/RTL... irgendeinen "Stargärtner" anschauen müßen, der verwahrloste Gärten in Schuß bringt. So 'ne Art "Rasen-Retter". "

So eine Serie gab es schon vor Jahren in England. Sie lief mit sehr großem Erfolg - innerhalb kürzester Zeit wurden meist öde daniederliegende Reihenhaushintergärtchen aufgepeppt. War sehr unterhaltsam. (Keine Ahnung, ob die Serie noch läuft.)

Sie haben also vermutlich Recht: Nur noch eine Frage der Zeit bis zum "Stargärtner" im deutschen TV. ;-)

Chinesisches Sprichwort

Willst du für eine Stunde glücklich sein,
so betrinke dich.
Willst du für drei Tage glücklich sein,
so heirate.
Willst du für acht Tage glücklich sein,
so schlachte ein Schwein und gib ein Festessen.
Willst du aber ein Leben lang glücklich sein,
so schaffe dir einen Garten."