Unser Garten und unser Haus haben eine besondere Geschichte. Sie gehörten einst einer Gärtnerfamilie.

Als ich mit meiner Familie unser Grundstück zum ersten Mal besichtigte, mussten wir durch viel wildes Grün, in dem das Haus verborgen lag. Die Anlage war einzigartig, das spürten wir sofort: mehr Park als Garten, viele große Bäume, darunter Blüten, dazwischen versteckte Pfade. Hier und da eine kleine Lichtung mit versprengten Rosen. Der Garten glich einem Urwald, einer Wildnis aus Gartenpflanzen. Überwältigend.

Vor Jahrzehnten hatte ein Gärtner hier seine Beete angelegt und in die Mitte des Landes sein Haus gebaut. Das Gebäude mutet friesisch herb an und passt perfekt in die Umgebung nahe der Nordseeküste. Ein altes Foto zeigt es zwischen Gewächshäusern, langen schmalen Beeten und Flächen mit jungen Baumschulbäumen.

Als der Gärtner vor fast vierzig Jahren starb, versuchten seine Frau und seine Tochter, den Betrieb weiterzuführen. Aber die Arbeit war für sie allein nicht zu schaffen. Sie verkauften einen Großteil des Grundstücks. Die Pflanzen, die sie behielten, pflanzten sie auf dem restlichen Land rund um das Haus. Das war der Ursprung der kultivierten Wildnis, wie wir sie vorfanden.

Etliche Jahre später wollte die Tochter des Gärtners auch das Haus verkaufen, fand aber keinen Abnehmer: Es sei zu alt und zu teuer, hieß es. Auch den Garten wollte niemand: Er sei so anders, so wild, und bedeute so viel Arbeit. Ein Riesenglück für uns! Wir zögerten keine Sekunde. In diesem Haus mit diesem Garten wollten wir leben.

Wir haben im Garten seither viel verändert, denn wir brauchten ein wenig mehr Raum und Licht im Urwald. Heute gibt es hier wieder angelegte Beete, die wahrscheinlich bunter und vielfältiger sind als die des Gärtners. Schließlich müssen wir uns nicht danach richten, was sich verkaufen lässt. Wir pflanzen, was uns gefällt.

Trotzdem ist vieles geblieben: Bäume, Sträucher und Hecken, die der Gärtner einst pflanzte, trennen verschiedene Gartenräume voneinander. Jeder davon ist eine Welt für sich. Zur Straße hin schirmt eine Hecke aus Lärchen das Grundstück ab, dahinter stehen hohe Bäume, so dass unser Haus kaum zu sehen ist. Die Schulkinder, die morgens und mittags vorbei laufen, erzählen sich, es sei verwunschen. Das finden wir auch.