Gärten sind der Wildnis abgetrotzte Kulturflächen. Als Kulturfläche ist ein Garten nicht nur zur Aufzucht von Pflanzen und Tieren geeignet, sondern auch ein Ort für Menschen, um Beziehungen zu pflegen. Beziehungen zu anderen Menschen, aber auch Beziehungen zur Natur in ihren vielen Formen.

In dem Garten, in dem ich mich betätige, erledigen wir fast alle Arbeit gemeinschaftlich. Seit November pachtet unsere kleine Gruppe das Gelände. Wir nutzen das Stück Natur, um zu experimentieren und einen Teil unserer Nahrung selbst anzubauen. Wir fanden schnell heraus: Einen Garten zu kultivieren bedeutet weniger, bestimmte Pflanzen anzubauen, als andere zu kontrollieren, sodass die erwünschten Pflanzen besser gedeihen. Das kann mühsam sein, hängt aber von der eigenen Wildnistoleranz ab.

Unser Garten war ziemlich vermenschlicht. Der Vorbesitzer hegte eine Abneigung gegen Schachtelhalm und Giersch. Beweis dafür waren Gehwegplatten und Plastikfolie im ganzen Garten. Das machte dem Schachtelhalm allerdings nichts aus. Wir hingegen machen aus Schachtelhalm Jauche. Pflanzensaft gibt Pflanzen Kraft.

Nach dem Vorbild von Klebers Biotop mit Mensch versuchen wir Lebensräume für andere Lebewesen zurück in den Garten zu bringen, der allzu sehr auf die Bedürfnisse des Menschen ausgerichtet war. Pflanzen, Tiere sowie Menschen sollen jeweils ein Drittel des Gartenraumes einnehmen.

Deshalb haben wir uns für viele Beipflanzen entschieden, die Insekten anlocken und vorteilhaft für den Boden sind. Der Garten bietet verschiedene Mikrolebensräume für Insekten, Echsen und Vögel. Wir haben außerdem einen Tümpel in die Mitte unseres Mandalabeetes gebaut, um dort ein Mikroklima zu schaffen. Und dann gibt es noch einen Wildnisbereich mit Altholz- und Steinhaufen, in den wir nicht eingreifen.

Mit dem Garten haben wir auch vierzig fürchterlich verstümmelte Apfelbäume übernommen. Die Bäume waren vom Vorgänger unsachkundig beschnitten worden, verwahrlosten jahrelang und wuchsen kreuz und quer. Dabei können Bäume auch selbst gärtnern: Wie andere Pflanzen auch nehmen sie durch Freisetzung von chemischen Stoffen Einfluss auf ihre Umgebung. Wir unterstützen sie dabei mit entsprechenden Baumscheiben. Diese enthalten stickstoff-fixierende (Lupinen, Klee) und bodenlockernde Pflanzen (Löwenzahn, Beinwell). Diese selbst regulierenden Kleinstbiotope erleichtern einerseits die Arbeit und sind andererseits schön anzusehen.

Besonders gefällt mir die tolle Gemeinschaft, in der wir die Rückstände der Wildnisverachtung entfernen. Sie erleichtert die körperlich harte Arbeit. Gärtnern ist auch eine soziale Aktivität, die mit steigender Teilnehmerzahl exponentiell an Spaß gewinnt: Gemeinsam haben wir neue Ideen, diskutieren Entscheidungen, finden Lösungen, bauen und genießen.