Leserartikel

GartengeschichtenVom Schattenspender zum Paradiesbaum

Als Leserin Angelika Kellermanns in den achtziger Jahren eine Quitte pflanzte, war dieser Baum gerade außer Mode. Heute trägt er üppig und Quitten gelten als Delikatesse. von 

Angelika Kellermanns und ihre Familie bei der Quittenernte

Angelika Kellermanns und ihre Familie bei der Quittenernte  |  © Angelika Kellermanns

Als mein Mann und ich vor 23 Jahren unseren Garten planten, riet uns ein kundiger Freund, wir sollten zwei schattenspendende Bäume in die Nähe des Hauses pflanzen. Eine Zwetschge, schlug mein Mann vor, und eine Quitte.

Mit der Zwetschge war ich einverstanden, mir stieg sofort der wunderbare Duft frisch gebackenen Pflaumenkuchens in die Nase. Aber eine Quitte? Was war das überhaupt? Heute in fast jeder Kochzeitschrift als raffinierte Beilage und Saucenverfeinerer angepriesen, war sie in den achtziger Jahren unbekannt. Die uralte Baumart, die von den Griechen schon in vorchristlicher Zeit angebaut worden war, war aus der Mode gekommen.

Anzeige

Das zarte Pflänzchen von kaum sechzig Zentimetern Höhe sollte also unser Haus beschatten. Nach anfänglichen Zweifeln freundete ich mich mit ihm an. Schon im zweiten Frühjahr eröffnete die Quitte die Gartensaison mit einem Meer aus hellrosa Blüten. Sie trug sogar ein oder zwei kleine, birnenförmige Früchte. Wir waren begeistert!

Der Quittenbaum wurde – im Gegensatz zur läusegeplagten Zwetschge – ein zäher Bursche. Er beansprucht kaum Pflege und erst recht keine Chemie. Die Raupenlöcher in seinen Blättern sind ihm egal. Pünktlich im Herbst verwandelt er sich in einen Paradiesbaum, dessen dicke, sattgelbe Früche in der Sonne leuchten.

Warum Leserartikel?

Text- und Bildbeiträge unserer Leser bereichern unsere Inhalte um zusätzliche Sichtweisen, Erfahrungsberichte und Meinungen. Sie sind von Menschen, die wissen, wovon sie sprechen, weil sie es selbst erlebt haben oder unmittelbar betroffen sind. Oder weil sie sich in einem bestimmten Thema sehr gut auskennen. Erzählen Sie unseren Lesern die Geschichten, die wir nicht erzählen können. Und zeigen Sie ihnen die Fotos und Videos, die sie sehen sollten. Zur Artikeleingabe

Leserartikel schreiben

Grundsätzlich ist jedes Thema für einen Leserartikel geeignet, solange Sie aus Ihrer eigenen Erfahrung und einem persönlichen Blickwinkel darüber berichten und keine Rechte Dritter verletzen. In unseren Leserartikel-FAQ finden Sie Hinweise für das Verfassen Ihres Artikels für ZEIT ONLINE. Bitte senden Sie uns Ihren Artikel bzw. Links zu Fotos und Videos über unser Leserartikel-Formular.

Der ZEIT-ONLINE-Wald

© BeneA / photocase.com

Als Dankeschön schenken wir Ihnen für jeden veröffentlichten Leserartikel einen Baum. Seit 2011 haben wir in Zusammenarbeit mit iplantatree.org knapp 1500 Bäume gepflanzt und geben diese nach und nach an unsere Leserartikelautoren ab. So wächst in Berlin Friedrichshagen ein ZEIT ONLINE-Wald heran, genährt von unseren schreibenden Lesern. Aktuell rangiert das "Team ZEIT ONLINE" auf Platz 19 der aktivsten Baumpflanzer des Projektes. Dafür danken wir Ihnen.

Jedes Jahr im Oktober sind wir für eine Woche in den Quitten – so nennen wir die Zeit, in der die Früchte des Baumes reif sind. Zum Erntefest rücken Freunde mit Körben, Käschern und Marmeladengläsern an. Gemeinsam befreien wir zuerst die Früchte von ihrem Flaum und vierteln sie auf dem Gartentisch – eine Knochenarbeit. Anschließend füllen wir Hunderte von Gläsern mit Gelee. Jede Serie verfeinern wir mit einer anderen Geschmacksnote: mit einem Schuss Rum, Williams Christ, Sanddornlikör oder was sich sonst im Keller findet. Das Rekordjahr war bisher 2009, als wir 575 Früchte ernteten, was unsere zwei Entsafter und den Vorrat an leeren Geleegläsern gnadenlos überforderte.

Mit unserem Gelee beglücken wir Freunde und Verwandte oder wir verkaufen es auf Märkten. Eine Freundin meiner Mutter stellte neulich beim Brunch den Quittengelee auf den Tisch. "Das ist der leckerste Gelee, den ich je gegessen habe!", sagten ihre Gäste. Nie hätten wir uns träumen lassen, einmal dieses Gütesiegel zu bekommen.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • Zack34
    • 08. Juli 2012 14:24 Uhr
  1. ...noch zu erwähnen, dass Quitten früher oft zum gelieren anderer Früchte verwendet wurden, aufgrund ihres hohen Pektingehaltes (da muss man sie aber zeitig ernten, nicht bei Vollreife). In wärmeren Ländern wachsen wohl auch Sorten welche man unverarbeitet essen kann.

    Übrigens haben vermutlich mehr Leute Quitten in ihrem Garten, als sie ahnen. Die robusten Bäume werden nämlich gerne als Veredelungsunterlage für Birnen genutzt, allerdings kann man so dann natürlich keine Quitten ernten :-)

    Wer keinen großen Garten hat, kann es auch mal mit den kleinen (japanischen) Zierquitten probieren:
    http://www.botanikus.de/B...

    Die werden wegen ihrer Robustheit oft als Straßenbegleitgrün gepflanzt und kaum jemand weiß, dass man die essen kann. Sie haben ebenfalls viel Pektin, sind sehr sauer und Vitamin C reich und sehr fruchtig-würzig (man schnuppere mal an den Früchten). Mir schmecken sie gut und sind eine schöne Gelee-Abwechslung, die kaum jemand kennt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    aber im Speziellen ist der Verzehr der Früchte des Straßenbegleitgrüns nicht zu empfehlen.

    • keibe
    • 08. Juli 2012 21:55 Uhr

    an die Quittengärtner.

    Da die Früchte recht lange halten, bezaubern Sie doch mal durch einfaches Stehenlassen der Früchte Ihre Wohnung durch unvergleichlichen Geruch, wie auch so manche mit Weichspüler verwöhnte Wäsche den Wohlgeruch der Quitten gerne aufnimmt. Und nicht zuletzt: Auch die Apfelquitte ist mal einen Baum wert; versuchen Sie es mal.

  2. aber im Speziellen ist der Verzehr der Früchte des Straßenbegleitgrüns nicht zu empfehlen.

    Antwort auf "Bleibt..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Verbleites Benzin, vor zwölf Jahren endgültig verboten, wird schon seit zwei Jahrzehnten praktisch nicht mehr verwendet.

    Und alles andere ist entweder gesundheitlich unbedenklich oder kann man abwaschen.

    • matbhm
    • 09. Juli 2012 14:39 Uhr

    ... Quitte seit 1972 im Garten und spendet vor allem wunderbaren Schatten an heißen Sonnentagen im Sommer.

  3. Verbleites Benzin, vor zwölf Jahren endgültig verboten, wird schon seit zwei Jahrzehnten praktisch nicht mehr verwendet.

    Und alles andere ist entweder gesundheitlich unbedenklich oder kann man abwaschen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Serie Gartengeschichten
  • Quelle Leserartikel
  • Schlagworte Chemie | Duft | Garten | Glas | Mode | Pflege
  • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

    Vom Rand des Laufstegs

    Aktuelle Berichte von den Schauen in New York, London, Mailand, Paris und Berlin auf ZEIT ONLINE

    • Kochblog: Nachgesalzen

      Nachgesalzen

      Die Meisterköche Karl-Josef Fuchs, Jürgen Koch und Christian Mittermeier verraten ihre Tipps und Tricks

      • : Hinter der Hecke

        Hinter der Hecke

        Eine Schrebergarten-Kolonie ist ein eigener Kosmos. Unser Kolumnist Ulrich Ladurner erforscht ihn und seine Bewohner mit Demut, Feinsinn und Humor.

        • ZEITmagazin: Heiter bis glücklich

          Heiter bis glücklich

          Oft sind es die einfachen Dinge, die uns heiter bis glücklich stimmen. Im "Heiter bis glücklich"-Blog stellt die ZEITmagazin-Redaktion täglich ihre Entdeckungen vor.

          Service