Als mein Mann und ich vor 23 Jahren unseren Garten planten, riet uns ein kundiger Freund, wir sollten zwei schattenspendende Bäume in die Nähe des Hauses pflanzen. Eine Zwetschge, schlug mein Mann vor, und eine Quitte.

Mit der Zwetschge war ich einverstanden, mir stieg sofort der wunderbare Duft frisch gebackenen Pflaumenkuchens in die Nase. Aber eine Quitte? Was war das überhaupt? Heute in fast jeder Kochzeitschrift als raffinierte Beilage und Saucenverfeinerer angepriesen, war sie in den achtziger Jahren unbekannt. Die uralte Baumart, die von den Griechen schon in vorchristlicher Zeit angebaut worden war, war aus der Mode gekommen.

Das zarte Pflänzchen von kaum sechzig Zentimetern Höhe sollte also unser Haus beschatten. Nach anfänglichen Zweifeln freundete ich mich mit ihm an. Schon im zweiten Frühjahr eröffnete die Quitte die Gartensaison mit einem Meer aus hellrosa Blüten. Sie trug sogar ein oder zwei kleine, birnenförmige Früchte. Wir waren begeistert!

Der Quittenbaum wurde – im Gegensatz zur läusegeplagten Zwetschge – ein zäher Bursche. Er beansprucht kaum Pflege und erst recht keine Chemie. Die Raupenlöcher in seinen Blättern sind ihm egal. Pünktlich im Herbst verwandelt er sich in einen Paradiesbaum, dessen dicke, sattgelbe Früche in der Sonne leuchten.

Jedes Jahr im Oktober sind wir für eine Woche in den Quitten – so nennen wir die Zeit, in der die Früchte des Baumes reif sind. Zum Erntefest rücken Freunde mit Körben, Käschern und Marmeladengläsern an. Gemeinsam befreien wir zuerst die Früchte von ihrem Flaum und vierteln sie auf dem Gartentisch – eine Knochenarbeit. Anschließend füllen wir Hunderte von Gläsern mit Gelee. Jede Serie verfeinern wir mit einer anderen Geschmacksnote: mit einem Schuss Rum, Williams Christ, Sanddornlikör oder was sich sonst im Keller findet. Das Rekordjahr war bisher 2009, als wir 575 Früchte ernteten, was unsere zwei Entsafter und den Vorrat an leeren Geleegläsern gnadenlos überforderte.

Mit unserem Gelee beglücken wir Freunde und Verwandte oder wir verkaufen es auf Märkten. Eine Freundin meiner Mutter stellte neulich beim Brunch den Quittengelee auf den Tisch. "Das ist der leckerste Gelee, den ich je gegessen habe!", sagten ihre Gäste. Nie hätten wir uns träumen lassen, einmal dieses Gütesiegel zu bekommen.