Fahrrad in der Stadt Mit dem Rad durch offene Türen
Mit unseren Fahrrädern können wir die Welt retten – und dabei sogar noch Spaß haben, schreibt die Fahrradforscherin Jane Pirone im Gastbeitrag.
© Spencer Platt/Getty Images

New York: Radfahrer während einer Demonstration in New York
Nach Angaben der UN-Organisation UN-Habitat ist "nachhaltige Urbanisierung eine der größten Herausforderungen für die Weltgemeinschaft des 21. Jahrhunderts". Bis 2050 werden laut der Organisation rund sechs Milliarden Menschen in Städten leben. Diese Zahl – zusammen mit dem rapiden Klimawandel und der Begrenztheit von fossilen Brennstoffen – bedeutet, dass wir radikal überdenken müssen, wie wir unsere Städte gestalten und wie wir uns in ihnen fortbewegen wollen. Das Fahrrad scheint dabei eine offensichtliche Lösung zu sein: Weniger Verkehr, weniger Bedarf an Straßen, weniger Mineralölverbrauch, bessere Luft, mehr Bewegung. Trotzdem schaffen wie es nicht, uns von der Hegemonie unserer geliebten Autos zu verabschieden.
Warum nicht? Wenn es nur um Nutzen und Effizienz ginge – also die einfache Frage, wie eine große Menge an Menschen am besten von A nach B kommt – hätten wir vielleicht schon eine Fahrradgesellschaft; so wie sie vor 30 Jahren in Peking existierte. Doch inzwischen ist die Autokultur und mit ihr die regelmäßigen Verkehrsstaus auch dort präsent. Es geht also scheinbar nicht nur darum, wie man am besten von A nach B kommt. Wir müssen auch psychologische Faktoren bedenken, Wirtschaft und Politik sowie die Tradition und die Interessen von Stadtplanern. Dazu kommen Variablen wie Mode, Geschmack, Ästhetik, Stil und Identität – bis hin zu Subkulturen, die beeinflussen können, welche kulturellen Trends sich am Ende durchsetzen.
2010 habe ich die urbanBIKE Initiative gegründet, ein Design- und Forschungszentrum an der Parsons Designhochschule in New York. Dort versuchen wir, die unendlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, die das Fahrrad als Transportmittel in der Stadt bietet. Wir versuchen, das Fahrrad als eine Art Interface der Stadt zu sehen – eine Benutzeroberfläche, die bestimmt, wie wir unsere Umgebung wahrnehmen, zum Beispiel unser Stadtviertel. Wir sind überzeugt, dass eine Stadt, die auf das Fahrrad setzt, die Lebensqualität ihrer Bewohner immens steigert. Anders als der isolierte Autofahrer kommt der Fahrradfahrer automatisch mit seiner Umgebung in Kontakt, sei es mit anderen Menschen oder der Natur.
- Lust auf Stadt - die Themenwoche
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© Tasos Katopodis/Getty ImagesAlle Beiträge zu unserer Themenwoche "Lust auf Stadt" sehen Sie, wenn Sie auf dieses Bild klicken.
Städte sind eine große Errungenschaft. Sie ermöglichen Menschen ein selbstbestimmtes Leben. Doch viele Stadtbewohner hadern mit dem beschleunigten, vernetzten, von globalen Kräften geprägten Arbeits- und Lebensstil, den die Stadt ihnen abverlangt.
ZEIT ONLINE widmet sich eine Woche lang dem guten Leben in der Stadt. Wir stellen Projekte und Ideen vor, dank derer sich der Wunsch nach mehr Freiraum, nach Natur und Teilhabe mit einem Leben in Ballungsräumen vereinbaren lässt.
Von Eisenhüttenstadt über New York bis Basel finden unsere Autoren gute Gründe, auch die Zukunft in großen und kleinen Städten zu verbringen. Weil man in ihnen schwimmen und Gemüse anbauen, sie der Nase nach oder mit dem Fahrrad entdecken kann.
- Die Folgen der Serie
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Lust auf Stadt: Das gute Leben bleibt urban
Eisenhüttenstadt: Eine Stadt wartet auf ihre Pointe
Tempelhofer Feld: Entfaltung auf dem Rollfeld
Schwimmen im Rhein: Wie Basel lernte, im Fluss zu leben
Smellscapes: Die Stadt mit der Nase entdecken
Stadtleben mit Kind: Kleine Menschen unter vielen
Landleben mit Kind: Die Härte des Lebens in kindgerechten Dosen
Stadt für Senioren: Ohne Aufhebens aufeinander achten
Wohngemeinschaft: Eine Siedlung für alternde Künstler
Städte im Film: Paris von unten, New York von innen
Orte der Stille: Die Stadt der leisen Töne
Grüne Stadt: Klimaanlagen mit Wurzeln und Laub
Bauen mit Holz: Atmende Fassaden statt Platte
Fahrrad in der Stadt: Mit dem Rad durch offene Türen
Seilbahn: Leise über den Dächern reisenAlle Beiträge zur Themenwoche finden Sie hier.
Praktisch und schick
Es gibt viele Beispiele für Fahrradkultur und erfolgreiche Fahrradprojekte, vor allem in skandinavischen Städten. Kopenhagen und das Copenhagen Wheel Project sind ein Paradebeispiel. Im US-Bundesstaat Minnesota versucht die Kampagne Pedal Minnesota die Fortbewegung per Fahrrad einfacher zu machen – für Einheimische ebenso wie für Touristen. Die Interessenvertretung Vélo Québec in Montreal hat der Stadt ein eigenes Fahrradverleihsystem beschert und die Stadt Portland hat gerade einen Plan für rund 1.000 Kilometer neuer Fahrradwege ausgearbeitet.
In New York sind es eher die Hipster, die mit ihren Single-Speed-Rädern und Fahrrad-Polo-Spielen dafür sorgen, dass Speichen und Pedale derzeit absolut im Trend liegen. Vordenker wie der Ökonom Richard Florida und Janette Sadik-Kahn, die Leiterin der New Yorker Verkehrsbehörde sowie Organisationen wie Transportation Alternatives kümmern sich eher um die politische und stadtplanerische Seite – und im März 2013 bekommt auch New York mit Citi Bike endlich ein Bikesharing-Programm.
- Datum 16.09.2012 - 14:28 Uhr
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- Serie Lust auf Stadt
- Quelle ZEIT ONLINE
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dazu auch sehenswert:
http://www.youtube.com/wa...
Ich empfehle den Teil über Selbstbild und Wirklichkeit.
Hipster und Fahrrad-Polo. DAzu muss man nicht mehr sagen.
Stellen Sie sich einfach mal vor, Sie steigen aus dem Bus, und ein Radfahrer, der weder die Haltestelle mit Wartehäuschen noch den Bus gesehen hat (anders ist jedenfalls nicht zu erklären, warum er seine Geschwindigkeit nicht verringerte), rammt Sie. Wer trägt jetzt wohl die schwereren Verletzungen davon? Welcher Risikofaktor, Fußgänger oder Radfahrer, ist also größer?
...Sie fahren auf einer ruhigen Strasse Ihres Weges, Plötzlich tritt eine Person ohne zu schauen auf die Fahrbahn und bringt Sie zu Fall. Sie tragen einen Handbruch davon, der Fussgänger lediglich ein paar blaue Flecken. Die Welt ist nicht so einfach, wie Sie sie sich machen.
Ausserdem wäre zu fragen, wer die Schuld an dem von Ihnen konstruierten Unfall trägt. Ich plädiere für Schuldteilung. Unangepasste Geschwindigkeit beim Radfahrer, Verkehrsgefährdung (durch Unachtsamkeit, der rollende Verkehr hat Vorfahrt) durch den Fussgänger und Lebenslänglich für die Radwegeplaner, die solche Gefahrstellen für eine gute Lösung halten.
Die Richter haben die Schuldfrage in dem eingangs geschilderten Fall übrigens eindeutig zu Lasten des Fussgängers beantwortet und ein nicht unerhebliches Schmerzensgeld verhängt.
...Sie fahren auf einer ruhigen Strasse Ihres Weges, Plötzlich tritt eine Person ohne zu schauen auf die Fahrbahn und bringt Sie zu Fall. Sie tragen einen Handbruch davon, der Fussgänger lediglich ein paar blaue Flecken. Die Welt ist nicht so einfach, wie Sie sie sich machen.
Ausserdem wäre zu fragen, wer die Schuld an dem von Ihnen konstruierten Unfall trägt. Ich plädiere für Schuldteilung. Unangepasste Geschwindigkeit beim Radfahrer, Verkehrsgefährdung (durch Unachtsamkeit, der rollende Verkehr hat Vorfahrt) durch den Fussgänger und Lebenslänglich für die Radwegeplaner, die solche Gefahrstellen für eine gute Lösung halten.
Die Richter haben die Schuldfrage in dem eingangs geschilderten Fall übrigens eindeutig zu Lasten des Fussgängers beantwortet und ein nicht unerhebliches Schmerzensgeld verhängt.
Aber wie Sie jetzt die Kurve zu diesem unsäglichen Kampfbegriff kriegen, ist wohl nur mit persönlicher Gekränktheit zu erklären. Lesen Sie doch bitte meine Einlassung einfach als polemische Anmerkung eines Verkehrsteilnehmers. Warum ich das Rad benutze, darüber sollten Sie keine Vermutungen anstellen. Sonst könnte ich versucht sein, in Ihnen einen dieser typisch deutschen Bürgersteigblockwarte zu sehen.
...Sie fahren auf einer ruhigen Strasse Ihres Weges, Plötzlich tritt eine Person ohne zu schauen auf die Fahrbahn und bringt Sie zu Fall. Sie tragen einen Handbruch davon, der Fussgänger lediglich ein paar blaue Flecken. Die Welt ist nicht so einfach, wie Sie sie sich machen.
Ausserdem wäre zu fragen, wer die Schuld an dem von Ihnen konstruierten Unfall trägt. Ich plädiere für Schuldteilung. Unangepasste Geschwindigkeit beim Radfahrer, Verkehrsgefährdung (durch Unachtsamkeit, der rollende Verkehr hat Vorfahrt) durch den Fussgänger und Lebenslänglich für die Radwegeplaner, die solche Gefahrstellen für eine gute Lösung halten.
Die Richter haben die Schuldfrage in dem eingangs geschilderten Fall übrigens eindeutig zu Lasten des Fussgängers beantwortet und ein nicht unerhebliches Schmerzensgeld verhängt.
Stimmt. Mit Ihrem ersten Absatz haben Sie absolut recht. Da hatte ich wohl Scheuklappen, da ich diese Situation recht häufig erlebe.
Hinter dem Wartehäuschen ist kein Platz für den Radweg. Und die Räder an der Stelle auf die Straße zu schicken, wäre total daneben.
Aber warum sollte der Fußgänger Schuld sein? Was könnte er falsch gemacht haben? § 20 Öffentliche Verkehrsmittel und Schulbusse der Straßenverkehrordnung ist doch eigentlich eindeutig: "Wenn Fahrgäste ein- oder aussteigen, darf rechts nur mit Schrittgeschwindigkeit und nur in einem solchen Abstand vorbeigefahren werden, daß eine Gefährdung von Fahrgästen ausgeschlossen ist. Sie dürfen auch nicht behindert werden. Wenn nötig, muß der Fahrzeugführer warten."
An Bushaltestellen hat der rollende Verkehr (hier also die Radler) keinen Vorrang!!! Genauso wenig, wie wenn die Ampel Rot zeigt.
Stimmt. Mit Ihrem ersten Absatz haben Sie absolut recht. Da hatte ich wohl Scheuklappen, da ich diese Situation recht häufig erlebe.
Hinter dem Wartehäuschen ist kein Platz für den Radweg. Und die Räder an der Stelle auf die Straße zu schicken, wäre total daneben.
Aber warum sollte der Fußgänger Schuld sein? Was könnte er falsch gemacht haben? § 20 Öffentliche Verkehrsmittel und Schulbusse der Straßenverkehrordnung ist doch eigentlich eindeutig: "Wenn Fahrgäste ein- oder aussteigen, darf rechts nur mit Schrittgeschwindigkeit und nur in einem solchen Abstand vorbeigefahren werden, daß eine Gefährdung von Fahrgästen ausgeschlossen ist. Sie dürfen auch nicht behindert werden. Wenn nötig, muß der Fahrzeugführer warten."
An Bushaltestellen hat der rollende Verkehr (hier also die Radler) keinen Vorrang!!! Genauso wenig, wie wenn die Ampel Rot zeigt.
Stimmt. Mit Ihrem ersten Absatz haben Sie absolut recht. Da hatte ich wohl Scheuklappen, da ich diese Situation recht häufig erlebe.
Hinter dem Wartehäuschen ist kein Platz für den Radweg. Und die Räder an der Stelle auf die Straße zu schicken, wäre total daneben.
Aber warum sollte der Fußgänger Schuld sein? Was könnte er falsch gemacht haben? § 20 Öffentliche Verkehrsmittel und Schulbusse der Straßenverkehrordnung ist doch eigentlich eindeutig: "Wenn Fahrgäste ein- oder aussteigen, darf rechts nur mit Schrittgeschwindigkeit und nur in einem solchen Abstand vorbeigefahren werden, daß eine Gefährdung von Fahrgästen ausgeschlossen ist. Sie dürfen auch nicht behindert werden. Wenn nötig, muß der Fahrzeugführer warten."
An Bushaltestellen hat der rollende Verkehr (hier also die Radler) keinen Vorrang!!! Genauso wenig, wie wenn die Ampel Rot zeigt.
Für die Städte sind Autos durch ihre schiere Größe denkbar ungeeignet. Deutschland hat seit 49 an an eine Autofreundliche Umgebung gearbeitet.
Folge davon ist, das viele Städte ihren Bahnanschluß verloren.
Jetzt müssen halt alle ein Auto besitzen,weils anders eher mühsam ist.
Wenn Deutschland mehr sich wirklich für den Radverkehr interessieren würde, könnten viele Städte ihre STraßenreperaturausgaben senken, den Gesundheitszustand ihrer Bürger steigern, mehr Platz für Fußgänger in der Stadt haben.
DIe Bewohner wären nicht so Lärmgeplagt, auch die Schadstoffemissionen würden sinken, was sich günstig auf die Lungenkrankheit auswirken würde, wenn ein Fahrradanteil wie in Kopenhagen oder Amsterdam in Deutschlands Städten wirklichkeit wäre.
Was passiert eigentlich, wenn sich kaum mehr ein Auto leisten können?
Ryyyk's Kommentar kann ich nur bestätigen - auch ich bin viel seltener erkältet seit ich mit dem Rad zur Arbeit fahre. Zudem fühle ich mich viel fitter und ausgeglichener. Dagegen sind die meisten übergewichtigen Personen in meinem Bekanntenkreis Autofahrer - ich kenne keine/n übergewichtigen Radfahrer. Neulich habe ich sogar eine wissenschaftliche Studie gelesen, in der ausgerechnet wurde dass Radfahrer im Durchschnitt länger leben. Voraussetzung sind aber sichere Radwege und ein Verkehr bei dem ALLE aufeinander Rücksicht nehmen, Autofahrer, Fussgäner und Radfahrer. Sonst kann es schnell ungesund werden wenn ein rücksichtsloser Autofahrer mit Handy am Ohr einen ohne zu blinken ummäht oder wenn auch umgekehrt, wenn ein rücksichtsloser Radler ohne Licht oder Klingel den Gehweg entlang jagt.
Ich habe in meiner Verwandschaft einen Fall: Übergewichtig, 13km am Tag zur Arbeit, 13 km zurück. Seit Jahren.
Genauso dick wie vorher.
Warum? Übergewicht hat viele Ursachen, nicht alle können durch Essen oder Bewegung eliminiert werden.
Ich habe in meiner Verwandschaft einen Fall: Übergewichtig, 13km am Tag zur Arbeit, 13 km zurück. Seit Jahren.
Genauso dick wie vorher.
Warum? Übergewicht hat viele Ursachen, nicht alle können durch Essen oder Bewegung eliminiert werden.
Wie wäre es damit:
Öffentlichen Nahverkehr in deutschen Großstädten massiv ausbauen, privates Autofahren innerhalb (!) dieser Städte dann so weit wie möglich abschaffen?
Wertet eventuell zumindest im Frühling, Sommer und auch noch weiten Teilen des Herbstes das Fahrradfahren für viele Menschen enorm auf (oder eben die öffentlichen Verkehrsmittel)...
Es gäbe wirklich etliche Vorteile für die Einzelnen (schneller als derzeit im innerstädtischen Berufsverkehr, günstiger für die Privatpersonen, für die Städte vielleicht auch?, gesünder, umweltfreundlicher, die gestörten Fahrradfahrer wären hoffentlich auch endlich auf den dann freieren Strassen und nicht mehr auf den Gehwegen... )
Welche nennenswerten Nachteile gibt es denn (das ist -nicht- als rhetorische Frage gedacht)?
dass zumindest die Innenstädte größerer Städte autofrei gestaltet werden könnten. Wobei autofrei nicht wirklich bedeutet, dass kein Auto mehr da rein darf. Es würde wohl reichen, denn Pendelverkehr und den Shopping-Verkehr zu verbieten. Anwohnende, Handwerker und Lieferanten könnten weiterhin reinfahren. Alle anderen: Ab auf dem Großparkplatz außerhalb des Innenstadtbereiches und per Park+Ride alle 5min mit Bahn oder Bus in die Innenstadt.
dass zumindest die Innenstädte größerer Städte autofrei gestaltet werden könnten. Wobei autofrei nicht wirklich bedeutet, dass kein Auto mehr da rein darf. Es würde wohl reichen, denn Pendelverkehr und den Shopping-Verkehr zu verbieten. Anwohnende, Handwerker und Lieferanten könnten weiterhin reinfahren. Alle anderen: Ab auf dem Großparkplatz außerhalb des Innenstadtbereiches und per Park+Ride alle 5min mit Bahn oder Bus in die Innenstadt.
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