Landleben mit Kind Die Härte des Lebens in kindgerechten Dosen
Stadt oder Land? Die Autorin Julia Decker lebt den Traum vieler junger Eltern: mit Kind in der Idylle des Bregenzer Waldes. Aber manchmal ist ihr das zu nahe am Klischee.
© Dan Istitene/Getty Images

Kinder laufen durch das Westonbirt Arboretum in England.
Unsere Autorinnen Nana Heymann und Julia Decker sind Freundinnen. Heymann lebt in Berlin, Decker ist der Liebe wegen von München nach Österreich aufs Land gezogen. Für beide stellte sich vor einigen Jahren die Frage: Ist hier ein guter Ort, um ein Kind großzuziehen? Wie sie heute darüber denken, haben sie in zwei Briefen aneinander für uns aufgeschrieben. Dies ist die Antwort von Julia Decker an Nana Heymann. Deren Brief lesen Sie hier.
Liebe Nana,
spätestens im Oktober kommen wir zu Euch nach Berlin. Nach dem Sommer hier bei uns in der Idylle brauche ich dringend wieder Stadt, vor allen Dingen Menschen. Viele Menschen um mich herum, die ich alle nicht kenne.
Ich habe immer noch Zweifel, ob ich auf dem Land richtig aufgehoben bin. Ich habe ja nie gesagt: So, jetzt reicht es nach fast 35 Jahren Großstadt, jetzt brauche ich mal Natur und Ruhe. Ich lebe hier, weil ich meinen Mann hier getroffen habe und weil ich den Ort wunderschön finde.
Der Rammstein-Sänger Till Lindemann hat vor ein paar Wochen in einem Interview gesagt: "Alles Gute in meinem Kopf entsteht auf dem Land". Als ich es gelesen habe, hat mein Herz sofort einen Sprung gemacht. Nicht, weil ich Rammstein-Fan bin. Sondern weil wieder einer das Leben auf dem Land lobt. Ich sammele "Promis-sprechen-übers-Landleben"-Zitate, weil ich nicht jeden Tag gleich sicher bin, wie gut ich es hier oben auf dem Berg finde. Eine seltsame Variante der Absolutionssuche.
- Lust auf Stadt - die Themenwoche
-
© Tasos Katopodis/Getty ImagesAlle Beiträge zu unserer Themenwoche "Lust auf Stadt" sehen Sie, wenn Sie auf dieses Bild klicken.
Städte sind eine große Errungenschaft. Sie ermöglichen Menschen ein selbstbestimmtes Leben. Doch viele Stadtbewohner hadern mit dem beschleunigten, vernetzten, von globalen Kräften geprägten Arbeits- und Lebensstil, den die Stadt ihnen abverlangt.
ZEIT ONLINE widmet sich eine Woche lang dem guten Leben in der Stadt. Wir stellen Projekte und Ideen vor, dank derer sich der Wunsch nach mehr Freiraum, nach Natur und Teilhabe mit einem Leben in Ballungsräumen vereinbaren lässt.
Von Eisenhüttenstadt über New York bis Basel finden unsere Autoren gute Gründe, auch die Zukunft in großen und kleinen Städten zu verbringen. Weil man in ihnen schwimmen und Gemüse anbauen, sie der Nase nach oder mit dem Fahrrad entdecken kann.
- Die Folgen der Serie
-
Lust auf Stadt: Das gute Leben bleibt urban
Eisenhüttenstadt: Eine Stadt wartet auf ihre Pointe
Tempelhofer Feld: Entfaltung auf dem Rollfeld
Schwimmen im Rhein: Wie Basel lernte, im Fluss zu leben
Smellscapes: Die Stadt mit der Nase entdecken
Stadtleben mit Kind: Kleine Menschen unter vielen
Landleben mit Kind: Die Härte des Lebens in kindgerechten Dosen
Stadt für Senioren: Ohne Aufhebens aufeinander achten
Wohngemeinschaft: Eine Siedlung für alternde Künstler
Städte im Film: Paris von unten, New York von innen
Orte der Stille: Die Stadt der leisen Töne
Grüne Stadt: Klimaanlagen mit Wurzeln und Laub
Bauen mit Holz: Atmende Fassaden statt Platte
Fahrrad in der Stadt: Mit dem Rad durch offene Türen
Seilbahn: Leise über den Dächern reisenAlle Beiträge zur Themenwoche finden Sie hier.
Du hast mich letzte Woche gefragt, ob ich Kleider von deinem Kind für meine zwei haben möchte, ich habe natürlich sofort ja gesagt. Aber ganz ehrlich: Ich brauche für die beiden eigentlich nichts außer Matschsachen. Oder alte Kleidung, die kaputt gehen und dreckig werden kann, ohne dass es schade um die schönen Sachen wäre. Die Kinder sind immer draußen und immer schmutzig.
Der Wald wird zum Abenteuerspielplatz
Es ist schon so: Es ist wie im Bilderbuch bei uns. Jeder, der uns besuchen kommt, sagt sofort: "Ihr lebt in Bullerbü". Dieses Jahr hatte sogar der Bach bei uns am Haus den ganzen Sommer Wasser. Man kann Staudämme, Mühlräder oder Wasserfälle bauen.
Nachdem unsere Gäste unsere Idylle bestaunt haben, kommt dann aber immer auch sehr schnell: "Wirklich toll hier – solange die Kinder noch klein sind. Aber in der Pubertät, hier oben auf dem Berg? Da geht Ihr schon wieder in die Stadt, oder?"
Bei Freunden aus Berlin habe ich mir neulich gedacht: Wie stellt ihr euch eigentlich die Pubertät von euren Kinder vor? Am Prenzlauer Berg, wenn in zehn Jahren die vielen Kinder, die jetzt in den Kinderwägen sitzen, pickelig und motzend durch das Viertel rennen? Sie in Horden rauchend auf den Spielplätzen herumlungern, auf denen sie jetzt Sandkuchen backen? Wenn ein ganzer Stadtteil nur noch aus genervten Teenager-Eltern besteht?
Ich weiß schon auch, dass das echte Leben, und auch das in der Stadt, viel härter sein kann als unser Alltag. Meine Kinder haben zum Beispiel noch nie einen Junkie oder einen Obdachlosen gesehen.
Wir nähern uns der Härte des Lebens in kindgerechten Dosen: Alle paar Wochen haben wir Beerdigungen, von den einzelnen Teilen der Blindschleiche, die in den Rasenmäher gekommen ist, vom Rotkehlchen, das die Katze erwischt hat oder von den Meisenküken, denen die Mutter kein Fressen mehr gebracht hat. Oder wir feiern den Abschied vom Pferd, das plötzlich nicht mehr beim Nachbarn stand, weil es einen schlimmen Husten hatte, und keiner einen Arzt geholt hat.

Julia Decker, 38, ist Journalistin. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Vorarlberg, Österreich.
Vielleicht reicht das eines Tages nicht mehr und die Kinder brauchen zum Beispiel mehr Menschen um sich herum. Ist Kindheit in allem eine Übung fürs spätere Leben? Eigentlich nicht, oder? Aber was mein Kinder dringend üben müssen: Eine Straße mit vier Spuren zu überqueren. Am besten noch mit einer abbiegenden Straßenbahn. Wobei, wahrscheinlich wäre es für die beiden überhaupt kein Problem, nur ich selbst bin immer so nervös, wenn ich mit ihnen an Straßen entlanggehe, auf denen in der Stunde mehr als zehn Autos vorbeifahren. Also mehr Autos als bei uns daheim.
Wenn dann mal eines kommt, springen die Kinder zur Seite, rufen Achtung, auch wenn das Auto noch 200 Meter entfernt ist. Natürlich, ich war diejenige, die ihre Angst geschürt hat. Weil ich dachte, sie müssen mit Autos besonders vorsichtig sein, weil sie sie nicht gewöhnt sind.
- Datum 12.09.2012 - 09:46 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Serie Lust auf Stadt
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 10
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








."....Mir ist der Wechsel der Jahreszeiten viel bewusster. Das merke ich auch am Essen, das es bei uns gibt. Wenn zum Beispiel bei uns im Garten alle Himbeeren geerntet sind, kaufe ich im Supermarkt keine neuen mehr......"
Als ehemaliges Landkind,finde ich einige Ausführungen recht gut wiedergegeben, Z.B. zum Rhytmus der Jahreszeiten. Noch als Student in der Stadt kaufte ich mir z.B. nie Tomaten oder Erdbeeren außerhalb der Saison. In der Saison aß man davon sehr reichlich und war dann geweissermaßen gesättigt, umso mehr freute man sich auf die nächste Saison. Und mit den Jahreszeiten verbindet man viele damit verbundenen Arbeiten und Gerüche. Ich freue mich heute noch frisches Öhmd oder Stroh zu riechen, wenn ich im Spätsommer mit dem Rad unterwegs bin.
V.a. Jungs könne sich auf dem Land so richtig austoben und auch ihre körperlichen Grenzen austesten, ohne gleich jemanden zu belästigen oder bei typischen Mutproben gleich halb kriminalisiert zu werden. Klar Jugendliche lockt irgendwann die Stadt. Aber das ist nach meiner Erfahrung meist auch nur eine Phase von einigen Jahren. So spätestens ab Mitte 30 zieht es die meisten Landkinder wieder in die Natur zurück.
Das ist ein gut formulierter Artikel (oder eigentlich Brief), ich habe mich beim Lesen trotzdem geärgert.
Sie brauchen dringend eine Rubrik "Jammern auf hohem Niveau" - denn die Kinder dieser Frau verbringen eine schöne Kindheit in behüteten und finanziell abgesicherten Verhältnissen, in einer intakten und gesunden Familie. Natürlich ist die Truman-Show auf dem Land manchmal schwer auszuhalten, aber wenn die Autorin sonst keine Probleme hat, kann ich ihr eigentlich nur gratulieren! [...]
Gekürzt. Bitte bleiben Sie trotz Kritik sachlich. Danke, die Redaktion/lv
Vielleicht brauchen wir so etwas wie Landsharing: wenn die Kinder klein sind, raus aufs Land. Wenn sie heranwachsen und die Fahrerei beginnt, weil die lieben kleinen ins Kino oder zum Sportverein wollen, dann tauscht man mit jmd aus der Stadt. Und wenn man sich in der Stadt genügend ausgetobt hat, wieder zurück. Ok, dies ist eine eher unrealistische Fiktion. Aber ich, als jmd. der auf dem Land aufgewachsen ist und auch Kinder hat, sieht Vor- und Nachteile beider Lokalitäten. Die Gerüche des eigenen Gartens und die Sonnenuntergänge über der Waldlichtung - toll. Aber die Autofahrten zum Einkaufen und für die unzähligen Termine der Kinder sonstwo - nervend und mit steigenden Benzinpreisen auch nicht eben billig.
... mir fällt noch ein... und dann als Teenager in der Dämmerung oder Dunkelheit ab Herbst durch den Wald mit dem Fahrrad... oder die kleinen Landspäßchen, dass man als Mädchen im DUnkeln von einem Auto gejagt wird...
jooo, ich liebe das Land. Aber nicht alles und nicht immer.
Am besten ist es für Leute mit richtig viel Geld:
Im Winter in der Stadt, im Sommer auf dem Land.
WIe der alte, nicht verarmte Adel :-)
In Großstädten kompensiert man das mit Schrebergärten... aber auch die muss man sich leisten können.
... mir fällt noch ein... und dann als Teenager in der Dämmerung oder Dunkelheit ab Herbst durch den Wald mit dem Fahrrad... oder die kleinen Landspäßchen, dass man als Mädchen im DUnkeln von einem Auto gejagt wird...
jooo, ich liebe das Land. Aber nicht alles und nicht immer.
Am besten ist es für Leute mit richtig viel Geld:
Im Winter in der Stadt, im Sommer auf dem Land.
WIe der alte, nicht verarmte Adel :-)
In Großstädten kompensiert man das mit Schrebergärten... aber auch die muss man sich leisten können.
Zunächst einmal Dank an Julia Decker, dass sie den Einblick in ihr Leben ein Stück weit gewährt. Beim Betrachten des Bildes der herbstfarbenen Bäume und zwei Kindern verlagern sich die Gedanken (jedenfalls meine) zurück zu Waldausflügen, Radtouren und Spielkameraden, denn Ende der Fünfziger bis Ende der 60er Jahre waren bestenfalls Studentenunruhen das Thema. Eine Kindheit auf dem Land bringt eine gute Erlebniswelt zutage, die Eltern so unbesorgt in der Stadt keinesfalls bieten können. Sofern Frau Decker sich besorgt zeigt, was den späteren jungen Erwachsenen im Großstadtleben widerfahren könnte, möchte ich sie beruhigen. Über das Internet, Nachrichtensendungen und Zeitungen kann sie den Nachwuchs altersgerecht und behutsam heranführen. Besuche, wie z. B. Berlin, tun ein übriges. Eigentlich wachsen ihre Kinder so auf, wie man es allen Kindern gönnen möchte. Den Gedanken vom Foristen Celophysis in Bezug auf Landsharing kann ich daher nur unterstützen. Die erwähnten Nachteile des Landlebens (Autofahrten) werden m. E. durch Fahrgemeinschaften reduziert.
Viel Glück für Sie und den Nachwuchs, Frau Decker!
Frau Decker und Frau Heymann tun so, als gäbe es nur die Alternative Bullerbü oder Moloch, Ödnis oder pulsierendes Leben, Land oder Großstadt. Ist natürlich Unsinn. Aber leider ist die Mitte dazwischen gar nicht golden: Die Hölle, das sind die Kleinstädte.
Nix los, aber trotzdem keine Sonnenuntergänge über der Wiese. Tratsch wie auf dem Dorf, aber nicht die Verbindlichkeit und die Solidarität wie auf dem Dorf. Ein wenig Kulturangebot, aber man muss nehmen was kommt. Stadt genug, dass die Vorteile des Landlebens wegfallen, aber immer noch zu klein, als dass die Vorteile des Stadtlebens zum Tragen kommen.
Furchtbar (sagt einer, der selbst in einer Kleinstadt aufgewachsen ist).
Hölle? Nö!
Die Kinder spielten als sie klein waren mit den anderen gleichaltrigen Zwergen der Umgebung ohne daß die Eltern dabeisitzen mußten. Später konnten sie in der Schule mit einem Direktor rechnen, der jedes Kind seiner Schule mit Namen kannte (obwohl es über 800 Schüler waren).
In der Pubertät konnten sich die Eltern reihrum abwechseln wenn es darum ging, die Bande aus einer entfernten Disco abzuholen.
Ich habs von meinem Haus aus 200m in den Wald und 400m zum nächsten Supermarkt. Beim einkaufen treffe ich fast immer jemanden den ich kenne (mich stört das nicht sondern es freut mich).
Das Kulturangebot ist erstaunlich vielfältig und zum Teil sogar auch hochklassig - und weils nicht täglich Konzerte gibt und das mobile Kino nur einmal im Monat kommt, geht man dann tatsächlich auch hin.
Die Großstädte sind 50 und 60km entfernt - was will man mehr?
Hölle? Nö!
Die Kinder spielten als sie klein waren mit den anderen gleichaltrigen Zwergen der Umgebung ohne daß die Eltern dabeisitzen mußten. Später konnten sie in der Schule mit einem Direktor rechnen, der jedes Kind seiner Schule mit Namen kannte (obwohl es über 800 Schüler waren).
In der Pubertät konnten sich die Eltern reihrum abwechseln wenn es darum ging, die Bande aus einer entfernten Disco abzuholen.
Ich habs von meinem Haus aus 200m in den Wald und 400m zum nächsten Supermarkt. Beim einkaufen treffe ich fast immer jemanden den ich kenne (mich stört das nicht sondern es freut mich).
Das Kulturangebot ist erstaunlich vielfältig und zum Teil sogar auch hochklassig - und weils nicht täglich Konzerte gibt und das mobile Kino nur einmal im Monat kommt, geht man dann tatsächlich auch hin.
Die Großstädte sind 50 und 60km entfernt - was will man mehr?
Hölle? Nö!
Die Kinder spielten als sie klein waren mit den anderen gleichaltrigen Zwergen der Umgebung ohne daß die Eltern dabeisitzen mußten. Später konnten sie in der Schule mit einem Direktor rechnen, der jedes Kind seiner Schule mit Namen kannte (obwohl es über 800 Schüler waren).
In der Pubertät konnten sich die Eltern reihrum abwechseln wenn es darum ging, die Bande aus einer entfernten Disco abzuholen.
Ich habs von meinem Haus aus 200m in den Wald und 400m zum nächsten Supermarkt. Beim einkaufen treffe ich fast immer jemanden den ich kenne (mich stört das nicht sondern es freut mich).
Das Kulturangebot ist erstaunlich vielfältig und zum Teil sogar auch hochklassig - und weils nicht täglich Konzerte gibt und das mobile Kino nur einmal im Monat kommt, geht man dann tatsächlich auch hin.
Die Großstädte sind 50 und 60km entfernt - was will man mehr?
von Akademikerinnen um die 30 stellen für mich die beiden Briefe als auch der Artikel "Das gute Leben bleibt urban" dar, sie haben einen subjektiven Charakter und die beschriebenen Welten sind sehr heil. Abgesehen davon ist das österreichische Vorarlberg kulturell sehr schweizerisch geprägt. Das ist keine persönliche Kritik an den Autorinnen, jedoch geben die Texte nur einen Ausschnitt des Stadt-Land-Phänomens wieder, das sich für andere Bevölkerungsschichten ganz anders darstellt, unabhängig von der Frage, wieviel Grün oder wieviel Spielplatz ist bzw. sein sollte. Interessant wären im Vergleich die Sicht von 50- bis 100-jährigen Menschen, oder Statistiken und Grafiken zur Binnenwanderung, zu Industriestandorten etc.
Ich lebe ebenfalls als Akademikerin auf dem Land, studiert habe ich in einer Großstadt. Jetzt bin ich selbstständig im handwerklichen Bereich tätig. Da stellen sich mir ganz andere Fragen, z. B. wo finde ich Kunden und Aufträge, wie weit muss ich dorthin fahren, rechnet sich das dann? Umweltschutz ist ein tägliches Thema auf einer praktischen Ebene. Mir erschließt sich mein Lebensraum dadurch von einer ganz anderen Seite, ich erkunde wirtschaftliche Strukturen und damit Menschen und ihre Ideen. Und das zählt letztendlich für mich, auf dem Land wie in der Stadt.
Die meisten Kinder wohnen weder in der Metropole Berlin noch auf dem Berg mit Hahngeschrei am Morgen.
Die Wirklichkeit liegt dazwischen und ist besser als die Extreme.
Familien leben überwiegend in Klein- bis Mittelstädten mit Stadttheater und Stadtmuseum. Und integrierten MiHiGru-Bürgern.
Ohne Loveparade, dafür Lesben in der Nachbarschaft oder als Lehrerinnen an der Grundschule.
Natürlich gibt es da die Alkoholiker auf der Parkbank, die Kinder wachsen nicht unter einer Glasglocke auf.
Aber eben auch den Halbstarken, der mir das Portemonnaie hinterherträgt, das ich am Weihnachtsmarktstand liegen ließ.
Meine Himbeeren haben Maden, deswegen kauf ich sie doch auf dem Markt. Ein richtiger Markt ohne SchickiMickiFrischnudelstand, dafür mit 10 verschiedenen Apfelsorten aus der Region.
Die nahegelegene Großstadt bietet Oper, große Museen aller Arten, etliche Staatstheater.
Mit dem ÖPNV-Verbundticket komme ich fast überall hin in höchstens 1,5 Stunden.
Einkaufen tue ich bei mir in der Kleinstadt, da gibt es fast alles, was ich so brauche. Der Moloch Metropole ist mir mit seinen Konsumtempeln ein Graus und wie ein fremder Planet.
Und wie lebenswert ein Wohnort ist, das wird nicht durch dessen Größe bestimmt, sondern durch seine Bewohner und ihren Gemeinsinn. Nachbarschaftsinitiativen, Ehrenamtliche, freiwillige Helfer und gemeinnützige Vereine sind immernoch der Garant für eine funktionierende Kommune. Oder eben einen Stadtteil.
k.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren