Ottensen, der Hamburger Stadtteil, in dem ich lebe, ist überfüllt. Viele leben hier, viele wollen hier leben. Dennoch ist Ottensen wie ein Dorf: Man braucht es für die wesentlichen Dinge des Lebens nicht verlassen. Vielleicht ist das der Grund, dass sich so viele Alternative, Kreative, Migranten und traditionelle Arbeiterfamilien hier angesiedelt haben. Die Lebensqualität ist hoch, die Atmosphäre inspirierend.

Nur eines stört in Ottensen: Autos. In den schmalen Straßen hallen die Motorengeräusche von Wand zu Wand und werden wie in einem Trichter verstärkt. Abends und an den Wochenenden fahren neben den Anwohnern viele Besucher aus anderen Bezirken hier her, um die Geschäfte, Märkte, Theater, Kinos, Cafés und Restaurants zu besuchen. Da der Stadtteil zwischen City und St. Pauli liegt, gibt es außerdem viel LKW-Verkehr. Wenn in den kommenden Jahren noch Ikea in der Altona-Altstadt öffnet, ist der Verkehrsinfarkt im Transit-Stadtteil Ottensen unvermeidbar.

Mehr Grün, mehr Stadtnatur, mehr Biotope, mehr Naturoasen für Kinder, mehr Bewegung, mehr Radfahrer, mehr Ruhe, mehr Kreativität, mehr Gemeinschaft, mehr Feste, Märkte und mehr öffentlicher Raum – von allem könnten wir mehr haben, wenn es die vielen parkenden und fahrenden Autos hier in Ottensen nicht gäbe. Wenn wir sie aus den Wohnbereichen unseres Stadtteils verbannen würden.

Hier ist mein Vorschlag für Ottensen, meine Zukunftsvision einer lebenswerteren Stadt: An der Autobahnabfahrt Othmarschen gibt es zwischen UCI-Kinos und Lidl, zwischen Behring- und Jürgen-Töpfer-Straße, eine riesige Freifläche, direkt gegenüber der Asklepios Klinik Altona. Hier könnte man eine Parkgarage bauen, in der mehrere tausend Autos Platz fänden.

Die Ottensener müssten ihre Fahrzeuge gegen eine geringe Gebühr in diesem Parkhaus zurücklassen, Autos wären in dem Stadtteil nicht mehr erlaubt. Die Menschen könnten mit dem Fahrrad oder zu Fuß das Zentrum Ottensens erreichen, das übrigens einen Fern- und S-Bahnanschluss hat. Zu Fuß wäre es maximal eine halbe Stunde, mit dem Rad zehn Minuten. Mit dem Bus, der oft als Shuttle zum Bahnhof fahren würde, wären es 15 Minuten.

Was zunächst nach einem Zeitverlust aussieht, wäre am Ende ein Gewinn für die Menschen: Sie hätten mehr Bewegung und mehr Zeit, um nachzudenken, um sich zu begegnen.

Natürlich müsste es Fahrspuren für Fahrzeuge mit Sondererlaubnis – etwa Handwerker, Hilfsfahrzeuge und Taxis – geben. Aber nur zu den normalen Geschäftszeiten, sagen wir von 8.00 bis 20.00 Uhr. Man kann das alles organisieren.

Die Umsetzung meines Vorschlags wäre eine große Umstellung. Aber genau darum geht es. Wir müssen etwas anderes probieren, eine andere Form der Mobilität wählen. Die Leute sollten ihre Faulheit, ihre Bequemlichkeit ablegen und sie gegen nachhaltige, bereichernde, wahre Lebensqualität eintauschen. Insgeheim sehnen sich die meisten Menschen danach.

Autos sind die Geißel unserer Gesellschaft. Sie verschwenden Energie und nehmen uns wertvollen Platz in unseren Städten. Was wir alles mit den Parkplätzen anfangen könnten!