Es ist ein Privileg in Berlin zu leben. Das denke ich seit über dreißig Jahren und freue mich über jeden alternativen Freiraum, den sich die Menschen hier erarbeiten. Hier finden sich Gleichgesinnte über Zettelbotschaften an Bäumen und bauen Hochgärten auf Brachflächen oder Kinderbauernhöfe in Mietskasernenruinen.

Eines fehlt aber noch: verbindliche Gemeinschaftsküchen. Ich sehne mich schon lange danach: eine Küchen-Interessengemeinschaft in der Straße oder im Häuserblock, in der ein Mal am Tag für alle hungrigen Mitglieder aus der unmittelbaren Nachbarschaft gekocht wird.

Die Volxküchen sind schon mal ein Anfang. Ich schätze ihre Arbeit und ihren politischen Gedanken sehr. Meine Sehnsucht ist aber pragmatischer: Die Gemeinschaftsküchen, die ich mir vorstelle, wären Räume, die funktional eingerichtet sind und gleichzeitig einen angenehmen Aufenthaltsraum bieten. Soziale Räume, in dem Gäste nach der Arbeit eine frische Mahlzeit bekommen, zuverlässig und einfach. Die Räume könnten in angemieteten Wohnungen, Lagerräumen oder kleinen Läden untergebracht sein.

Egal, ob ich mit Kindern zusammenlebe, oder Single bin – durch die Gemeinschaftsküchen hätten alle weniger Stress und würden Zeit sparen. Die Stadtbewohner könnten die ständige Schlepperei der Einkäufe und die täglichen Gedanken "Was koche ich heute? Was muss ich einkaufen? Wann wird das Essen fertig sein?" aufgeben. Sie könnten sich sicher sein: In der Gemeinschaftsküche ist das Essen lecker, gut, preiswert und rechtzeitig fertig!

Zudem bietet die Gemeinschaftsküche regelmäßige soziale Kontakte. Niemand sollte alleine essen müssen. Sogar der Energieverbrauch würde gesenkt, wenn nicht mehr jeder seinen eigenen Herd anstellen muss.

Die Einkäufe und die Verwaltungsaufgaben regelt jede Küchengemeinschaft selbst. Um die Kosten und den Aufwand überschaubar zu halten, werden die Arbeiten aufgeteilt. Einmal im Monat treffen sich die Mitglieder – je nach Größe der Küche zwanzig bis fünfzig Menschen – und besprechen den Speisenplan, die Einkäufe und die Kosten. Jedes Mitglied abonniert so viele Mahlzeiten wie gewünscht und bezahlt im Voraus einen angemessenen Beitrag.

Habe ich Ihnen Appetit gemacht? Gibt es Gleichgesinnte? Wollen wir zusammen die erste verbindliche Gemeinschaftsküche Berlins gründen?