Lust auf Stadt: Das gute Leben bleibt urban
Das Land ist ein Sehnsuchtsort, doch die Zukunft liegt in der Stadt. Denn hier ist Raum für Mensch, Natur und Ideen – man muss ihn sich nur nehmen.
© Tasos Katopodis/Getty Images for Grey Goose

Stadtraum mit hoher Lebensqualität: eine ruhige Restaurantterrasse in Chicago
Es ist Documenta in Kassel, und sie feiert die Kraft der Natur in einer vom Autoverkehr beherrschten Stadt.
Ein sandiger Hügel aus Abraum und Abfall. Aufgehäuft hat ihn der chinesische Künstler Song Dong. Man kennt solche Schuttberge als Revier abenteuerlustiger Kindermeuten. Auf diesem hier in der Kasseler Karlsaue wuchern Tomaten, Rittersporn und Sonnenblumen. Nur wenige Schritte weiter erhebt sich ein runder Erdturm, aus dem Kohlrabi und Rhabarber wachsen.
Packt jetzt auch die Kunst die Landlust? Geht es heute, dreißig Jahre nachdem Joseph Beuys 7.000 Documenta-Eichen in Kassel pflanzte, immer noch darum, die Urbanisierung zurückzudrängen?
Ganz und gar nicht. Was die Documenta mit derlei erdigen Werken fragt, ist nicht: Wie viel Stadt? Sie fragt: Was wollen die Menschen von der Stadt?
- Lust auf Stadt - die Themenwoche
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© Tasos Katopodis/Getty ImagesAlle Beiträge zu unserer Themenwoche "Lust auf Stadt" sehen Sie, wenn Sie auf dieses Bild klicken.
Städte sind eine große Errungenschaft. Sie ermöglichen Menschen ein selbstbestimmtes Leben. Doch viele Stadtbewohner hadern mit dem beschleunigten, vernetzten, von globalen Kräften geprägten Arbeits- und Lebensstil, den die Stadt ihnen abverlangt.
ZEIT ONLINE widmet sich eine Woche lang dem guten Leben in der Stadt. Wir stellen Projekte und Ideen vor, dank derer sich der Wunsch nach mehr Freiraum, nach Natur und Teilhabe mit einem Leben in Ballungsräumen vereinbaren lässt.
Von Eisenhüttenstadt über New York bis Basel finden unsere Autoren gute Gründe, auch die Zukunft in großen und kleinen Städten zu verbringen. Weil man in ihnen schwimmen und Gemüse anbauen, sie der Nase nach oder mit dem Fahrrad entdecken kann.
- Die Folgen der Serie
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Lust auf Stadt: Das gute Leben bleibt urban
Eisenhüttenstadt: Eine Stadt wartet auf ihre Pointe
Tempelhofer Feld: Entfaltung auf dem Rollfeld
Schwimmen im Rhein: Wie Basel lernte, im Fluss zu leben
Smellscapes: Die Stadt mit der Nase entdecken
Stadtleben mit Kind: Kleine Menschen unter vielen
Landleben mit Kind: Die Härte des Lebens in kindgerechten Dosen
Stadt für Senioren: Ohne Aufhebens aufeinander achten
Wohngemeinschaft: Eine Siedlung für alternde Künstler
Städte im Film: Paris von unten, New York von innen
Orte der Stille: Die Stadt der leisen Töne
Grüne Stadt: Klimaanlagen mit Wurzeln und Laub
Bauen mit Holz: Atmende Fassaden statt Platte
Fahrrad in der Stadt: Mit dem Rad durch offene Türen
Seilbahn: Leise über den Dächern reisenAlle Beiträge zur Themenwoche finden Sie hier.
- Als E-Book
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Die Serie Lust auf Stadt gibt es auch als E-Book. Erfahren Sie alles über die einzigartigen Seiten die nur eine Stadt bieten kann, in dieser für Ihren eReader hochwertig aufbereiteten Fassung. Unser E-Book steht Ihnen dabei als ePub-Version für Ihren eReader, sowie als Mobi-Version für Ihr Kindle Lesegerät zur Verfügung.
Genießen Sie unser enhanced E-Book inklusive Videos und begleiten Sie uns auf der Suche nach dem Grün im Grau, wie wir regional angebaute Lebensmittel im urbanen Raum finden und über den Dächern der Stadt schweben. Entdecken Sie auch weitere E-Books von ZEIT ONLINE:
Grün statt Müll. Gesunde, regional angebaute Lebensmittel statt industrieller Ernährung. Miteinander statt Isolation. Kultur statt Kommerz. Was Kassel zeigt, ist dass das geht, und auch, welches Potenzial für ein besseres Leben in jeder Stadt steckt. Und wie schnell Veränderung möglich ist, ohne dass sie langwierig geplant ist und es teuer wird.
Das ist eine gute Nachricht. Denn viele Städter hadern, wie sie ihr Bedürfnis nach Freiraum, Natur, Teilhabe und Gemeinschaft, nach Ruhe, Entschleunigung, Sicherheit und Ursprünglichkeit mit dem hektischen, lauten, grauen Leben im Ballungsraum vereinbaren können. Jedem dritten Stadtbewohner fehlen diese Dinge, wie eine YouGov-Umfrage im Auftrag von ZEIT ONLINE ergab.
© ZEIT ONLINE
Diese Sorge um lebenswerte Räume in der Stadt lässt engagierte Bürger gegen die Berliner Mediaspree-Büros und den Bahnhof Stuttgart 21 protestieren, für den Erhalt des Hamburger Gängeviertels und den unverbauten Freiraum auf dem Tempelhofer Feld in Berlin. Andere treibt es zum Gärtnern zwischen Häuserwänden und auf die Mietscholle draußen vor die Stadt. Oder zumindest in den Bioladen. Dutzende Raus-aufs-Land-Bücher suchen nach Heilung für das, was in der Stadt nervt und fehlt.







auf dem Land. Ich würde die Stadt vorziehen wenn das noch zu Finanzieren währe.
Da wir hier eine gute Infrastruktur haben, die Städte sind Gut erreichbar, fehlt die Stadt nur Begrenzt. Von hier aus kann ich ohne großen Aufwand meine Interessen wahr nehmen; Konzerte und Kino besuchen, Museen sind ebenfalls gut zu erreichen. Nachteile sind der spärliche Nahverkehr, man ist aufs Auto angewiesen. Vorteilhaft sind die gut angelegten Möglichkeiten sich "Im Grünen" zu bewegen.
Ich habe während meiner Ausbildung und auch Später 30 Jahre in Bonn gelebt und mich dort sehr Wohl gefühlt. Mit dem Heutigen Kompromiss bin ich aber ganz Zufrieden.
Bei dem Kontrast zwischen Land und (Groß-)Stadt kann man noch anmerken dass es zwischen den Extremen noch das gesunde Mittelding gibt - Städte mit ca 100.000 Einwohnern.
Klar, gegenüber Berlin oder gar London ist das ein Dorf, aber ich finde man bekommt da oft das Beste aus beiden Welten.
Ich lebe beispielsweise am Rand der Innenstadt (Trier), bin überall in wenigen Minuten zu Fuß. Will man mit dem Auto nach außerhalb fahren, muss man sich auch nicht erst eine halbe Stunde durch die Innenstadt wühlen.
Klar, die Bars, Restaurants und Kinos kennt man schon nach relativ kurzer Zeit auswendig, aber wenn einen das nicht stört findet man in dieser Größenordnung eine erstaunlich gute Balance zum Leben.
PS: aus dem Vorkommentar: "ich habe echte, wilde Natur um die Ecke und nicht in einem Garten oder Zoo"
Das muss nicht unbedingt stimmen, war in meiner Landlebe-Zeit zumindest nicht so, da gab es nur Kühe...
Und wilde Natur gibt es in der Stadt durchaus - ich sag nur Tauben ;)
sehr gut. Es ist zwar nicht ein Product des "New Urbanism", aber koennte, als die aelteste Stadt Deutschlands, sehr wohl eines der Vorbilder fuer diese Bewegung sein. Und Deutschland hat zum Glueck noch viele andere Beispiele fuer "Old Urnanism" a la Trier.
Das Ziel Staedte "lebenswerter" zu machen ist natuerlich lobenswert. Nur sollte man nicht uebersehen, dass dieser Prozess in der Regel fuer den "Normalbuerger" mit unerschwinglichen Immobilienpreisen und Mietkosten endet.
Ein spezieller Fall sind die Megacities, die das Resultat der Landflucht und der Bevoelkerungsexposion sind. Das es die Letztere in D nicht gegeben hat, haben wir mit dieser Entwicklung zum Glueck recht wenig Erfahrung.
sehr gut. Es ist zwar nicht ein Product des "New Urbanism", aber koennte, als die aelteste Stadt Deutschlands, sehr wohl eines der Vorbilder fuer diese Bewegung sein. Und Deutschland hat zum Glueck noch viele andere Beispiele fuer "Old Urnanism" a la Trier.
Das Ziel Staedte "lebenswerter" zu machen ist natuerlich lobenswert. Nur sollte man nicht uebersehen, dass dieser Prozess in der Regel fuer den "Normalbuerger" mit unerschwinglichen Immobilienpreisen und Mietkosten endet.
Ein spezieller Fall sind die Megacities, die das Resultat der Landflucht und der Bevoelkerungsexposion sind. Das es die Letztere in D nicht gegeben hat, haben wir mit dieser Entwicklung zum Glueck recht wenig Erfahrung.
. . .Ich war gestern in Rheinbach, südlich von Bonn, eine kleine Stadt, mit recht wenig Autos und viel entspannteren Menschen. Auto geparkt, Rennrad ausgepackt und los Richtung Schuld, Altenahr und so: Wunderbar, kaum Verkehr, deswegen kaum Lärm, die Luft roch nach vielen Gutem, nur nicht nach Verbrennungsprodukten irgendeiner Industrieproduktion. Gut, shoppen interessiert mich persönlich nicht mehr, und ich konnte mir gut vorstellen, dort zu wohnen, echt. Jetzt wohne ich im Ruhrgebiet und alles was der Forist hier aufzählt trifft zu und hat noch zugenommen. Fahrradtrassen und mehr Begrünungen sind schön, ändern aber nix. Weiterhin kommt dazu, daß der Teil der Einwohner hier, die den ständigen Konsum nicht leisten können, langsam seltsam erscheint. Ich nehme an, daß halt kein Freiraum für Anderes gegeben wird, alles hängt vom verfügbaren Einkommen ab. Lese ich dazu auf ZEIT- oder SPIEGL Online Artikel über die geplante permante Überwachung der städtischen Räume, na, das soll die Lebensqualität eines jeden sichern? Ein Vorteil hat Deutschland, es hat nicht diese schnell wachsenden monströsen MegaCities.
und 10 Minuten Autofahrt dorthin für einen "Nachteil" hält, muss sich nicht wundern, wenn sie/er früher oder später den Anschluss verliert.
Wer Kinder hat und nicht in der Großstadt wohnen möchte, der wird schnell bemerken, dass es auf dem Land die Regel ist, dass dort 14-Jährige leben, die in ihrem ganzen Leben noch nicht einmal in der 30 Km entfernten Großstadt waren, kulturell kennen die nichts anderes als Schützenfest und das Angebot des örtlichen Kick-Ladens,
da wird einem klar, wieso verschiedene Aspekte von Rückständigkeit einfach nicht aussterben wollen.
...in den Großstädten mehr als genug Kinder und Jugendliche, die in ihrem Leben noch nie eine lebende Kuh gesehen haben - außer im Fernsehen.
Die Zahl rückständiger Menschen ist sowohl in der Stadt, als auch auf dem Lande gleich groß.
"dass es auf dem Land die Regel ist, dass dort 14-Jährige leben, die in ihrem ganzen Leben noch nicht einmal in der 30 Km entfernten Großstadt waren, kulturell kennen die nichts anderes als Schützenfest....da wird einem klar, wieso verschiedene Aspekte von Rückständigkeit einfach nicht aussterben wollen."
Diese reneralisierte Sichtweise allerdings bezeugt durchaus Rückständigkeit -eines wahrscheinlich Nicht-Landbewohners.
...in den Großstädten mehr als genug Kinder und Jugendliche, die in ihrem Leben noch nie eine lebende Kuh gesehen haben - außer im Fernsehen.
Die Zahl rückständiger Menschen ist sowohl in der Stadt, als auch auf dem Lande gleich groß.
"dass es auf dem Land die Regel ist, dass dort 14-Jährige leben, die in ihrem ganzen Leben noch nicht einmal in der 30 Km entfernten Großstadt waren, kulturell kennen die nichts anderes als Schützenfest....da wird einem klar, wieso verschiedene Aspekte von Rückständigkeit einfach nicht aussterben wollen."
Diese reneralisierte Sichtweise allerdings bezeugt durchaus Rückständigkeit -eines wahrscheinlich Nicht-Landbewohners.
Mir scheint bei manchen Verfechtern des Stadtlebens kommen die gleichen Mechanismen zum Zuge, wie bei den Menschen, welche meinen bei Produkten der Firma mit dem Apfel auch ein Stück Lebensgefühl dazu zu kaufen.
Inwiefern meinen Sie das bitte?
und Marschmusik,
die anderen wissen mit dem Begriff Design umzugehen und kennen den Sinn von "weniger ist mehr".
So ist das nun einmal.
Inwiefern meinen Sie das bitte?
und Marschmusik,
die anderen wissen mit dem Begriff Design umzugehen und kennen den Sinn von "weniger ist mehr".
So ist das nun einmal.
In manchen ländlichen Regionen lebt man zentraler, als in der Großstadt selbst. Auch die Innenstädte der Großstädte sind schneller zu erreichen, als wenn man in den Großstädten selbst wohnt.
Allerdings: seitens der Immobilieninvestoren, die mit der Vermietung von Wohnungen Rendite machen wollen, ist der Weg der Bevölkerung aufs Land ein Schrecken. Eine noch so kleine Abwanderung aus den Städten bedeutet auf die Dauer sinkende Mieten - und damit sinkende Renditen.
Übrigens: das Kleingartengesetz und die dazugehörigen kommunalen Verordnungen gehören nicht nur zu den am meisten geänderten Gesetzen - die Kleingärten und Kleingartenvereine werden von den zuständigen Ordnungsbehörden auch traditionell an der ganz kurzen Leine gehalten und sehr engmaschig kontrolliert. Es gibt dort teilweise sehr strikte kommunale Auflagen - etwa, was die Höhe von Hecken oder die Einsehbarkeit der Gärten angeht.
...in den Großstädten mehr als genug Kinder und Jugendliche, die in ihrem Leben noch nie eine lebende Kuh gesehen haben - außer im Fernsehen.
Die Zahl rückständiger Menschen ist sowohl in der Stadt, als auch auf dem Lande gleich groß.
Es gibt Megastädte (nicht in D), Metropolen (Berlin, Hamburg, München, Köln) und dann noch knapp 80 Großstädte (EW>100.000) in D. Die weitaus meisten Menschen leben allerdings in mittelgroßen, bzw. kleineren Kommunen.
Den einsamen Weiler auf dem Land gibt es kaum noch.
Die Infrastruktur ermöglicht jedem Kleinstädter, in kurzer Zeit die nächste Großstadt zu erreichen. Hieraus unterschiedliche Grade an Fortschrittlichkeit der Bewohner zu konstruieren ist, wie Sie sagen, unsinnig.
Größere Städte können ein vielfältigeres kulturelles Angebot bereitstellen, Opernhäuser und Museen sind nunmal kostspielige Angelegenheiten. Für deren Besuch nehme ich allerdings gerne eine Anfahrt in Kauf.
Freibäder hingegen scheinen lustigerweise ein Grundbedürfnis des Deutschen zu sein, jedes Dorf hat eines.
Und manchmal sind Innovationen gerade in kleineren Kommunen leichter zu realisieren.
Man denke an die Stromrebellen von Schönau (2000+ EW) oder die vielen kleineren Gemeinden, die Komplementärwährungen eingeführt haben. ("Chiemgauer")
Städte sind so lebenswert oder nicht wie ihre Einwohner sie machen, scheint mir. Eine engagierte Bürgerschaft macht den Unterschied, nicht die Größe.
k.
Es gibt Megastädte (nicht in D), Metropolen (Berlin, Hamburg, München, Köln) und dann noch knapp 80 Großstädte (EW>100.000) in D. Die weitaus meisten Menschen leben allerdings in mittelgroßen, bzw. kleineren Kommunen.
Den einsamen Weiler auf dem Land gibt es kaum noch.
Die Infrastruktur ermöglicht jedem Kleinstädter, in kurzer Zeit die nächste Großstadt zu erreichen. Hieraus unterschiedliche Grade an Fortschrittlichkeit der Bewohner zu konstruieren ist, wie Sie sagen, unsinnig.
Größere Städte können ein vielfältigeres kulturelles Angebot bereitstellen, Opernhäuser und Museen sind nunmal kostspielige Angelegenheiten. Für deren Besuch nehme ich allerdings gerne eine Anfahrt in Kauf.
Freibäder hingegen scheinen lustigerweise ein Grundbedürfnis des Deutschen zu sein, jedes Dorf hat eines.
Und manchmal sind Innovationen gerade in kleineren Kommunen leichter zu realisieren.
Man denke an die Stromrebellen von Schönau (2000+ EW) oder die vielen kleineren Gemeinden, die Komplementärwährungen eingeführt haben. ("Chiemgauer")
Städte sind so lebenswert oder nicht wie ihre Einwohner sie machen, scheint mir. Eine engagierte Bürgerschaft macht den Unterschied, nicht die Größe.
k.
Inwiefern meinen Sie das bitte?
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