Tempelhofer Feld : Entfaltung auf dem Rollfeld

Kiten, skaten und grillen: Berliner haben aus dem Tempelhofer Feld einen Ort gemacht, von dem Stadtplaner träumen. Warum kann es nicht dabei bleiben?
Gärtnern auf dem stillgelegten Flughafen Berlin-Tempelhof

Der Flughafen Berlin-Tempelhof ist megaloman: Er war der erste Verkehrsflughafen der Welt, dann der erste Baustein für Albert Speers Monumentalstadt "Germania" und später Schauplatz der Luftbrücke, der größten Luftversorgungsaktion der Menschheitsgeschichte.

Seit 2008 ist er der stillgelegteste Flughafen: eine riesige Fläche mitten in der Hauptstadt, das Tempelhofer Feld – die größte innerstädtische Freifläche der Welt. 300 Hektar – mehr Fußballfelder, als man sich vorstellen kann. Darum ist es beim Flughafen Tempelhof auch immer gegangen: Was man sich überhaupt vorstellen kann.

Und diese Fläche steht nun leer. Darf sie das überhaupt?

Wenn es nach Investoren ginge, nicht. 2006 hatte der amerikanische Kosmetikkonzern Estée Lauder vorgeschlagen, das Flughafengebäude zu einer Schönheitsklinik zu machen, draußen sollten die Privatjets der Kunden landen. Drei Jahre später unternahm der Architekt Jakob Tigges einen Anlauf: Warum nicht einen Berg aufschütten? Einen Eintausender, nicht weniger. Dagegen nehmen sich die Nutzungskonzepte, die derzeit in der Berliner Politik diskutiert werden, recht handlich aus: Bundesgartenschau, Wohnquartiere, ein künstlicher Park mit Wasserlandschaft und Kletterwand.

Nur eine Option spielt in den Planspielen keine Rolle: Einfach alles so zu lassen, wie es ist.

Zwanglose Bewegung

Denn es ist ja keineswegs so, dass auf dem Gelände heute nichts passierte. Das Flugfeld, das sich zwischen den Vierteln Tempelhof und Neukölln erstreckt, ist ein Ort, den sich Berliner und Touristen jeden Tag neu erschließen. Der autofreie Asphalt wird mit Rädern aller Art befahren. Zwischen dem struppigen Gras und den Landebahnen sind Allmende-Gärten entstanden, ein Skulpturenpark, eine Kinderstadt. Manche veranstalten hier Autorenlesungen und spontane Unplugged-Konzerte.

Viel Platz für gute Ideen: Das Tempelhofer Feld, früher Flugfeld, heute Freiraum mitten in Berlin © Sean Gallup/Getty Images

Eine Nutzung also, die ganz im Sinne mancher Stadtsoziologen ist. Die Bewegungsfreiheit des Bürgers sollte im Zentrum aller Entwürfe von Stadtplanern stehen, hatten die Urbanisten Mario Polése und Richard Stern in ihrem Buch über soziale Nachhaltigkeit im Jahr 2000 gefordert. Und die Idee, zeitgemäße Stadtquartiere sollten soziale Apartheid vermeiden und Solidarität ebenso fördern wie soziokulturellen Pluralismus, stammt von der Unesco und ist im Stadtentwicklungsprogramm Most (Management of Social Tranformations) festgeschrieben.

Alles, was auf dem Tempelhofer Feld angeboten wird, geschieht ohne Lohn und Eintritt, ohne eine langfristige Strategie, ohne Machbarkeitsstudie und Planfeststellungsverfahren. Es existieren keine Handlungsanweisungen. Jeder Besucher kann sich dort wahrhaft zwanglos bewegen. Die Stadt hat lediglich die Tore geöffnet und zugelassen, dass sich die Menschen den Raum aneignen.

Und so geht vom derzeitigen, unentworfenen Feld ein demokratisches Signal aus: Es sind die Menschen, die ihre Stadt gestalten.

Kommentare

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Demokratischer Prozess nötig

Nun ich kann zu der Nutzung vor Ort und deren Wert wenig sagen, da ich nicht in Berlin wohne und das Gelände nur aus Berichten kenne. Aber mich stört doch sehr, dass jemand ein Schild "Wir bleiben" aufstellt und damit ein vermeintliches Recht propagiert öffentlichen Raum für sich selbst in Beschlag zu nehmen.

Was aus dem Tempelhoffeld geworden ist mag bestimmt interessant und sehens- oder auch erhaltenswert sein, aber es liegt nicht im Ermessen Einzelner die Nutzung vorzugeben. Das Gelände gehört der öffentlichen Hand und ein gewähltes Parlament hat darüber zu entscheiden und nicht emsige "Feldbesetzer".

Es mag für die einen sicher gut sein wie es ist, aber andere fühlen sich in einem angelegten Park vielleicht wohler. Daher sollte der Grundstückseigentümer die Bürger in eine Planung mit einbeziehen. Wenn diese dann entscheiden, dass alles so bleiben soll wie es ist, dann soll es auch so sein.

Aber ein paar engagierte Gärtner und Künstler können sich nur aufgrund ihrer Aktivität kein Recht heraus nehmen etwas über die Köpfe anderer zu unterscheiden. Zumal speziell diese Personen oft als die Verfechter von Demokratie und Bürgerbeteiligung auftreten.

Normale Feldbesetzer: von mir aus...

Aber nicht, dass das jetzt auch zu einer alternativen Zone wird, wo man sich als Normalverdiener nicht mehr blicken lassen kann, ohne dass man gleich alleine dadurch, dass man nicht besoffen ist, als Snop hingestellt wird - ich sag nur Görli.
Und bitte auch keine Feldbesetzer, die sofort Startbahn und Flughafengebäude mit ihren persönlichen, nicht gerade von differenzierter Intelligenz strotzenden, politischen Messages vollschmieren.
Und genau diese Gefahr sehe ich. Denn wenn man die Fläche sich selbst überlässt, wird sie besetzt werden... und irgendwann für viele normale Menschen in Berlin, die nicht auf Teufel komm raus etwas total abstraktes und unkonventionelles (was dann meist auch nur dem "Künstler" und seiner Clique gefällt) wollen, uninteressant.

seit..

..zwei jahren ist das feld offen...
da ist noch nix vollgeschmiert worden.. da fährt eben auch ein sicherheitsdienst rum und sorgt dafür, dass alles mit rechten dingen zugeht...
ausserdem ist das feld um einiges grösser als der görli und man kann als "snob" hier gut untertauchen..
es ist für alle da und ein wahres balsam für das selbstwertgefühl aller leidenden berliner seelen..

Tja wofür kann diese Fläche genutzt werden?

wenn man sich einen aufgegebenen Flughafen mal genauer ansieht, so finden sich eigentlich immer deutliche Spuren der vorangegangenen Nutzung:

- auf dem Grundwasser stehen einige Meter Kerosin

- Bodenplatten von Gebäuden sind mit bleihaltigen Antiklopf-Zusätzen angereichert

- Der Oberboden enthält Asbestabrieb

- halogenhaltige Feuerlöschmittel sickern eifrig bis durch den Kapilarsaum

- es gibt eine, oder mehrere veritable Schadstofffahnen im Grundwasserabstrom

Wer hat das Gelände eigentlich freigemessen, und wie?

Im gegegenen Zustand ist das mit dem "frei bewegen" so eine Sache.

MfG KM

Die ersten orientierenden Untersuchungen fanden bereits

2007 statt, also schon ein Jahr VOR Schließung des Flughafens, als noch niemand wusste, was einmal aus Tempelhof werden würde. Man hatte das Thema offensichtlich schon sehr früh auf dem Bildschirm:

"Für einige Flächen [Verdachtsflächen laut dem Bodenbelastungskataster] fanden orientierende Untersuchungen statt ... Für eine als Altlast nachgewiesene Fläche [ist] die Durchführung der Sanierungsuntersuchung eingeleitet worden ... Generell ist festzustellen, dass sich der Handlungsbedarf zur Sanierung von Altlasten oder zur Beseitigung von Bodenverunreinigungen in Abhängigkeit von der konkreten Nutzung der Flächen ergibt."
http://www.stiftung-natur...

Das Bezirksamt gab 2009, ein Jahr vor Freigabe der Fläche, eine weitere und umfangreichere Untersuchung in Auftrag. Zu deren Methodik und Ergebnissen habe ich nichts gefunden, aber man sollte nicht so tun, als hätte nie jemand nach Altlasten geschaut.

Ist ja alles gut und schön...

...aber man sollte doch eines nicht vergessen: Berlin steckt bis zum Hals in Schulden. Und wer kommt zu einem wesentlichen Teil dafür auf? Andere Bundesländer im Rahmen des Finanzausgleichs!
Da muss man sich doch fragen, ob es sich Berlin in dieser Situation wirklich leisten kann, 300 Hektar (!) Brachfläche ungenutzt zu lassen. Ich denke nicht...
Man muss ja jetzt nicht direkt alles zubauen, aber ein Teil sollte, nein muss definitiv wirtschaftlich genutzt werden. Berlin ist einfach verpflichtet, solche Möglichkeiten zu nutzen, um selber einen Teil seiner Schulden abzubauen.

Welche Form der Nutzung schwebt Ihnen da denn so vor?

Noch ein paar mehr zu den rund 1.000.000 unvermieteten Quadratmetern Bürofläche in Berlin dazu bauen?
Oder lieber die Industrie mit ordentlich Subventionen zurück nach Berlin locken (die sich in Ost-Europa und Asien ganz gut zu fühlen scheint), mitten zwischen die Wohngebiete zweier Bezirke? Die geht aber immer wieder, wenn die Geldgeschenke aufhören.

Oder sollten wir vielleicht einen Spaßpark mit Potsdamer Platz, Brandenburger Tor, Checkpoint Charlie, Mauer-Fake und reichlich Clubs und Kneipen für die Berlin-Billig-Besucher bauen, wo sie von früh bis spät mit ihren Rollkoffern auf- und ab fahren, sich den Hals nach Lust und Laune zuschütten und hinkotzen können, wo immer es ihnen beliebt? Scheint mir fast am sinnvollsten und lukrativsten.

Wir könnten natürlich auch einen Flughafen daraus machen...;-)...

Es gibt kein Land, in dem die Hauptstadt so verachtet wird wie in Deutschland.
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Ich wäre ja eigentlich Anhängerin von The Berg http://www.the-berg.de/# da wir das aber nur in der Fantasie umsetzen werden, von Allmende-Flächen, einem Teil gestalteter Park, meinetwegen auch eine BuGa. Neukölln, das angrenzende Kreuzberg und Tempelhof haben nicht viel Grünfläche. Wichtig wäre mir auch die Wiederentdeckung des sozialen Wohnungsbaus - in Kreuzberg und Neukölln ist kaum noch bezahlbarer Wohnraum zu finden, schon gar nicht für Familien mit Kindern, in Tempelhof geht's noch halberwegs.

Bitte keine Stadtvillen, bitte keine Golfplätze, bitte keinen SchnickSchnack.

Status von Berlin

"Es gibt kein Land, in dem die Hauptstadt so verachtet wird wie in Deutschland."

Vielleicht sollten sich die Berliner, besonders Wowi und seine Brut, mal Gedanken machen warum das so ist.
Wenn mich mein Nachbar um Geld anbettelt und sich dann nen Porsche kauft um anschließend von Luft und Liebe zu leben, dann hab ich halt mit dem auch ein kleines Problemchen...

O bitte

Verachten Sie 'Wowi und seine Brut', so sehr und so lange es Ihnen beliebt - womöglich wären wir einer Meinung.

Herr Wowereit ist aber nicht Berlin. Wissen Sie, ich bin öfter in Westdeutschland auf Messen - sobald aus meinem Firmenschild meine Heimat Berlin deutlich wird, habe ich mich für Flughäfen, Herrn Wowereit, arm aber sexy, Partybürgermeister Subventionsmentalität, rechtsfreie Räume, Islamisierung, Ghetto, Ausländerkriminalität, Multikulti, Mauer, keine Mauer, Ossis, Wessis, Palast der Republik, dessen Abriß, protofaschistischen Schloßneubau, Berlinbesuch mit Komasaufen, Prenzlauer-Berg-Mütter, Schwaben, Gentrifizierung wasweißich zu rechtfertigen.

In (West-)Berlin hat kaum jemand darum gebeten, Hauptstadt zu werden. Bitte unterscheiden Sie zwischen Politikdarstellern/ihren Unfähigkeiten und den Bürgern von Berlin. Wir tun, was wir können. Wir leben trotz teilweise bedrückender Armut meist friedlich miteinander, Menschen aus über 120 Ländern. Wir verlieren den Humor dabei nicht. Wir improvisieren und machen aus wenig viel. Wir können nichts dafür, daß wir durch den Bau der Mauer unverschuldet arbeitslos wurden und daß das bis heute so ist. Trotz allem ist Berlin unsere Heimat. Danke.

PS. Die Nutzung des Tempelhofer Flugfelds ist weniger für 'Wowi und seine Brut', sondern für die Berliner Bürger von Relevanz, die Gründe nannte ich bereits.
PPS. Hauptstädte kosten, es tut mir leid, aber es hilft nix.

Ach bitte...

...lassen Sie die Aufrechnerei doch sein - das können wir Nicht-Hauptstäder nämlich auch ;-)

Klar kostet es etwas, Hauptstadt-Status zu besitzen. Man bekommt aber auch sehr viel dafür, wonach sich andere Städte die Finger lecken würden.

Z.B. einen großen neuen Bahnhof, oder eine immens hohe Attraktivität bei Touristen, oder Beiträge wie diesen hier bei Zeit-Online über eigentlich rein stadtpolitische Angelegenheiten, oder das DFB-Pokalfinale, oder die IFA (Anfänge als "Große Deutsche Funkausstellung" zu einer Zeit, als Berlin schonmal Hauptstadt war), oder Kulturgüter erster Klasse (z.B. Museen und Gedenkstätten, die weit über die Bedeutung Berlins als Stadt oder Land hinausgehen) oder ständige internationale Erwähnung (was für ein fetter PR-Effekt), oder Konzernzentralen en masse.
Das trägt doch viel mehr Investitionen und Geld in die Stadt, als sie Kosten für den Sitz von Bundeseinrichtungen aufwenden muss.

Ich gönn den Berlinern das wirklich alles nach der schwierigen Geschichte, aber ich kann's echt nicht mehr hören, wenn einseitig über die Belastungen als Hauptstadt lamentiert wird.

Es tut mir leid,..

..dass Ihr leben so schnoede und langweilig ist, dass Sie ihren Mitmenschen, aufgrund des Laenderfinanzausgleichs und seiner ungerechten Verteilung, den Spass an einer Freizeitflaeche vergaellen moechten.

Aber bestimmt ist in Ihren Augen Berlin ja sowieso nur der Moloch, in dem Studenten versacken, mehr Menschen von Hartz IV als von normaler Arbeit leben, und in dessen S- und U-Bahnen reihenweise Menschen gepruegelt werden.

Es riecht nach Obazda und Weissbier... Hamburger und B-Wler weinen nicht bei jeder Gelegenheit.

Da haben Sie mich falsch verstanden

ich lamentiere nicht, sondern möchte nur nicht ständig dafür bespuckt werden, daß der Bund Unsummen in die Stadt baute, während der Berliner Haushalt durch die Post-Wende-Seifenblasen des damaligen Senats aberwitzig verschuldet wurde. Wie gesagt: kaum jemand in Westberlin riss sich um Hauptstadt, Ost-Berlin war's bereits. Berlin ist die einzige Stadt der Republik, in der eine Wiedervereinigung auch stattfand. Westdeutschland blieb weitgehend unverändert. Ob man Berlin mal als Labor sieht?

Der einzige Punkt, von dem Bürger aus Ihrer 'Aufrechnerei' etwas haben, ist das immense Kulturangebot. Das ist so immens, daß ich kaum einen Bruchteil davon nutzen kann. Ich freue mich auch fast über schlechte Presse speziell über Kreuzberg, rund um den 1. Mai z.B., dann kommen vielleicht ein paar weniger ausschließlich Nutznießende und die Mieten bleiben in einem noch soeben bezahlbaren Rahmen. Ich gebe derzeit knapp zwei Drittel meines Einkommens für Mieten aus, mein Atelier werde ich demnächst los, falls jemand zufällig eins weiß? SO36 +5km, >25qm/250€ warm, Erdgeschoß/Lastenaufzug, Tageslicht, Heizung, Rest egal. Danke!

Es sind jetzt über 20 Jahre Goldgräberei seit der Wende, das Berliner Lohnniveau, Kaufkraft, Einnahmen an Gewerbesteuern hielten da leider nicht ganz mit. Berlin war vor der Wende schon arm, ich erinnere aus den 80ern Diskussionen, ob die Springbrunnen auf öffentlichen Plätzen noch betrieben werden können. Ein Sparen, das in Westdeutschland erst Jahre später ankam.

...falsch verstanden 2. Teil

Berlin ist auch nicht nur Anziehungspunkt für Konzernzentralen (was bringen die FÜR Berlin?), sondern auch für Flüchtlinge, Arme, Entwurzelte, Drogenabhängige, Haifische, Spekulanten. Was bitte haben die Berliner Bürger davon, daß sich die Mächtigen, Reichen, Schönen immer lieber vor der Kulisse Berlin inszenieren?

Mir wäre wichtiger, daß die Kinder aus den armen Familien meiner Nachbarschaft ins Schwimmbad gehen können und daß sie Zukunftsperspektiven haben als daß BMW/Guggenheim mit ihrem Lab oder Kauka mit seinem Carloft protzt. Wir brauchen Jobs hier, nicht Vermarktung für anderswo verdientes Geld, anderswo geschaffene Jobs!

Die Jugendarbeitslosigkeit in Berlin liegt bei 14%, unter männlichen Migranten bei 25%, in manchen Vierteln ist sie höher. Wir haben ca 20.000 Jugendliche ohne Arbeit/Ausbildungsplatz und über 200.000 Arbeitslose, davon rund 75.000 Langzeitarbeitslose. Das sind in anderen Gegenden ganze Städte. Wir haben jede Menge Jobs, die mit H4 aufgestockt werden müssen, weil sie trotz Vollzeit nicht anständig bezahlt werden. Aus Berlin stammt der Begriff 'urbane Penner' oder 'ist es noch Bohéme oder schon Unterschicht?' für die gut Ausgebildeten, Hochkreativen, die sich in konsequenter Selbstausbeutung durchschlagen und die Kulisse Berlin so überaus interessant machen.

Wir haben übrigens die niedrigste Suizidrate der Republik, Bayern ist bei Quasi-Vollbeschäftigung trauriger Spitzenreiter.

Irgendetwas müssen wir wohl richtig machen.

teil der bekannten strategie

wenn berlin weiterhin alles privatisiert, dann bleibt am ende der stadt und den bürgern nicht mehr viel über. dann kann das "kapital" über alles frei verfügen und "es" kümmert sich recht wenig um die bedürfnisse der menschen, sondern nur um "dessen" eigene vervielfältigung.. neoliberalismus als antwort auf das schuldenproblem? die demokratie schaufelt sich hier nur ihr eigenes grab. bürger werden weiter entmündigt und politische entscheidungen nur hinsichtlich wirtschaftlicher interessen gefällt.
das tempelhofer feld ist zudem auch ein lokalpolitisches problem. es hilft wenig, wenn leute aus der ferne mit dem länderfinanzausgleich argumentieren.

Nur fordern.... nichts sonst (1 von 2)

Also, erstmal: SO36 + 5 km und 250 Euro warm, da wünsche ich Ihnen viel Glück - das werden Sie brauchen.

"Mir wäre wichtiger, daß die Kinder aus den armen Familien meiner Nachbarschaft ins Schwimmbad gehen können und daß sie Zukunftsperspektiven haben als daß BMW/Guggenheim mit ihrem Lab oder Kauka mit seinem Carloft protzt. Wir brauchen Jobs hier, nicht Vermarktung für anderswo verdientes Geld, anderswo geschaffene Jobs!"

Was soll denn das? Wieso versuchen Sie schon wieder alles gegeneinander aufzubringen? Und wo protzt denn hier jemand? Ich wohne an der Sonnenallee und bin jeden Tag in Kreuzberg 36. Und wenn ich mal sehe, wer da dicke Autos fährt... dann komme ich zu dem Schluss, dass das nicht selten die sind, für die Sie sich einsetzen. Und - was stört Sie daS? Wieso verhindert das Protzen mit einem dicken BMW (wobei viele Kreuzberger alleine das Fahren schon als Protzen empfinden), dass arme Kinder ins Schwimmbad gehen können? Das hat doch garnichts miteinander zutun.

Die Jugendarbeitslosigkeit in Berlin wird hoch bleiben. Und das ist auch richtig so. Man hat, nach der Schließung Tempelhofs darüber diskutiert, ob man gerade für die Künstlerszene dort ein Zentrum errichtet mit Wohnung. Die AntiFa hat sofort dagegen mobil gemacht und den Central Park in New York an die Wand gemalt. Davor demonstrierte man dagegen, dass der verranzte Osthafen, der heute noch aussieht wie vor der Wende...

Suizidrate...

"Wir haben übrigens die niedrigste Suizidrate der Republik, Bayern ist bei Quasi-Vollbeschäftigung trauriger Spitzenreiter"

Eigenartige Interpretation...
http://scienceblogs.de/ge...

Es wundert mich nicht, dass Berlin hier auf Platz 3 ist. Die Leute gerade im Kiez, auch wenn sie immer behaupten, dass ihnen Geld nicht wichtig ist, reden nur vom Geld - in erster Linie vom Geld der anderen und mit welch heimtükischen Mitteln sie es wohl wieder bekommen haben (sollen)... und was sie machen würden, wenn sie es hätten...

Bitte?

Was/wen bringe ich denn 'schon wieder' gegeneinander auf?

Der Eintritt ins Prinzenbad kostet 4€, das kann sich eine arme Familie nicht oft leisten.
Die BMWs der Deutsch-Türken sind noch ein bißchen mehr goldenes Kalb als die SUVs der Neuzugezogenen, da haben Sie ganz recht. Und? Was hat das damit zu tun, daß das BMW-Guggenheim-Lab uns erklären wollte, wie 'urban dialogue' geht? In Kreuzberg konnten sie die Frage von Anwohnern, in was genau sie sich einbringen dürften, nicht mal beantworten. Es wird hier, wie Ihnen vermutlich aufgefallen ist, auch eher Fahrrad und ÖPNV genutzt und auch ganz ohne das Lab urban miteinander gesprochen.

Herrn Kaukas Carloft dient wem? Genau: Herrn Kauka allein. Die erste patentierte Architektur der Welt ist für Städte mit keinen Parkplätzen/viel Kriminalität, etwa Lagos/Nigeria. In Kreuzberg gibt es Parkplätze, Kreuzberg wird lediglich als Kulisse mißbraucht. Mit der Konsequenz, daß im unmittelbaren Umfeld x Häuser sehr chic saniert und die Bewohner ausgetauscht wurden. Es gibt kleine Unternehmen, die bei der Adresse Paul-Lincke-Höfe Vorkasse verlangen. Nein, nicht aus Rassismus, sondern wegen x üblen Erfahrungen mit der Zahlungsmoral.

Hohe Jugendarbeitslosigkeit finden Sie 'richtig so'? Ich nicht, das wird nämlich teuer - falls Sie ökonomischen Argumenten zugänglich sein sollten.

Ein Atelier im SO36 brauche ich nicht wegen 'repräsentativ', sondern weil ich dort wohne, bei 60Stunden/Woche kriege ich lange Fahrzeiten nicht mehr unter.

...;-)...

Sie haben Ihr Augenmerk vermutlich nur auf 1990 gerichtet, bitte berücksichtigen Sie in Ihrer Statistik auch 2010. Dazu auch, von Anfang 2011 http://www.welt.de/vermis... 'Laut Statistischem Bundesamt liegt Bayern bei der Zahl der Selbstmorde weiterhin an der Spitze. Die wenigsten Suizidfälle gab es in Berlin.'

Ergänzend noch zu Ihren #50/51 - was bitte habe ich mit der Kiez-Miliz zu tun? Genau: nix. Ich demonstriere doch nicht gegen Arbeitsplätze in Berlin!

Re: Das ist aber lieb...

Das ist aber lieb von Berlin, dass sie vielleicht mal so in 8 bis 13 Jahren ohne neue Schulden auskommen wollen. Aber so lange man schön Geld aus dem LFA bekommt, kann man danach ja immernoch von Luft und Liebe leben.

Darf ich darauf hinweisen, dass Bayern im Rahmen des Länderfinanzausgleichs über 35 Jahre lang ein Nehmerland war? Ich will damit sagen, dass Landeshaushaltspolitik nun einmal eine sehr langfristig zu planende Angelegenheit ist. Und es ist mitnichten so, dass Berlin von Luft und Liebe lebt. Es gab in den letzten Jahren viele Infrastrukturprojekte, die erst in der Zukunft ihre Wirkung entfalten können. Allein der Beginn der Planung des leider immer noch nicht eröffneten Flughafens BBI begann vor über 15 Jahren. Es geht aber auch um Autobahnen, Brücken, Bahnhöfe, und so weiter. Wenn man Berlin von vor 11 Jahren, als Wowereit Bürgermeister wurde, mit heute vergleicht, dann stellt man enorme positive Veränderungen fest. Wer meint, dass man hier in der Zeit nur von Luft und Liebe gelebt habe, der solle mal aus seinem verschlafenen Dorf herauskommen und sich gründlich informieren. Sicher ist nicht alles perfekt gelaufen und es gibt immer Dinge zu beanstanden, aber prinzipiell geht Berlin die richtige Richtung. Nicht umsonst erlebt Berlin gerade einen enormen Anstieg der Immobilienpreise und es gibt einen regelrechten Bauboom. Investoren sehen nämlich nun endlich auch das Potential. Der Plan geht auf. Man braucht nur Geduld.