Parfum ist eine Geheimwaffe. Es wirkt wie ein Umhang mit Zauberkräften, ein unsichtbares Schutzschild, wie ein stärkendes Elixir auf den Träger oder die Trägerin. Wenn es das Richtige ist, wird es eins mit dem Körper, richtet ihn auf zu neuem Selbstbewusstsein und vervollkommnet ihn zu einem Individuum, das sich anderen mit größtem Raffinement mitteilt. Parfum ist eine Form des Dopings. Niemand redet gern drüber. Und noch weniger mögen drüber schreiben, auch bei ZEIT ONLINE.

Welchen Duft trägst Du? Was bedeutet er Dir? Wer das fragt, zieht oft verstörte, misstrauische Blicke auf sich, als würde er wagen, in das Allerheiligste vorzudringen. Zu intim! Ist Parfum der neue Sex? Nachdem fast alle Diskurstabus gebrochen sind – haben wir hier vielleicht ein neues gefunden, das um der Aufklärung willen gelockert werden will?

Gerade weil Parfum etwas so Persönliches ist, muss jeder sein eigenes finden. Einen Partner fürs Leben oder mehrere gleichzeitig, eine süße Amour fou oder das komplexe Ebenbild seiner selbst: Alles ist erlaubt, und Hedonismus das oberste Ziel.

Manche halten Jahrzehnte an einem Parfum fest, andere wechseln es saisonal, nach Tagesform oder Anlass. Manche vergewissern sich der Zugehörigkeit einer Gruppe, indem sie den Duft wählen, den alle anderen auch tragen. Manche vergewissern sich ihrer selbst, indem sie einen möglichst ausgefallenen Duft wählen. Manche verehren ein Parfum nur wegen seiner Geschichte. Manche verachten andere aufgrund ihrer unangemessenen Duftauswahl. Und wieder andere tragen überhaupt kein Parfum, weil sie ihren natürlichen Körpergeruch nicht verdecken möchten. Es gibt so viele Zugänge zum Parfum wie Menschen auf der Welt. Und es gibt auch ebenso viele Parfums wie Menschen auf der Welt: Ein Duft riecht auf jeder Haut anders.

Fangen wir an, über Parfum zu sprechen! Denn nur wer seine Geheimwaffe kennt, kann sie nutzen. (raw)