Parfum : Mein Duft und ich
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Warum ich mein Parfum nicht wechseln kann

Carolin Ströbele, Ressortleiterin Kultur, Lebensart und Reise:

Es gibt Dinge im Leben, für die entscheidet man sich und stellt sie nie wieder infrage. Einen Schokoladenaufstrich etwa, eine Zigarettenmarke. Oder ein Parfum. Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass all diese Dinge etwas mit Geschmack zu tun haben.

Ich hatte mich schon vor langer Zeit für mein Parfum entschieden. Ich mochte es, so wie man ein Produkt eben mag: Mir gefiel die Verpackung, der Name, Allure . Vielleicht weil er im Klang zur Zigarettenmarke passte, die ich damals rauchte. Manchmal sprachen mich Leute auf meinen Duft an. Einige erkannten das Parfum. Mir gefiel das. Es war, als ob mir jemand ein Kompliment machte. Allure war mein unantastbares Kleid. Chanel, der Klassiker, ein Hauch Glamour, aber doch dezent. Das kleine Schwarze unter den Düften.

Dann geriet ich in diesen kleinen Laden in Charlottenburg, einer Traditionsparfumerie, die Zwanziger-Jahre-Düfte führte. Angeblich war schon Marlene Dietrich dort Kundin. "Ich weiß, was Sie für ein Typ sind", sagte der Parfumeur und mischte mir drei Flüssigkeiten in einen kleinen Flakon.

Ich atmete ein und sah Frauen mit Bobschnitt und Fransenkleidern, roch das Berlin der Golden Twenties : etwas herb, scharf, würzig. War das ich?

Einen neuen Duft zu versuchen ist eben nicht so wie eine extravagante Robe überzuwerfen. Es gibt keinen Spiegel, der sagt: "Das steht dir, das passt zu deinem Typ." Mit einem neuen Duft erfindet man seinen Typ neu. Plötzlich riecht man sich selbst, nimmt seinen Körpergeruch ganz anders wahr. Sogar wenn er nicht vom Normalzustand abweicht.

Ich hatte also plötzlich ein neues Hautkleid, frischer, mädchenhafter aber auch sperriger als zuvor. Ich begann zu schnuppern, Duftnuancen an ihm zu entdecken. Ich erinnerte mich, wie ich mich mit 16 gefragt hatte, was für eine Frau ich wohl in 20 Jahren sein würde. Jetzt fragte ich mich, ob mein neuer Duft zu dieser Frau passte.

Am Abend kam eine gute Freundin zu Besuch. "Was riecht denn hier so", sagte sie und verzog das Gesicht. "Bist Du das?" Ich atmete tief ein: "Nein. Das bin nicht ich."

Kommentare

24 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Parfum zum Leben.

Ist ja schon interessant, für was alles ein fremder Duft herhalten muss, dessen einziger wirklicher Zweck doch nur der Vollzug unseres evolutionären Erbes ist ( kann man jetzt auch Sex nennen ) Alles andere ist "Mutter Natur" so ziemlich gleich.

Peinlich nur, wenn der ausgewählte "Duftpartner" dann beim endgültigen näherkommen den eigene olfaktorischen Präferenzen so gar nicht mehr entspricht.

Von daher ist das Tragen von Parfum auch immer ein Risiko.

Ein dezenter Duft

gehört für mich zu meinem täglichen Outfit, denn ich mag die Gegenwart von einem, ebenso unaufdringlichen wie angenehmen, olfaktorisch ansprechenden Hauch, als freundlichem Begleiter durch die zuweilen unerfreulichen bis widerlichen Gerüche der Stadt und mancher ihrer Bewohner.

Zu unterschiedlichen Gelegenheiten und je nach Jahreszeit sprechen mich da ganz unterschiedliche, edle Duftwässer an, wie z. Bsp. "Honour Men" von Amouage (will aber keine Schleichwerbung machen) oder "Terre d´ Hermès" von Hermes.

Überbewertet

Schon erstaunlich, zu was für einer Bedeutung ein Duft erhoben wird, denn zig tausende anderer Menschen auch tragen. Wo ist da die Individualität? Ich habe diverse Düfte, alle gefallen mir, sie werden nach Anlaß und Laune genommen. Düfte sind wie Kleidung, die man ja hoffentlich auch mal wechselt. Nicht mehr und nicht weniger. Und wenn es intim wird, zieht man das alles sowiso aus.