ParfumMein Duft und ich
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Reisebilder in Düften


Carsten Luther, Redakteur im Ressort Politik:

Wann immer ich einen Duft wahrnehme, sehe ich Bilder. Abstrakt bis hin zur einzelnen Farbe, vage wie eine Skizze, weit und still wie das Panorama am Meer, gelegentlich auch schroff wie eine verseuchte Industrielandschaft. Die Bilder nehmen mich mit auf eine virtuelle Reise.

Die ewig gleiche Interpretation von "männlich", "sportlich", "frisch", auf der das gemeine Herrendeo basiert, führt mich direkt in die Umkleide der Schulturnhalle. Eingenebelte Pubertierende, alles andere als aufregend. Einen Ausweg aus dieser olfaktorischen Ödnis kann mir nur ein ausgereifter Duft zeigen, eine komplexe Sensation, die mich an einen inspirierenden Ort bringt. Dorthin, wo ich bleiben mag und mich geborgen fühle.

Mit Gerüchen sind auch Erinnerungen an Menschen verbunden. Den übelriechenden Eindruck, der mit mangelnder Hygiene einhergeht, versuche ich möglichst schnell zu vergessen. Im Kopf bleiben mir jene, deren Gesicht mit einem Parfum verbunden ist. Immer hat das mit großer Nähe zu tun, aber eben nicht von der Art, wie man sie in der überfüllten U-Bahn erlebt. Zum Bild gesellen sich haptische Erfahrungen, mal wohlige Schauer, mal der Phantomschmerz verlorener Liebe.

Dann sind da noch die Menschen, die ungefragt meine Bilder bevölkern, nervtötenden Touristen gleich, die ins schönste Reisefoto platzen. Sie entspringen den Utopien der Parfumwerbung und bringen das Wundervolle eines Parfums durch Konsumgeilheit in Verruf. Ich möchte nicht, dass mich ein Duft an diese glatten und unwirklichen Männer und Frauen erinnert, die mir alles andere als nahestehen. Meine Assoziationen sollen ein intimes Erlebnis bleiben, gleich ob es um meinen Duft oder den meines Gegenübers geht.

Die besten Reisen können das Leben nachhaltig bereichern. Das knapp budgetierte Rucksackabenteuer bleibt ebenso in Erinnerung wie die kostspielige Luxustour. Übertragen auf das Parfum, mag ich ätherisch bescheidene Düfte in erschwinglichen Flakons, die ohne Namen auskommen. Wenn das Erlebnis teurer wird, lasse ich mich am liebsten beschenken. Ich hänge nicht an einem bestimmten Duft: Wie beim Reisen ist es doch das Schönste, immer wieder Neues zu entdecken.

Leserkommentare
  1. Ist ja schon interessant, für was alles ein fremder Duft herhalten muss, dessen einziger wirklicher Zweck doch nur der Vollzug unseres evolutionären Erbes ist ( kann man jetzt auch Sex nennen ) Alles andere ist "Mutter Natur" so ziemlich gleich.

    Peinlich nur, wenn der ausgewählte "Duftpartner" dann beim endgültigen näherkommen den eigene olfaktorischen Präferenzen so gar nicht mehr entspricht.

    Von daher ist das Tragen von Parfum auch immer ein Risiko.

    2 Leserempfehlungen
  2. 2. Parfum

    Ich wertschätze ausschließlich den natürlichen Geruch eines Menschen. Parfum ist mir suspekt. Wozu? Um das ICH zu kaschieren?

    Auf Facebook sollte es im Profil Duftmarken im Infobereich geben. Dann hätten wir weniger Freunde, aber mehr Freude an den verbliebenen Menschen.

    Im real live natürlich auch ;)

    3 Leserempfehlungen
  3. Schon erstaunlich, zu was für einer Bedeutung ein Duft erhoben wird, denn zig tausende anderer Menschen auch tragen. Wo ist da die Individualität? Ich habe diverse Düfte, alle gefallen mir, sie werden nach Anlaß und Laune genommen. Düfte sind wie Kleidung, die man ja hoffentlich auch mal wechselt. Nicht mehr und nicht weniger. Und wenn es intim wird, zieht man das alles sowiso aus.

    4 Leserempfehlungen
    • msch
    • 07. Dezember 2012 14:50 Uhr

    Allzu oft sind die gewählten Parfums viel zu aufdringlich. Die Kollegin die "Sun" trägt? Ich kann nicht in Ihre nähe kommen ohne zu niessen. Wenn sich dann noch Deo, Rasierwasser und das bevorzugte Waschpulver vermischen? Grausam!
    Ich bin für weniger "falsche" Düfte und mehr echte, an Menschen oder auch in Lebensmitteln!

    • DK1987
    • 07. Dezember 2012 15:20 Uhr

    dann sollte man Düfte nicht zu oft auswechseln.

    Ich benutze tatsächlich nur max. 3 Düfte.

    Mehr brauche ich nicht.

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    wieviele Facetten man hat, oder? Schließlich trage ich auch nicht jeden Tag die gleiche Kleidung.

  4. wieviele Facetten man hat, oder? Schließlich trage ich auch nicht jeden Tag die gleiche Kleidung.

  5. Ich bin, der ich bin! Authentisch und selbstbewußt. Fremde Federn nutze ich nicht um mich aufzuhübschen - weder intellektuell noch olfaktorisch. Wer sich mit fremden Federn schmückt ist nicht als ein Plagiator.

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    Tragen Sie nur selbstgeschneiderte Kleidung? Sind Sie wirklich immer und zu jedem Augenblick derselbe? Und selbst wenn dem so ist: Gilt dasselbe Konzept von Authentizität für alle Menschen?

    Das sind Sie nur, wenn Sie so tun als sei das Ihr Duft - also auf die Frage "hm, lecker, welches Parfum ist das?" antworten "gar keins, das bin ich" obwohl Sie eines aufgelegt haben.

    Da der Duft eines Parfums immer mit dem individuellen Körpergeruch verschmilzt, paßt der Vergleich mit einem Plagiat ganz und gar nicht.

    Ein Parfum ist, genau wie Kleidung, Make-up, Rasierwasser, ein Accessoire mit dem ein Individuum die eine oder andere Facette seiner Persönlichkeit betont.

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