Meike Dülffer, Textchefin:

Ich habe ein Problem mit meiner Nase. Sie riecht zu viel.

Die Welt bedrängt mich mit ihren Gerüchen. Als Kind vermied ich, zu einer Freundin zu gehen, weil ich dorthin einen Kanal überqueren musste, der nach vergammelten Stofftieren roch.

Natürlich beglückt die Geruchswelt mich auch. Als ich meine Wohnung jahrelang mit dem Ofen heizte, wollte ich den Duft kokelnden Papiers und brennenden Kleinholzes auf keinen Fall missen. Die praktischen, aber beißend stinkenden Kohlenanzünder kamen nie infrage. 

Auch bei Menschen ist das so. Unmöglich, mit einem leicht möffelnden Kollegen länger als 30 Sekunden zu sprechen. Wohlriechende Leute hingegen mag ich manchmal sogar, obwohl sie unansehnlich oder doof sind.

Warum Menschen auf ihre Weise riechen, interessiert mich nicht wirklich. Wenn ich aber dahinterkomme, dass an einem großartigen Eindruck mit Parfum geschraubt wurde, bin ich enttäuscht.

Seltsamerweise hält mich das nicht davon ab, selbst Parfum zu benutzen. Es dient mir als Schutz vor Geruchsschwaden. Wenn ich einen angenehmen Duft an mir habe, geht es mir besser. Zur Not einfach die Nase in den Kragen stecken, bis die Gefahr von außen vorüber ist.

Allerdings ist es schwierig, so einen Duft zu finden. Da mir der Wille fehlt, etwas über die Zusammensetzung von Parfums zu lernen, kann nur eine Zufallsbegegnung entscheiden. Anprobieren und gucken, ob es passt. Aber das hat Grenzen: Nie würde ich den Duft einer Freundin für mich vereinnahmen.

Theoretisch gehöre ich wohl zur Zielgruppe dieser Parfumerieketten, in denen es ein Pröbchen zum Anfixen gibt; praktisch aber nicht, denn meine Nase leidet im Duftdickicht dieser Läden zu sehr.

Mein Parfum und ich müssen uns anders finden. In fremden Badezimmern gibt es manchmal große Sammlungen solcher Parfumproben. Das ist meine Chance. Ob teuer, ob große Marke oder völlig unbekannt, spielt keine Rolle. Ein, zwei kommen mit, zu Hause sehen wir weiter. Manchmal trennen wir uns gleich, manchmal gibt es eine Probeliaison, selten passt's – dann kaufe ich ein Fläschchen.

Die Verbindung hält etwa so lange wie eine Lieblingsjeans, manchmal auch nur eine Jahreszeit. Vorbei ist es ganz sicher dann, wenn ich den Duft bis zum letzten Tropfen ausgekostet habe und glaube, einen fürs Leben gefunden zu haben: Wenn ich ihn dann nachkaufe und das zweite Fläschchen anbreche, kann ich ihn nicht mehr leiden. Dann habe ich ein Problem: Ich laufe wieder eine Weile schutzlos durch die Welt.