ParfumMein Duft und ich
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Wenn Sie ein Mann wären

 
Jessica Braun, Redakteurin im Ressort Reisen: 

Ein guter Parfumverkäufer ist auch immer Geschichtenerzähler. Viele Düfte haben eine Historie, zu den meisten gibt es zumindest eine Anekdote. Wer sie engagiert vorträgt, packt den Kunden bei seinen Sehnsüchten und dieser das Parfum ganz benebelt in seine Einkaufstüte.

Ich erinnere mich an einen Nachmittag in einer Hamburger Parfumerie, in der gerade genug Platz für drei Kunden war. Der Verkäufer nahm sich für jeden eine Stunde Zeit, weil es so viel zu erzählen gab. "Er entwarf dieses Parfum für seine Geliebte." "In Erinnerung an Ava Gardner." "Die beiden waren eingeschneit!" "Sie sammelt die Blüten bis heute bei Spaziergängen in Idaho ."

Der Flakon, für den ich mich während unseres Gesprächs entschieden hatte, stand bereits in Schachtel und Tüte verpackt auf dem Tresen, als der Verkäufer mir noch einen Streifen Papier reichte. " Silver Mountain Water von Creed", sagte er. "Ist das nicht ein Herrenduft?" "Wenn Sie ein Mann wären, würden Sie dieses Parfum nicht auf der Haut tragen. Sie würden es aus einer Armeslänge Abstand über Ihre Hemden sprühen, bevor Sie diese in die Wäscherei bringen. Der Duft stünde mit der Klarheit einer mit Zitrussaft gewischten Scheibe im Raum, bevor er nach Galbanum und Sandelholz duftend auf die Baumwolle fiele. Sie zögen die Tür hinter sich zu, doch etwas von dem Parfum bliebe in Ihrer Wohnung zurück – Grüner Tee und Petitgrain. Sie würden Ihre Hemden  abgeben, bei einer jungen Frau, die Sie ernsthaft interessiert. Diese Frau würde sich fortan an Sie erinnern." Er reichte mir meine Tüte: "Ich wünsche Ihnen viel Freude damit."

Das Parfum, das ich damals kaufte, trage ich heute noch. Aber es gibt nur ein Parfum, dessen Duft ich jederzeit aus dem Gedächtnis abrufen kann: Silver Mountain Water von Creed.

Leserkommentare
  1. Ist ja schon interessant, für was alles ein fremder Duft herhalten muss, dessen einziger wirklicher Zweck doch nur der Vollzug unseres evolutionären Erbes ist ( kann man jetzt auch Sex nennen ) Alles andere ist "Mutter Natur" so ziemlich gleich.

    Peinlich nur, wenn der ausgewählte "Duftpartner" dann beim endgültigen näherkommen den eigene olfaktorischen Präferenzen so gar nicht mehr entspricht.

    Von daher ist das Tragen von Parfum auch immer ein Risiko.

    2 Leserempfehlungen
  2. 2. Parfum

    Ich wertschätze ausschließlich den natürlichen Geruch eines Menschen. Parfum ist mir suspekt. Wozu? Um das ICH zu kaschieren?

    Auf Facebook sollte es im Profil Duftmarken im Infobereich geben. Dann hätten wir weniger Freunde, aber mehr Freude an den verbliebenen Menschen.

    Im real live natürlich auch ;)

    3 Leserempfehlungen
  3. Schon erstaunlich, zu was für einer Bedeutung ein Duft erhoben wird, denn zig tausende anderer Menschen auch tragen. Wo ist da die Individualität? Ich habe diverse Düfte, alle gefallen mir, sie werden nach Anlaß und Laune genommen. Düfte sind wie Kleidung, die man ja hoffentlich auch mal wechselt. Nicht mehr und nicht weniger. Und wenn es intim wird, zieht man das alles sowiso aus.

    4 Leserempfehlungen
    • msch
    • 07. Dezember 2012 14:50 Uhr

    Allzu oft sind die gewählten Parfums viel zu aufdringlich. Die Kollegin die "Sun" trägt? Ich kann nicht in Ihre nähe kommen ohne zu niessen. Wenn sich dann noch Deo, Rasierwasser und das bevorzugte Waschpulver vermischen? Grausam!
    Ich bin für weniger "falsche" Düfte und mehr echte, an Menschen oder auch in Lebensmitteln!

    • DK1987
    • 07. Dezember 2012 15:20 Uhr

    dann sollte man Düfte nicht zu oft auswechseln.

    Ich benutze tatsächlich nur max. 3 Düfte.

    Mehr brauche ich nicht.

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    wieviele Facetten man hat, oder? Schließlich trage ich auch nicht jeden Tag die gleiche Kleidung.

  4. wieviele Facetten man hat, oder? Schließlich trage ich auch nicht jeden Tag die gleiche Kleidung.

  5. Ich bin, der ich bin! Authentisch und selbstbewußt. Fremde Federn nutze ich nicht um mich aufzuhübschen - weder intellektuell noch olfaktorisch. Wer sich mit fremden Federn schmückt ist nicht als ein Plagiator.

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    Tragen Sie nur selbstgeschneiderte Kleidung? Sind Sie wirklich immer und zu jedem Augenblick derselbe? Und selbst wenn dem so ist: Gilt dasselbe Konzept von Authentizität für alle Menschen?

    Das sind Sie nur, wenn Sie so tun als sei das Ihr Duft - also auf die Frage "hm, lecker, welches Parfum ist das?" antworten "gar keins, das bin ich" obwohl Sie eines aufgelegt haben.

    Da der Duft eines Parfums immer mit dem individuellen Körpergeruch verschmilzt, paßt der Vergleich mit einem Plagiat ganz und gar nicht.

    Ein Parfum ist, genau wie Kleidung, Make-up, Rasierwasser, ein Accessoire mit dem ein Individuum die eine oder andere Facette seiner Persönlichkeit betont.

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