Jessica Braun, Redakteurin im Ressort Reisen: 

Ein guter Parfumverkäufer ist auch immer Geschichtenerzähler. Viele Düfte haben eine Historie, zu den meisten gibt es zumindest eine Anekdote. Wer sie engagiert vorträgt, packt den Kunden bei seinen Sehnsüchten und dieser das Parfum ganz benebelt in seine Einkaufstüte.

Ich erinnere mich an einen Nachmittag in einer Hamburger Parfumerie, in der gerade genug Platz für drei Kunden war. Der Verkäufer nahm sich für jeden eine Stunde Zeit, weil es so viel zu erzählen gab. "Er entwarf dieses Parfum für seine Geliebte." "In Erinnerung an Ava Gardner." "Die beiden waren eingeschneit!" "Sie sammelt die Blüten bis heute bei Spaziergängen in Idaho ."

Der Flakon, für den ich mich während unseres Gesprächs entschieden hatte, stand bereits in Schachtel und Tüte verpackt auf dem Tresen, als der Verkäufer mir noch einen Streifen Papier reichte. " Silver Mountain Water von Creed", sagte er. "Ist das nicht ein Herrenduft?" "Wenn Sie ein Mann wären, würden Sie dieses Parfum nicht auf der Haut tragen. Sie würden es aus einer Armeslänge Abstand über Ihre Hemden sprühen, bevor Sie diese in die Wäscherei bringen. Der Duft stünde mit der Klarheit einer mit Zitrussaft gewischten Scheibe im Raum, bevor er nach Galbanum und Sandelholz duftend auf die Baumwolle fiele. Sie zögen die Tür hinter sich zu, doch etwas von dem Parfum bliebe in Ihrer Wohnung zurück – Grüner Tee und Petitgrain. Sie würden Ihre Hemden  abgeben, bei einer jungen Frau, die Sie ernsthaft interessiert. Diese Frau würde sich fortan an Sie erinnern." Er reichte mir meine Tüte: "Ich wünsche Ihnen viel Freude damit."

Das Parfum, das ich damals kaufte, trage ich heute noch. Aber es gibt nur ein Parfum, dessen Duft ich jederzeit aus dem Gedächtnis abrufen kann: Silver Mountain Water von Creed.