ParfumMein Duft und ich
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Das Schicksal der Regenwürmer

Rabea Weihser, Redakteurin im Ressort Kultur :

Mit niemandem kann ich darüber sprechen. Patschuli. "Ach, du machst Party auf Friedhöfen, was? Ich hab fünf Jahre in 'nem Gothic-Laden gejobbt, da muffelten die alle so." Gern bezieht man sich auch auf eine andere popkulturelle Gemeinde: "Wenn du Gras brauchst, sag Bescheid. Wir können uns auch mal zum Janis-Joplin-Abend treffen." Nein, weder habe ich eine schwarze, noch eine regenbogenbunte Phase. Ich liebe einfach nur den Geruch von Patschuli.

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Es hat lange gedauert, bis ich darauf kam, welches das verbindende Element meiner Lieblingsparfums ist: Je deutlicher das Patschuli hervortritt, desto schlechter kann ich widerstehen. Alle anderen denken entweder an Grufties oder an Hippies, ich denke gar nicht mehr. Ich rieche nur noch. Warmes Holz, feuchte Erde.

Noch länger hat es gedauert, bis ich darauf kam, warum ich wohl so reagiere. Ein Hoch auf die Küchenpsychologie! Feuchte Erde war irgendwie immer da, als ich klein war. Die Gemüsebeete meiner Mutter, meine Höhle im Fuchsbau, die Kartoffeln vom Feld nebenan.

Wenn sich der Sommerregen gelegt hatte, ging ich mit meinem Vater Würmer sammeln. Sie bekamen im Garten eine Wohnung aus Kompost, Laub und alten Zeitungen. Wenn sie nicht rechtzeitig ausbüchsten, schlug irgendwann ihre Stunde: Futter für die Aale. Zum Pöddern wurden sie bündelweise verschnürt und ihrem Tod durch Ertrinken entgegengeworfen. Das war schon ziemlich gothic.


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Leserkommentare
  1. Ist ja schon interessant, für was alles ein fremder Duft herhalten muss, dessen einziger wirklicher Zweck doch nur der Vollzug unseres evolutionären Erbes ist ( kann man jetzt auch Sex nennen ) Alles andere ist "Mutter Natur" so ziemlich gleich.

    Peinlich nur, wenn der ausgewählte "Duftpartner" dann beim endgültigen näherkommen den eigene olfaktorischen Präferenzen so gar nicht mehr entspricht.

    Von daher ist das Tragen von Parfum auch immer ein Risiko.

  2. 2. Parfum

    Ich wertschätze ausschließlich den natürlichen Geruch eines Menschen. Parfum ist mir suspekt. Wozu? Um das ICH zu kaschieren?

    Auf Facebook sollte es im Profil Duftmarken im Infobereich geben. Dann hätten wir weniger Freunde, aber mehr Freude an den verbliebenen Menschen.

    Im real live natürlich auch ;)

  3. Schon erstaunlich, zu was für einer Bedeutung ein Duft erhoben wird, denn zig tausende anderer Menschen auch tragen. Wo ist da die Individualität? Ich habe diverse Düfte, alle gefallen mir, sie werden nach Anlaß und Laune genommen. Düfte sind wie Kleidung, die man ja hoffentlich auch mal wechselt. Nicht mehr und nicht weniger. Und wenn es intim wird, zieht man das alles sowiso aus.

    • msch
    • 07. Dezember 2012 14:50 Uhr

    Allzu oft sind die gewählten Parfums viel zu aufdringlich. Die Kollegin die "Sun" trägt? Ich kann nicht in Ihre nähe kommen ohne zu niessen. Wenn sich dann noch Deo, Rasierwasser und das bevorzugte Waschpulver vermischen? Grausam!
    Ich bin für weniger "falsche" Düfte und mehr echte, an Menschen oder auch in Lebensmitteln!

    • DK1987
    • 07. Dezember 2012 15:20 Uhr

    dann sollte man Düfte nicht zu oft auswechseln.

    Ich benutze tatsächlich nur max. 3 Düfte.

    Mehr brauche ich nicht.

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    wieviele Facetten man hat, oder? Schließlich trage ich auch nicht jeden Tag die gleiche Kleidung.

  4. wieviele Facetten man hat, oder? Schließlich trage ich auch nicht jeden Tag die gleiche Kleidung.

  5. Ich bin, der ich bin! Authentisch und selbstbewußt. Fremde Federn nutze ich nicht um mich aufzuhübschen - weder intellektuell noch olfaktorisch. Wer sich mit fremden Federn schmückt ist nicht als ein Plagiator.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Tragen Sie nur selbstgeschneiderte Kleidung? Sind Sie wirklich immer und zu jedem Augenblick derselbe? Und selbst wenn dem so ist: Gilt dasselbe Konzept von Authentizität für alle Menschen?

    Das sind Sie nur, wenn Sie so tun als sei das Ihr Duft - also auf die Frage "hm, lecker, welches Parfum ist das?" antworten "gar keins, das bin ich" obwohl Sie eines aufgelegt haben.

    Da der Duft eines Parfums immer mit dem individuellen Körpergeruch verschmilzt, paßt der Vergleich mit einem Plagiat ganz und gar nicht.

    Ein Parfum ist, genau wie Kleidung, Make-up, Rasierwasser, ein Accessoire mit dem ein Individuum die eine oder andere Facette seiner Persönlichkeit betont.

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