Rabea Weihser, Redakteurin im Ressort Kultur :

Mit niemandem kann ich darüber sprechen. Patschuli. "Ach, du machst Party auf Friedhöfen, was? Ich hab fünf Jahre in 'nem Gothic-Laden gejobbt, da muffelten die alle so." Gern bezieht man sich auch auf eine andere popkulturelle Gemeinde: "Wenn du Gras brauchst, sag Bescheid. Wir können uns auch mal zum Janis-Joplin-Abend treffen." Nein, weder habe ich eine schwarze, noch eine regenbogenbunte Phase. Ich liebe einfach nur den Geruch von Patschuli.

Es hat lange gedauert, bis ich darauf kam, welches das verbindende Element meiner Lieblingsparfums ist: Je deutlicher das Patschuli hervortritt, desto schlechter kann ich widerstehen. Alle anderen denken entweder an Grufties oder an Hippies, ich denke gar nicht mehr. Ich rieche nur noch. Warmes Holz, feuchte Erde.

Noch länger hat es gedauert, bis ich darauf kam, warum ich wohl so reagiere. Ein Hoch auf die Küchenpsychologie! Feuchte Erde war irgendwie immer da, als ich klein war. Die Gemüsebeete meiner Mutter, meine Höhle im Fuchsbau, die Kartoffeln vom Feld nebenan.

Wenn sich der Sommerregen gelegt hatte, ging ich mit meinem Vater Würmer sammeln. Sie bekamen im Garten eine Wohnung aus Kompost, Laub und alten Zeitungen. Wenn sie nicht rechtzeitig ausbüchsten, schlug irgendwann ihre Stunde: Futter für die Aale. Zum Pöddern wurden sie bündelweise verschnürt und ihrem Tod durch Ertrinken entgegengeworfen. Das war schon ziemlich gothic.