ParfumwirtschaftDer deutsche Mann riecht nach Umkleidekabine
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Wechselspiel von Globalisierung und Regionalisierung

Der Einfluss westlicher Medien weckt dort Begehrlichkeiten nach bestimmten Marken, aber nicht unbedingt nach den etablierten Düften. Denn der Gebrauch von Parfum ist kulturell unterschiedlich geprägt , in Indien und im Orient hat er eine Jahrtausende alte Tradition. China hatte seine große, altertümliche Duftkultur lange Zeit vergessen, erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts parfümieren sich die einfachen Leute mit Duftseife. Auch die Ernährung eines Volks hängt mit seinen Duftvorlieben zusammen: Die ätherischen Öle im Essen bestimmen den Körpergeruch. Und wo stark gewürzt wird, muss ein Parfum kräftig sein, um den Körpergeruch zu überdecken. Am Klischee vom intensiven Orientalen ist also etwas dran. Die Franzosen und Italiener mögen es opulent und sinnlich, die Deutschen, Engländer und Nordamerikaner eher sachlich und sauber. Im asiatischen Raum zieht man dezente, blumige, leichte Düfte vor.

© ZEIT ONLINE

Der chinesische Parfum- und Deodorantmarkt soll Markatanalysen zufolge in den kommenden Jahren um 14 Prozent wachsen, der indische sogar um rund 20 Prozent. Für Dufthersteller sind diese Länder aber nicht nur als Absatzland interessant. Symrise, Firmenich und deren Konkurrenten haben längst ihre Produktionsstätten hierhin ausgeweitet: Die wertvollen natürlichen Rohstoffe wachsen direkt vor der Tür und die Arbeitskraft ist billig.

Rabea Weihser
Rabea Weihser

Rabea Weihser ist Redakteurin im Ressort Kultur bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Es ist ein Wechselspiel von Globalisierung und Regionalisierung. Die weltweit agierenden Luxuskonzerne aus den Industrieländern stellen ihre Produkte auf die Vorlieben der neuen Kundschaft ein: leichte Varianten gängiger Eau de Parfums für den asiatischen Markt oder harzige Schwüle aus Oud und Amber für den Nahen Osten. Gleichzeitig lassen sich auch aufgeschlossene Konsumenten in Europa oder den USA auf exotischere Nuancen ein, in dem Vertrauen auf eine bekannte Marke. Weihrauch und Myrrhe wehen plötzlich durch alle Kaufhöfe und Karstädte, und Frau Krumpenschnieder fragt sich zum ersten Mal in ihrem Leben, ob Oud doch nicht bloß eine arabische Gitarre ist – und ob sie Chanel No. 5 vielleicht einfach mal austauschen sollte.

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Leserkommentare
  1. Der deutsche Mann riecht mit Sicherheit nicht nach Umkleidekabine. Vielmehr riecht die deutsche Umkleidekabine nach Mann. Der Mann dagegen riecht - hinterher, wohlgemerkt - bestenfalls nach Duschkabine/ Bad.

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    wie der Englische Mann riecht, hat schon jemand mal an ihm herum geschnüffelt?

  2. Zumindest nach der Rasur ist Nivea toll. Und der Geruch ist sehr dezent. Wenn ich dagegen Leute mit "Le Male" rieche... das ist wie ein Schlag ins Gesicht. Furchtbar.

    Schöne Düfte wie Guccis "Envy" verschwinden ja leider sehr schnell wieder vom Markt. Leider. Ich habs geliebt.

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    • lufkin
    • 10. Dezember 2012 14:27 Uhr

    Ich mag den klassischen Nivea Duft auch sehr. Benutze Deo, Aftershave, Haargel (Creme Gel) und Duschgel von denen.

    Bei Parfum bin ich recht zurückhaltend. Ich mag eher frische, unaufdringliche Düfte. Wenns was teures sein soll, dann Davidoff Adventure oder Acqua di Giò Homme von Armani, für den Alltag finde ich die Bruno Banani Düfte ganz gut, About Men oder Made for Men.

  3. Warum soll man als Mann denn nun plötzlich so viel Geld ausgeben, um nach Freudenhaus riechen?

    Wofür?

    Um einen Vorteil im Job zu haben?
    Für den Erfolg bei Frauen?
    Um gesellschaftlicher Ächtung zu entgehen?
    Für ein neues Lebensgefühl?
    Für eine glückliche Familie?
    Damit die eigenen Muskeln auch so wachsen wie beim Davidoff Mann?

    Nichts gegen eine angemessene Körperpflege, aber ich sehe einfach nicht den Sinn in Luxusduftwässerchen.

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    • Zack34
    • 10. Dezember 2012 13:53 Uhr

    Ein angenehmer, dezenter Duft kann sehr anregend und wohltuend sein, freilich vor allem für einen selbst.

    Wozu soll man ein Klavierkonzert besuchen?
    Wozu soll man in einem Sternerestaurant speisen?
    Wozu Rembrandt bewundern?

    Sie unterschätzen die Firma Davidoff. So wie Sie beim Trinken von Bier XY den Regenwald retten, so schützen Sie beim Kauf von Davidoff Cool Water das Meer, wie es in der Überschrift des Artikels sogar heißt: Die MEERE. Man fragt sich also, warum es diese ganzen sinnlosen Klimakonferenzen gibt, wenn doch der tägliche Genuss von Davidoff den gleichen Effekt hat. Siehe hier http://artiface.de/de/magazin/davidoff-cool-water-sch%C3%BCtzt-die-meere.... Der Rettungseffekt steigert sich eventuell, wenn man gleich die ganze Packung ins Meer cippt? (Ich glaub, ich habe da gerade ein Modewort erfunden..Echt cool, man!)

  4. Meinen Sie nicht, Frau Weihser, dass das Thema langsam ausgelutscht ist? Ich fand es schon beim ersten Artikel darüber unnötig wie nen Kropf, aber Sie finden ja kein Ende. Gibt es keine wirklichen Nachrichten mehr oder warum wird sowas immer wieder veröffentlicht?

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    • seppel5
    • 10. Dezember 2012 13:34 Uhr

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur dann an der Diskussion, wenn Sie einen konstruktiven Beitrag zum Inhalt des Artikels leisten möchten. Danke. Die Redaktion/sh

  5. Inkognito…..

    Inkognito, verkleidet oder wie? - hereinmarschiert in die Männerumkleide, erreichte „Der Duft der Männer“ das Olfaktorium einer nicht sehr maskulin aussehenden Rabea Weihser.

    Hätte man nicht Mann diesen Artikel schreiben lassen sollen? Oder gilt eine mögliche „Die Zeit“ Devise…: „lasst uns mal im Trend sein, etwas über Düfte schreiben, wir werden schon jemanden finden der(?) das tut.

    N.B. Der Massengeschmack bleibt der Masse, und das ist auch kein neues Phänomen. Die Individualisten sind auch hier seltener.

    BB, ein bekennender Individualist

    • snorri
    • 10. Dezember 2012 13:28 Uhr

    Der deutsche Mann "stinkt" meistens nach "axe". Nach dem Sport benötigt man in einer
    männlichen Umkleidekabine eine Gasmaske, um der Gefahr einer Vergiftung zu entgehen.
    Nebelschwaden von Billigsprays wabern durch die Umkleidekabinen deutscher Sporthallen.

    2 Leserempfehlungen
    • seppel5
    • 10. Dezember 2012 13:34 Uhr

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur dann an der Diskussion, wenn Sie einen konstruktiven Beitrag zum Inhalt des Artikels leisten möchten. Danke. Die Redaktion/sh

    Antwort auf "Parfum als Thema"
    • Zack34
    • 10. Dezember 2012 13:53 Uhr

    Ein angenehmer, dezenter Duft kann sehr anregend und wohltuend sein, freilich vor allem für einen selbst.

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    Sobald irgendjemand ein Parfum wahrnimmt, dann ist es ja bereits belästigend und übertrieben.

    Wenn man es selbst - Gewöhnung zum Trotz - wahrnimmt, dann ist es mit Sicherheit übertrieben.

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