Parfumwirtschaft: Der deutsche Mann riecht nach Umkleidekabine
Die Damen bleiben bei Chanel, die Herren bei Axe und Nivea. Welche Parfums verkaufen sich wo am besten? Rabea Weihser blickt auf den Weltmarkt der Düfte.
© Bobby Yip/Reuters

Parfumeriekunden in einer Shoppingmall im chinesischen Macao
Wie viele deutsche Frauen mögen es wohl sein, die nach Chanel No. 5 riechen? Konkrete Zahlen sind streng geheim in der argwöhnischen Branche der Schönheitsmittelhersteller. Aber soviel verrät der Branchenverband Parfumerien: Es sind Hunderttausende, No. 5 ist das meistverkaufte Damenparfum in Deutschland. Wenn schon sonst nichts Ohtkutür ist, hüllt man sich gern in eine Wolke französischer Eleganz aus dem Jahr 1921. Die Nachbarinnen im Pays de Chanel hingegen bevorzugen Diors J’Adore, aber No. 5 kommt gleich an zweiter Stelle, in den USA an fünfter. Das klingt nach Monokultur, doch zum Bestsellerduft reichen schon vier Prozent Marktanteil. Jedes Jahr erscheinen rund 200 neue Düfte, höchstens fünf schaffen es in die Top 15, mehr als 90 Prozent der Neuheiten werden nach wenigen Saisons wieder ausgemustert.
Nirgends wird soviel Parfum verkauft wie in Europa. Die Hälfte des globalen Markts wird hier verhandelt. Deutschland wiederum ist nach den USA und Frankreich der drittstärkste Akteur im Bereich der Luxusdüfte. Mehr als eine Milliarde Euro gaben deutsche Frauen 2011 für Parfüms aus; im Herrensegment wurde nur die Hälfte umgesetzt, und davon auch noch der Großteil durch Rasierwasser von Axe oder Nivea. Der deutsche Mann mag's eben praktisch, sportlich und nicht allzu raffiniert.
Trotz Finanzkrise geht es der Branche ziemlich gut. Nach geringen Schwächen in den westlichen Märkten wächst und wächst sie, im hochpreisigen Bereich sogar überdurchschnittlich. Die Menschen halten am kleinen Luxus fest. Und wie immer in unsicheren Zeiten flüchten sie sich unter Nostalgias warmen Rock: Duftklassiker wie Rose und Veilchen blühten in den vergangenen Jahren auf.
- Duftnoten – Alles über Parfum
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In einem Themenschwerpunkt widmen wir uns der Kunst des Parfums, weil über Duft viel zu wenig geschrieben und gesprochen wird. Die Serie Duftnoten – Alles über Parfum auf ZEIT ONLINE will das Bewusstsein für Parfums schärfen und einen kritischen Diskurs über eine vernachlässigte Kunstform anregen.
Wie entsteht ein olfaktorisches Meisterwerk? Wer sind die Meister hinter den großen Klassikern? Mit welchen Worten kann ich meinen Lieblingsduft beschreiben? Und welche olfaktorischen Schätze gibt es abseits der bekannten Marken zu entdecken?
- Der Schwerpunkt
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Bisher erschienen:
Essay: Wir sollten besser riechen
Glossar: Von Absolue bis Zibet
Parfum-Portale: Im Netz duftet's
Jean-Claude Ellena: Zu Besuch beim Herrn der Düfte
Parfum-Rohstoffe: Wie kommt die Natur in die Flasche?
Ironiefreie Zone: Parfum, das einzig wahre Accessoire
Die Top Ten: Duftempfehlungen von Luca Turin
Im Labor bei Chanel: Der Parfumeur Christopher Sheldrake
Parfum-Erfahrungen: Mein Duft und ich
Weltmarkt Parfum: Welche Düfte verkaufen sich wo am besten?
Der junge Wilde: Der Pariser Parfumeur Francis Kurkdjian
Promiparfums: Popstars aus der Flasche
Meister des Orients: Serge Lutens erklärt die wahre Weihnachtsgeschichte
In loser Folge ab Mai 2013:
Nischenparfums – Kleine Firmen mit großem Bouquet
Vier Konzerne kontrollieren etwa 55 Prozent des weltweiten Angebots an Aromastoffen und Düften, "Flavors & Fragrance" nennt man das Geschäftsgebiet. Das Schweizer Unternehmen Givaudan ist Marktführer mit 20 Prozent, ihm folgen Firmenich (Schweiz), IFF (USA) und das deutsche Unternehmen Symrise. Sie alle stellen natürliche und synthetische Rohstoffe der Parfumproduktion her und komponieren im Auftrag der Kosmetik- und Modemarken fertige Düfte zur Lizenzierung.
Das amerikanische Marktforschungsinstitut NPD veranschlagte den jüngsten Jahresumsatz der Parfumbranche mit rund 22 Milliarden Euro. Experten rechnen mit einer Wachstumsrate von 7 bis 9 Prozent – das durchschnittliche Bruttoinlandsprodukt in der westlichen Welt wächst um weniger als die Hälfte.
- Deutsche Bestseller 2011
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Damendüfte
1. Chanel No.5 (1921)
2. Jil Sander Sun (1989)
3. Chanel Chance (2002)
4. Chanel Coco Mademoiselle (2001)
5. Bruno Banani Woman (2001)
6. Lancome Trésor (1990)
7. Playboy For Her (gesamte Linie)
8. Boss Orange Woman (2009)
9. Christina Aguilera Christina Aguilera (2007)
10. Calvin Klein CK One (1994)Herrendüfte
1. Axe (gesamte Linie)
2. Nivea For Men (gesamte Linie)
3. Adidas Sport Sensations (gesamte Linie)
4. Boss Bottled (1998)
5. Gaultier Le Mâle (1995)
6. Playboy For Him (gesamte Linie)
7. Davidoff Cool Water (1988)
8. Paco Rabanne 1 Million (2008)
9. Tabac Original (1952)
10. Armani Code (2004)(Quelle: SymphonyIRI)
- USA 2011
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Damendüfte
1. Chanel Coco Mademoiselle (2001)
2. Chanel Chance Eau Tendre (2010)
3. Clinique Happy (1997)Herrendüfte
1. Armani Acqua di Gio Pour Homme (1996)
2. Chanel Bleu de Chanel (2010)
3. Gucci Guilty Pour Homme (2011)(Quelle: Bois de Jasmin/The Perfume Shrine/NPD)
- Frankreich 2011
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Damen
1. Dior J'Adore (1999)
2. Chanel No. 5 (1921)
3. Thierry Mugler Angel (1992)Herren
1. Hugo Boss Hugo (1995)
2. Gaultier Le Mâle (1995)
3. Dior Eau Sauvage (1966)(Quelle: Promise Inc./The Perfume Shrine)
Die Zugewinne der Branche liegen zum einen an der großen Zielgruppe wohlsituierter Babyboomer, zum anderen aber an der Erschließung neuer Märkte. Teenagerparfums laufen bestens; es gibt immer irgendeinen C-Promi, der noch keine Duftmarke gesetzt hat; der Mann von Welt legt verstärkten Wert auf Körperpflege und entwickelt Parfumgeschmack; und nicht zuletzt wächst in Lateinamerika, Osteuropa, Asien, Indien und Afrika eine kaufkräftige Mittelschicht heran.








Man kann natürlich Artikel in ernsthaftes und das, was man auf Französisch "futile" nennt, unterteilen. Aber oft ist ernshaftes überhaupt nicht informativ, während "ces choses futiles" durchaus informativ sind, das heißt Wissen bereichern und auch eventuell künftige Entscheidungen beeinflussen. Und sie haben meist auch ganz schlicht was mit Kultur zu tun.
... sich selbst einen neuen Markt bzw. ein neues Themenfeld zu schreiben. Das Thema Parfum ist mMn. schlicht im Bereich "Kultur" oder "Lebensart" zu verorten und muss nicht weiter als andere Kulturthemen wie Mode, Essen etc. aufgeblasen werden, nur weil möglichlerweise das persönliche Interesse hier einen Narren gefressen hat.
Sofern Sie tatsächlich von einer umfänglichen gesellschaftlichen (d.h. soziologischen) Relevanz ausgehen, handelt es sich hierbei wohl eher um das Thema Duft/Geruch, unter welches natürlich auch der Bereich der Parfums einzuordnen wäre, aber sicherlich nicht dieser als Oberkategorie, da diese lediglich einem konsumspezifischen Aspekt von Duft/Geruch entspricht (zumindest heute, wo wohl 99,999% aller Düfte/Parfums nicht selbst hergestellt werden).
Sprich: Natürlich dürfen/sollen Sie über das Thema im Kontext "Kultur und Lebensart" berichten, aber nicht die thematische Gewichtung aus dem Blick verlieren (hierauf bezog sich mEn. der Hauptteil der Kritik). Dass hier eine neue Serie/Schwerpunkt aufgegriffen wurde, entzog sich mir bspw. und ggf. auch einigen anderen Lesern. Insofern wäre es vielleicht hilfreich, solche Themenschwerpunkte oder Serien "hinreichender" zu kennzeichnen.
Mehr Informationen über Oud/Adlerholz finden Sie in unserem Glossar: http://www.zeit.de/lebens...
Die Duftstoffproduktion im In- und Ausland ist hier beschrieben: http://www.zeit.de/lebens...
Da dieses Themenpaket ersteinmal eine Einführung ins Thema sein soll, sind wir bewusst nicht zu sehr ins Detail gegangen, können aber nachlegen ;-)
Herzliche Grüße!
Auch das ist ein Thema fuer sich. Sind Sie sicher, dass es das ueberhaupt noch gibt?
Die staatliche Distille in Bengaluru steht still, schon seit Jahren. Man hat Pflanzungen angelegt, die Baeumchen sind grade mal einen Meter hoch hoechstens, und werden erst in ca. 50 Jahren wieder fuer die Destillation reif sein. Der alte Baumbestand ist abgeholzt. Die indische Regierung verbietet den Export von Sandelholz und Sandelholz-Produkten. Wenn ein Grundstuecks-Eigentuemer auf selbigem Grundstueck noch einen Sandelholz-Baum hat, muss er die Regierung fragen, ob er ihn abholzen/verkaufen darf. Es gibt einen Schwarzhandel mit diesen letzten Baeumen.
Was auch immer derzeit nach Sandelholz riecht, ist entweder synthetisch oder nicht aus Indien.
für die Parfümeure kommt schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts hauptsächlich aus Australien, das indische war außerhalb Indiens eh nicht so gebräuchlich.
Das indische Sandelholzöl wurde übrigens hauptsächlich im Norden destilliert, in Kannauj (UP), obwohl der Baum vorwiegend im Süden wächst - die Vorkommen sind allerdings schon noch sehr beträchtlich, nicht nur in Karnataka (die Western Ghats Nationalparks stehen immer noch ordentlich mit Sandalwood voll), sondern auch in Kerala, wo vor allem um Marayoor noch zig tausende natürlich gewachsener Sandals stehen.
Übrigens ein schönes Beispiel, wie gut gemeinte Regelungen eine Wirtschaft zerstören können, ohne die Ökologie positiv zu beeinflussen: indisches Sandelholzöl wurde so astronomisch teuer, dass die Destillen in Kannauj und Bangalore inzwischen alle stehen, und die früher üblichen Plantagen rentieren sich in Indien wegen der Regelung, dass Sandals automatisch der Regierung gehören, selbstverständlich nicht mehr - keiner pflanzt jetzt noch freiwillig Sandelholz, und sobald sich doch mal einer im Garten zeigt, wird er schnell ausgerissen, bevor das Forest Dept anrückt. Damit sind die einzigen Bestände nur noch die in den staatlichen Wäldern, und die werden jetzt von Schmugglern attackiert ...
Indien importiert ebenfalls australisches Öl, und die paar offiziellen Tonnen Holz aus dem Forest Department werden an in staatlichen Geschäften an Sammler und Touristen verhökert, die diese unsinnigen Preise noch bedienen.
für die Parfümeure kommt schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts hauptsächlich aus Australien, das indische war außerhalb Indiens eh nicht so gebräuchlich.
Das indische Sandelholzöl wurde übrigens hauptsächlich im Norden destilliert, in Kannauj (UP), obwohl der Baum vorwiegend im Süden wächst - die Vorkommen sind allerdings schon noch sehr beträchtlich, nicht nur in Karnataka (die Western Ghats Nationalparks stehen immer noch ordentlich mit Sandalwood voll), sondern auch in Kerala, wo vor allem um Marayoor noch zig tausende natürlich gewachsener Sandals stehen.
Übrigens ein schönes Beispiel, wie gut gemeinte Regelungen eine Wirtschaft zerstören können, ohne die Ökologie positiv zu beeinflussen: indisches Sandelholzöl wurde so astronomisch teuer, dass die Destillen in Kannauj und Bangalore inzwischen alle stehen, und die früher üblichen Plantagen rentieren sich in Indien wegen der Regelung, dass Sandals automatisch der Regierung gehören, selbstverständlich nicht mehr - keiner pflanzt jetzt noch freiwillig Sandelholz, und sobald sich doch mal einer im Garten zeigt, wird er schnell ausgerissen, bevor das Forest Dept anrückt. Damit sind die einzigen Bestände nur noch die in den staatlichen Wäldern, und die werden jetzt von Schmugglern attackiert ...
Indien importiert ebenfalls australisches Öl, und die paar offiziellen Tonnen Holz aus dem Forest Department werden an in staatlichen Geschäften an Sammler und Touristen verhökert, die diese unsinnigen Preise noch bedienen.
Zum Glück nicht, denn dann wäre mir ständig übel in der Gegenwart von Chanel No.5-Frauen, für mich riecht es wie tote Oma.
Den AXE-Trend kann ich aber bestätigen, unsere Sporthalle wird dauerbelüftet. Old Spice, Hattrick und Pitralon sind zwar weitgehend verschwunden, doch das Grauen findet stets neue Ausdrucksformen.
...und Frau Weihser spickt ihre Artikel nicht nur fleissig mit einer Fülle von Infos, sie managed auch ihren Kommentar-Thread sehr engagiert.
A pro pos Titel:
Ist es nicht etwas diskreminierend eine "leichte Dame" als Umkleideka-Biene zu bezeichnen?
Oder hab ich da mal wieder was nicht verstanden.
habe wieder vergessen in Kommentar 30 "(kleiner Scherz)" einzufügen. Verzeihung.
Das mit dem Fleiß war allerdings ehrlich gemeint.
habe wieder vergessen in Kommentar 30 "(kleiner Scherz)" einzufügen. Verzeihung.
Das mit dem Fleiß war allerdings ehrlich gemeint.
habe wieder vergessen in Kommentar 30 "(kleiner Scherz)" einzufügen. Verzeihung.
Das mit dem Fleiß war allerdings ehrlich gemeint.
wie der Englische Mann riecht, hat schon jemand mal an ihm herum geschnüffelt?
ich vermute mal wie "changing room"?
ich vermute mal wie "changing room"?
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