Parfum : Nasen dulden keine Ironie

Riesenbrillen, Omas Blusen und neonfarbene Pullunder: Hipster lieben das augenzwinkernde Zitat. Zum Glück geht das mit Parfum nicht.
Das ist doch mal was: So viel Ironie bleibt uns beim Parfum erspart.

Schon längst hätte man der Ironie ein Stück Metall umhängen sollen, mindestens das Bundesverdienstkreuz. Dann gäbe es ein büffetmäßig hoch budgetiertes Fest und einige huldvoll emittierte Gedanken von Joachim Gauck .

Darüber zum Beispiel, wie entsetzlich trostlos das Antlitz der Welt ohne die verschiedenen Formen der Ironie erschiene. Und wie lahm es auf den Konzerten von Scooter zuginge, wenn, jetzt mal salopp paraphrasiert, etwas nicht mehr so scheiße sein könnte, dass es schon wieder cool ist. Allerdings wären auch ein paar kritische Worte zum Verhältnis von Ironie und Mode wünschenswert, zumal in urbanen Ballungszentren der Republik.

Dort pressen sich Männer in T-Shirts, bedruckt mit pinkfarbenen Einhörnern. Auf ihren Oberlippen sprießen kürzlich erst dem Flaum entwachsene Schnurrbärte, auf Köpfen Haare nach Schnittmustern von, na ja, damals. Vor den Augen hängen sogenannte Pornobrillen wie eine Gesichtsvollverglasung. Das ironisierte Aussehen erfreut sich regen Zuspruchs.

Nur ein modisches Accessoire wird seit jeher frei von distanzierendem Augenzwinkern getragen: das Parfum! In seinem Fall lässt sich keine Geschmacksverirrung zu einem hintersinnigen Statement oder popkulturellen Zitat erklären. Und das ist dann auch mal ganz schön, oder?

Nasen dulden keine Ironie. Darin ähneln sie übrigens dem Ernstling Peter Hahne, dem folgende drei Sätze bestimmt auch ganz gut gefielen: Duft zwingt zur Eindeutigkeit (1). Wem's stinkt, dem stinkt's (2). Eine Tuberose ist eine Tuberose ist eine Tuberose (3).

Niemand kann voraussehen, was geschieht, wenn der eigene Duft auf fremde Riechnerven trifft. Da hilft kein doppelter Boden, bloß Selbstvertrauen. Wer sich mit Patschuli eindieselt, muss verknusen können, für einen Grufti gehalten zu werden. Literweise Old Spice an Jünglingshälsen kann rentnerschwere Irritationen hervorrufen, selbst wenn der Träger damit kritisch auf die Überalterung der Gesellschaft aufmerksam machen wollte.

Das verkompliziert die Sache natürlich für den Verbraucher, jenen armen Tropf, der eh permanent verschaukelt wird. Jetzt wird ihm sogar die Subversion genommen. Er kann nicht "Ich wollt halt mal wie Oma riechen" sagen und dabei Anführungszeichen in seine Sillage tüdeln, darauf hoffend, dass ihm die bunten Suhrkampbücher von Derrida und Deleuze da jetzt irgendwie wieder raushelfen. Schon doof.

Doch die Parfumindustrie wäre nicht so stinkereich, dächte sie nicht an alle ihre Zielgruppen: Die Chemnitzer Firma Bruno Banani zum Beispiel stellt seit Jahren Düfte her, die von ironisch lächelnden Nackedeis beworben werden, mit dem Slogan "Für Männer, die sich nicht so ernst nehmen". Allerdings riecht es auch so.

Kommentare

30 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Überschrift* (mindestens fünf Zeichen):

Schön wär's gewesen.
Mir ist durchaus der ein oder andere Heute-heißt-es-Hipster bekannt, der sich (Schon vor den berühmten Werbespots, wie es sich für einen Hipster gehört...) mit Old Spice eindieselte; die Gedanken des Artikels vollkommen ignorierend. Old Spice mit der stylishen Flasche ist schließlich "Kult", jaha!
(Bedauerlich halt, dass man jenseits der Hipsternasszelle von der Kultbuddel recht wenig sieht, sondern nur jenen Jetta-Fahrer-mit-Hut*-Müff riecht...)
Irgendwie fürchte ich ein wenig das Comeback von "Nonchalance", "Tosca" und dem alten 4711...
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*) Ich bitte jene Jettafahrer mit Hut, die nicht nach Old Spice müffeln, hiermit ausdrücklich um Verzeihung.

Entweder bin ichzu ungebildet oder aber überqualifiziert, denn..

...Den Text versteh ich nicht - was ist die Aussage:
Hippster können sich zwar merkwürdig kleiden und mit komischen Brillen "schmücken" aber ihr Wunsch, seltsam zu duften, ist unerfüllbar?
Aber was hat dann Peter Hahne damit zu tun, dem angeblich Nasen ähneln und warum würden ihm die 3 Sätze "auch" gefallen?

Maske

Das mit der Maske ist eigentlich gar keine schlechte Metapher.
Ich persönlich mag Parfüm, trage es aber in der Regel auch eher dezent (weniger ist mehr und so). Dennoch ist gerade die Veränderung des eigenen Typs durch verändern des Dufts einer der größten Vorteile eines Parfüms.
Ich für meinen Teil offenbare mein wahres Wesen nicht gerne gleich jedem, um mal auf der metaphorischen Ebene zu bleiben. ;)