Parfum Nasen dulden keine Ironie

Riesenbrillen, Omas Blusen und neonfarbene Pullunder: Hipster lieben das augenzwinkernde Zitat. Zum Glück geht das mit Parfum nicht.

Das ist doch mal was: So viel Ironie bleibt uns beim Parfum erspart.

Das ist doch mal was: So viel Ironie bleibt uns beim Parfum erspart.

Schon längst hätte man der Ironie ein Stück Metall umhängen sollen, mindestens das Bundesverdienstkreuz. Dann gäbe es ein büffetmäßig hoch budgetiertes Fest und einige huldvoll emittierte Gedanken von Joachim Gauck.

Darüber zum Beispiel, wie entsetzlich trostlos das Antlitz der Welt ohne die verschiedenen Formen der Ironie erschiene. Und wie lahm es auf den Konzerten von Scooter zuginge, wenn, jetzt mal salopp paraphrasiert, etwas nicht mehr so scheiße sein könnte, dass es schon wieder cool ist. Allerdings wären auch ein paar kritische Worte zum Verhältnis von Ironie und Mode wünschenswert, zumal in urbanen Ballungszentren der Republik.

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Dort pressen sich Männer in T-Shirts, bedruckt mit pinkfarbenen Einhörnern. Auf ihren Oberlippen sprießen kürzlich erst dem Flaum entwachsene Schnurrbärte, auf Köpfen Haare nach Schnittmustern von, na ja, damals. Vor den Augen hängen sogenannte Pornobrillen wie eine Gesichtsvollverglasung. Das ironisierte Aussehen erfreut sich regen Zuspruchs.

Nur ein modisches Accessoire wird seit jeher frei von distanzierendem Augenzwinkern getragen: das Parfum! In seinem Fall lässt sich keine Geschmacksverirrung zu einem hintersinnigen Statement oder popkulturellen Zitat erklären. Und das ist dann auch mal ganz schön, oder?

Duftnoten – Alles über Parfum

In einem Themenschwerpunkt widmen wir uns der Kunst des Parfums, weil über Duft viel zu wenig geschrieben und gesprochen wird. Die Serie Duftnoten – Alles über Parfum auf ZEIT ONLINE will das Bewusstsein für Parfums schärfen und einen kritischen Diskurs über eine vernachlässigte Kunstform anregen.

Wie entsteht ein olfaktorisches Meisterwerk? Wer sind die Meister hinter den großen Klassikern? Mit welchen Worten kann ich meinen Lieblingsduft beschreiben? Und welche olfaktorischen Schätze gibt es abseits der bekannten Marken zu entdecken? In den kommenden Wochen geben wir Antworten auf all diese Fragen.

Der Schwerpunkt

Bisher erschienen:

Essay: Wir sollten besser riechen

Glossar: Von Absolue bis Zibet

Parfum-Portale: Im Netz duftet's

Jean-Claude Ellena: Zu Besuch beim Herrn der Düfte

Parfum-Rohstoffe: Wie kommt die Natur in die Flasche?

Ironiefreie Zone: Parfum, das einzig wahre Accessoire

Die Top Ten: Duftempfehlungen von Luca Turin

Im Labor bei Chanel: Der Parfumeur Christopher Sheldrake

Parfum-Erfahrungen: Mein Duft und ich

Weltmarkt Parfum: Welche Düfte verkaufen sich wo am besten?

Der junge Wilde: Der Pariser Parfumeur Francis Kurkdjian

Promiparfums: Popstars aus der Flasche

Meister des Orients: Serge Lutens erklärt die wahre Weihnachtsgeschichte

Beiträge im neuen Jahr:

Nischenparfums: Kleine Firmen mit großem Bouquet

Nasen dulden keine Ironie. Darin ähneln sie übrigens dem Ernstling Peter Hahne, dem folgende drei Sätze bestimmt auch ganz gut gefielen: Duft zwingt zur Eindeutigkeit (1). Wem's stinkt, dem stinkt's (2). Eine Tuberose ist eine Tuberose ist eine Tuberose (3).

Niemand kann voraussehen, was geschieht, wenn der eigene Duft auf fremde Riechnerven trifft. Da hilft kein doppelter Boden, bloß Selbstvertrauen. Wer sich mit Patschuli eindieselt, muss verknusen können, für einen Grufti gehalten zu werden. Literweise Old Spice an Jünglingshälsen kann rentnerschwere Irritationen hervorrufen, selbst wenn der Träger damit kritisch auf die Überalterung der Gesellschaft aufmerksam machen wollte.

Das verkompliziert die Sache natürlich für den Verbraucher, jenen armen Tropf, der eh permanent verschaukelt wird. Jetzt wird ihm sogar die Subversion genommen. Er kann nicht "Ich wollt halt mal wie Oma riechen" sagen und dabei Anführungszeichen in seine Sillage tüdeln, darauf hoffend, dass ihm die bunten Suhrkampbücher von Derrida und Deleuze da jetzt irgendwie wieder raushelfen. Schon doof.

Doch die Parfumindustrie wäre nicht so stinkereich, dächte sie nicht an alle ihre Zielgruppen: Die Chemnitzer Firma Bruno Banani zum Beispiel stellt seit Jahren Düfte her, die von ironisch lächelnden Nackedeis beworben werden, mit dem Slogan "Für Männer, die sich nicht so ernst nehmen". Allerdings riecht es auch so.

 
Leser-Kommentare
    • T.M.
    • 04.12.2012 um 12:02 Uhr
    1. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/jp

  1. hipster sehen anders aus.

    2 Leser-Empfehlungen
  2. Schön wär's gewesen.
    Mir ist durchaus der ein oder andere Heute-heißt-es-Hipster bekannt, der sich (Schon vor den berühmten Werbespots, wie es sich für einen Hipster gehört...) mit Old Spice eindieselte; die Gedanken des Artikels vollkommen ignorierend. Old Spice mit der stylishen Flasche ist schließlich "Kult", jaha!
    (Bedauerlich halt, dass man jenseits der Hipsternasszelle von der Kultbuddel recht wenig sieht, sondern nur jenen Jetta-Fahrer-mit-Hut*-Müff riecht...)
    Irgendwie fürchte ich ein wenig das Comeback von "Nonchalance", "Tosca" und dem alten 4711...
    ______
    *) Ich bitte jene Jettafahrer mit Hut, die nicht nach Old Spice müffeln, hiermit ausdrücklich um Verzeihung.

    Eine Leser-Empfehlung
  3. ...Den Text versteh ich nicht - was ist die Aussage:
    Hippster können sich zwar merkwürdig kleiden und mit komischen Brillen "schmücken" aber ihr Wunsch, seltsam zu duften, ist unerfüllbar?
    Aber was hat dann Peter Hahne damit zu tun, dem angeblich Nasen ähneln und warum würden ihm die 3 Sätze "auch" gefallen?

    • me_lon
    • 04.12.2012 um 13:34 Uhr

    ...wenn ich garkein Parfum nutze?
    Ein kleiner Spitzer Deo nach dem Duschen und gut is.

    Parfum war für mich immer eine Maske.
    Und ich möchte ehrlich riechen.

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    Das mit der Maske ist eigentlich gar keine schlechte Metapher.
    Ich persönlich mag Parfüm, trage es aber in der Regel auch eher dezent (weniger ist mehr und so). Dennoch ist gerade die Veränderung des eigenen Typs durch verändern des Dufts einer der größten Vorteile eines Parfüms.
    Ich für meinen Teil offenbare mein wahres Wesen nicht gerne gleich jedem, um mal auf der metaphorischen Ebene zu bleiben. ;)

    Das mit der Maske ist eigentlich gar keine schlechte Metapher.
    Ich persönlich mag Parfüm, trage es aber in der Regel auch eher dezent (weniger ist mehr und so). Dennoch ist gerade die Veränderung des eigenen Typs durch verändern des Dufts einer der größten Vorteile eines Parfüms.
    Ich für meinen Teil offenbare mein wahres Wesen nicht gerne gleich jedem, um mal auf der metaphorischen Ebene zu bleiben. ;)

  4. 6. Maske

    Das mit der Maske ist eigentlich gar keine schlechte Metapher.
    Ich persönlich mag Parfüm, trage es aber in der Regel auch eher dezent (weniger ist mehr und so). Dennoch ist gerade die Veränderung des eigenen Typs durch verändern des Dufts einer der größten Vorteile eines Parfüms.
    Ich für meinen Teil offenbare mein wahres Wesen nicht gerne gleich jedem, um mal auf der metaphorischen Ebene zu bleiben. ;)

  5. Nasen dulden sehrwohl Ironie.
    Es ist eine Frage des Zeitpunktes.

    Treibt Ironie voran
    die erotische Ekstase,
    duldet's Frau und Mann
    auch mit der Nase :P

    • R_IP
    • 04.12.2012 um 15:10 Uhr

    Sog. Hippster wollen eben schon von weitem an ihrem vermeintlich stilunsicheren Aussehen erkannt werden. Da kommt es auf eine Nahkampf-Duftwolke nicht an. Tritt man einem dann doch gegenüber, nimmt man schon ganz von selbst Reißaus. Um andere Leute zu vergraulen, braucht es eben keinen Gestank, sondern nur inhaltsleere, konsumorientierte lookism-Attitüden....

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    • snoek
    • 04.12.2012 um 15:41 Uhr

    Entfernt. Bitte vermeiden Sie persönliche Anfeindungen. Danke, die Redaktion/ds

    • snoek
    • 04.12.2012 um 15:41 Uhr

    Entfernt. Bitte vermeiden Sie persönliche Anfeindungen. Danke, die Redaktion/ds

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