ParfumproduktionWie kommt die Pflanze in den Flakon?

Duftöl kann so teuer sein wie ein Luxusauto. Blüten werden von Hand gepflückt, Roboter mischen die Extrakte zum Parfum. Rabea Weihser hat in Grasse und Paris zugesehen. von 

Das Kilo Ferrari kostet rund 150 Euro. Ein Kilo reinen Duftöls aus Johannisbeerknospen ist mehr als das Zehnfache wert. Das Laboratoire Monique Rémy verkauft die Ferraris der Parfumbranche. Jeder im Duftgeschäft kennt diesen Namen. Die Gründerin ist mittlerweile in Rente, heute gehört ihre Firma dem amerikanischen Aromaproduzenten IFF. Das Labor ist so etwas wie die autonome Luxusabteilung in einem der größten Duftkonzerne der Welt.

In dem kleinen Werk an der Côte d’Azur, im Industriegebiet von Grasse, warten natürliche Rohstoffe aus der ganzen Welt auf die Weiterverarbeitung. Rosen aus der Türkei , Jasmin aus Ägypten , Sandelholz aus Indien , Vetiver aus Haiti – in diesem Labor gerinnen sie zu edelsten Essenzen. Man sagt, das LMR stelle die nuancenreichsten natürlichen Duftstoffe her. Ihre Qualität riecht für sich, seit fast 30 Jahren.

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Die Johannisbeerknospen haben keine lange Überseereise hinter sich, sie kommen aus dem Burgund. In der französischen Weinregion begannen die Bauern in den sechziger Jahren mit dem Anbau der Beerensträucher, nur für die Parfumproduktion. Früher wurden die Knospen mit der Hand geerntet. Jetzt gibt es sensible Mähmaschinen dafür. Dennoch ist der Kilopreis hoch, weil Arbeitskraft und Land in Frankreich teuer sind. Aber auf den Boden kommt es an. Das lehmige Erdreich des Burgund versorgt die Pflanzen mit besonderen Aromen.

Duftnoten – Alles über Parfum

In einem Themenschwerpunkt widmen wir uns der Kunst des Parfums, weil über Duft viel zu wenig geschrieben und gesprochen wird. Die Serie Duftnoten – Alles über Parfum auf ZEIT ONLINE will das Bewusstsein für Parfums schärfen und einen kritischen Diskurs über eine vernachlässigte Kunstform anregen.

Wie entsteht ein olfaktorisches Meisterwerk? Wer sind die Meister hinter den großen Klassikern? Mit welchen Worten kann ich meinen Lieblingsduft beschreiben? Und welche olfaktorischen Schätze gibt es abseits der bekannten Marken zu entdecken?

Der Schwerpunkt

Bisher erschienen:

Essay: Wir sollten besser riechen

Glossar: Von Absolue bis Zibet

Parfum-Portale: Im Netz duftet's

Jean-Claude Ellena: Zu Besuch beim Herrn der Düfte

Parfum-Rohstoffe: Wie kommt die Natur in die Flasche?

Ironiefreie Zone: Parfum, das einzig wahre Accessoire

Die Top Ten: Duftempfehlungen von Luca Turin

Im Labor bei Chanel: Der Parfumeur Christopher Sheldrake

Parfum-Erfahrungen: Mein Duft und ich

Weltmarkt Parfum: Welche Düfte verkaufen sich wo am besten?

Der junge Wilde: Der Pariser Parfumeur Francis Kurkdjian

Promiparfums: Popstars aus der Flasche

Meister des Orients: Serge Lutens erklärt die wahre Weihnachtsgeschichte

Müssen gute Parfums teuer sein? Dominique Ropion im Interview

In loser Folge ab Mai 2013:

Nischenparfums – Kleine Firmen mit großem Bouquet

ALS E-BOOK

Die Serie Duftnoten - Alles über Parfum gibt es auch als E-Book. Gehen Sie auf Entdeckungsreise in die Welt des Parfums in dieser für Ihren eReader hochwertig aufbereiteten Fassung. Unser E-Book steht Ihnen dabei als EPUB-Version für Ihren eReader, sowie als MOBI-Version für Ihr Kindle Lesegerät von Amazon zur Verfügung.

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Im Industriegebiet von Grasse, das heute mit Labors und Zweigstellen der Aromakonzerne zubetoniert ist, wuchsen vor 100 Jahren noch Jasmin und Rosen in dichten Reihen. Schon im 16. Jahrhundert siedelten sich in der Gegend Handschuhmacher an, die ihre Leder parfümierten und an den Adel verkauften. Während der Industrialisierung begründete Grasse seinen Ruf als Zentrum der Parfumwelt. Die Zeiten sind vorbei, die Stadt ist ein Museum, und nur noch wenige örtliche Produzenten leisten sich den Pflanzenanbau. Wenn, dann vornehmlich, um das Prestige von Chanel und Dior zu erhalten, die sich rühmen, die Formeln und Inhaltsstoffe einiger ihrer Klassiker nicht zu verändern. Der Schwerpunkt der Produktion hat sich längst ins Ausland verlagert, dorthin wo die Stundenlöhne geringer sind.

Die Warenauslieferung im Laboratoire Monique Rémy

Die Warenauslieferung im Laboratoire Monique Rémy  |  © Rabea Weihser für ZEIT ONLINE

Natürliche Duftstoffe sind so luxuriös, dass sie in gängigen Parfums meist nur noch in homöopathischen Dosen verwendet werden. In 800 Stunden pflücken ägyptische Arbeiter 6.000.000 Jasminblüten, daraus wird 1 Kilogramm reines Jasminöl gewonnen, das nach vielen Filter-, Reinigungs- und Verfeinerungsgängen im LMR für mindestens 3.600 Euro verkauft wird, je nach Güte der Ernte. Iris, die italienische Wurzelkönigin, ist noch edler: Bis zu 100.000 Euro pro Kilo kann ihr Extrakt kosten. In unscheinbaren Aluminiumflaschen warten die Schätze dann in der Werkshalle auf ihre Auslieferung. Wer was bestellt hat, wohin die Paletten mit Lavendelfässern geschickt werden, ist streng geheim.

Am wertvollsten am LMR sind das Wissen und die Techniken seiner Chemiker. Es geht nicht bloß darum, ein Rosenblatt zu verflüssigen, sondern den natürlichen Duft der Rose wie einen Farbfächer vor sich zu sehen und ihn dann zu bearbeiten. Farben zu mischen und manche auch zu löschen. Unbearbeitetes, reines Rosenöl besteht aus bis zu 500 einzelnen Molekülen. Citronellol, Geraniol, Nerol, Linalool, Rhodinol, Citral und und und. Jedes von ihnen hat seinen eigenen Duft. Die Chemiker vom LMR sind in der Lage, bestimmte Moleküle, also bestimmte Nuancen oder unerwünschte Farbstoffe aus dem natürlichen Destillat herauszufiltern. Sie können der Vetiverwurzel das Rauchige nehmen und die Grapefruit in ihr herauskitzeln, können Patschuli vom Erdstaub befreien, sodass es nur noch warm und weich, aber nicht mehr muffig ist. Ihrer Kundschaft, den Spitzenparfumeuren, ist das eine große Hilfe. Wenn der natürliche Rohstoff lediglich die Aspekte aufweist, die sie für ihre Komposition brauchen, können sie viel präziser und transparenter arbeiten.

Leserkommentare
    • gast83
    • 03. Dezember 2012 15:34 Uhr
    1. super

    Hab mich nur für einen Kommentar zu diesen Artikel fix angemeldet,
    vielen Dank für diesen interessanten Bericht,
    hab mich vorher nie mit dem Thema beschäftigt und bin beim lesen gut informiert und unterhalten worden.

  1. "Die Parfumindustrie steht durch immer schärfer werdende EU-Bestimmungen unter Druck. Brüssel will die Verwendung natürlicher Rohstoffe in Körperdüften stark einschränken, angeblich zum Schutz der Verbraucher."

    ...na super, da haben wir's doch wieder selbst beim Parfum haben Lobbyisten und Co die Finger in der Keksdose. Genau wie bei natürlichen Medikamenten vor denen Angst gemacht wird und krasse Drohungen an diverse Webseitenbetreiber gesand werden. Versuchen Sie doch mal die Dosierung von Neemöl bei Pilzbefall des 12 Fingerdarms irgendwo hier im EU Netz zu finden.

    Nur eins gesagt, jeder weiß was für ein Organ unsere Haut ist, oder? Wir wissen das wir ca 1% Sauerstoff über eben dieses Organ aufnehmen, sprich unserem Körper zuführen. Das heißt im klar Text alles was wir auf unsere Haut schmieren, sprühen, spritzen, reiben...wird vom Oberflächengewebe aufgenommen und in den Körper weitergeleitet. Wie man es bei einer Heilsalbe zum Beispiel ja auch möchte, nun aber wird hier Natur verboten und Chemie promotet, bei der man gar nicht wissen kann was Sie in Jahren alles anstellen wird, von diversen Hauterkrankungen, Allergien bis hin zu Krebs!

    Was man auf seine Haut schmiert sollte man auch essen können ohne das es einem schadet, dann ist alles cool.

    ...und immer schön gut riechen :-)

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wenn Sie sich tatsächlich mit dem Thema beschäftigt hätten, wüssten Sie, dass nur ein Bruchteil von allem was auf unserer Haut landet tatsächlich resorbiert wird. Da die Haut als Barriere zur Ausenwelt dient, hätten wir ein großes Problem, wenn dem nicht so wäre.
    Übrigens schmiert man sich Heilsalben nicht auf die Haut, um Wirkstoffe systemisch in den Körper zu bringen. Ich habe mir zumindest bei Kopfschmerzen noch kein Ibuprofen auf den Arm geschmiert.

    Und noch eine neue Tatsache: Die Duftstoffe der Pflanzen sind....dadamm: auch chemisch! Ob jetzt die Rose das Geraniol (wenn Sie das bei Wikip. nachschlagen finden Sie "Chemie" vorsicht!) herstellt, oder der Laborant im Reagenzglas macht sowohl für den Stoff an sich, als auch für unseren Körper absolut gar keinen Unterschied. Nur weil Stoffe aus Pflanzen kommen heißt es nicht automatisch, dass sie für den Menschen positiv sind. Reiben sie sich mal mit Brennesseln ein, ist doch auch Natur! Genausowenig sind synthetisch hergestellte Moleküle a priori negativ.

    Ich bin auch kein Freund des brüsseler Regulierungswahns, allerdings kann es durchaus sinnvoll sein, die Summe der potenziellen allergene in Düften von 500 auf 5 zu verringern. Denn man kennt eher die Risiken der 5 synthetischen Duftstoffe, als das Gefahrenpotenzial einer Mischung aus 500 versch. Stoffen. Und ja, auch wenn diese 500 Stoffe aus Pflanzen (Natur!) kommen.

  2. Wenn Sie sich tatsächlich mit dem Thema beschäftigt hätten, wüssten Sie, dass nur ein Bruchteil von allem was auf unserer Haut landet tatsächlich resorbiert wird. Da die Haut als Barriere zur Ausenwelt dient, hätten wir ein großes Problem, wenn dem nicht so wäre.
    Übrigens schmiert man sich Heilsalben nicht auf die Haut, um Wirkstoffe systemisch in den Körper zu bringen. Ich habe mir zumindest bei Kopfschmerzen noch kein Ibuprofen auf den Arm geschmiert.

    Und noch eine neue Tatsache: Die Duftstoffe der Pflanzen sind....dadamm: auch chemisch! Ob jetzt die Rose das Geraniol (wenn Sie das bei Wikip. nachschlagen finden Sie "Chemie" vorsicht!) herstellt, oder der Laborant im Reagenzglas macht sowohl für den Stoff an sich, als auch für unseren Körper absolut gar keinen Unterschied. Nur weil Stoffe aus Pflanzen kommen heißt es nicht automatisch, dass sie für den Menschen positiv sind. Reiben sie sich mal mit Brennesseln ein, ist doch auch Natur! Genausowenig sind synthetisch hergestellte Moleküle a priori negativ.

    Ich bin auch kein Freund des brüsseler Regulierungswahns, allerdings kann es durchaus sinnvoll sein, die Summe der potenziellen allergene in Düften von 500 auf 5 zu verringern. Denn man kennt eher die Risiken der 5 synthetischen Duftstoffe, als das Gefahrenpotenzial einer Mischung aus 500 versch. Stoffen. Und ja, auch wenn diese 500 Stoffe aus Pflanzen (Natur!) kommen.

    • Cailuda
    • 05. Dezember 2012 14:00 Uhr

    Ein interessanter Artikel, gut recherchiert, was die Düfte und ihre Ursprünge angeht. Und dann doch wieder eine so stark vereinfachte Aussage: "Brüssel will die Verwendung natürlicher Rohstoffe in Körperdüften stark einschränken, angeblich zum Schutz der Verbraucher."
    'Brüssel' will erst mal gar nichts. Es ist zwar schön pauschalisierend, auf Brüssel zu schimpfen, aber gute Recherchearbeit ist es nicht.

    Mich als Leser würde es interessieren, WER in Brüssel die Verwendung natürlicher Rohstoffe einschränken will. Sind es die Verbraucherschützer der BEUC? Sind es Industrieverbände, wenn ja welche? Sind es Ländervertretungen, wenn ja welche? Wer verfolgt da welche Interessen und in wessen Namen?

    Viele Fragen, die zu beantworten, sicher nicht einfach, aber um ein vielfaches interessanter wäre, als das negative Cliché vom Politikmoloch Brüssel (im Zweifel halt an allem Schuld) weiter zu bedienen.

  3. Redaktion

    Liebe/r Cailuda,

    vielen Dank für Ihren Beitrag. Sicherlich ist "Brüssel" eine Pauschalisierung. Es hätte den Rahmen dieses Artikel gesprengt, das Thema EU-Regularien auszuführen. Ich möchte dem Thema im kommenden Jahr einen eigenen Artikel widmen und freue mich, wenn Sie bis dahin neugierig und kritisch bleiben.

    Herzliche Grüße aus der Redaktion!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Cailuda
    • 05. Dezember 2012 19:35 Uhr

    Vielen Dank für Ihre Antwort!

    Als Politikwissenschaftlerin, und längjähriger Expat in Brüssel, ärgert es mich , wenn Politik aus Brüssel als quasi willkürlich, unkontrolliert und anonym dargestellt wird. Politik wird immer von Menschen gemacht und ich empfinde es als extrem wichtig, und auch spannend, herauszufinden, wer das was will und warum.

    Dann, und nur dann, können diese Menschen auch zur Verantwortung für ihr Handeln gezogen werden. Was es unseren eigenen Politikern um einiges schwerer machen würde, alles einfach auf die aus 'Brüssel' zu schieben.

    In diesem Sinne freue ich mich auf Ihren Artikel im nächsten Jahr.

    • Cailuda
    • 05. Dezember 2012 19:35 Uhr

    Vielen Dank für Ihre Antwort!

    Als Politikwissenschaftlerin, und längjähriger Expat in Brüssel, ärgert es mich , wenn Politik aus Brüssel als quasi willkürlich, unkontrolliert und anonym dargestellt wird. Politik wird immer von Menschen gemacht und ich empfinde es als extrem wichtig, und auch spannend, herauszufinden, wer das was will und warum.

    Dann, und nur dann, können diese Menschen auch zur Verantwortung für ihr Handeln gezogen werden. Was es unseren eigenen Politikern um einiges schwerer machen würde, alles einfach auf die aus 'Brüssel' zu schieben.

    In diesem Sinne freue ich mich auf Ihren Artikel im nächsten Jahr.

    Antwort auf "Brüssel"

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