PrinzessinnengartenGekommen, um wieder zu gehen

Zwischennutzer können verwaiste Stadträume neu beleben. Doch wenn sie erfolgreich sind, droht bald der Verkauf. Wie Städte und Projekte damit umgehen, schreibt A. Haeming. von 

Es waren einmal zwei Linden. Sie hießen Walter und Momper . Vor fast 30 Jahren pflanzte der Kreuzberger SPD-Abgeordnete Walter Momper die beiden jungen Bäume auf eine Brache am Berliner Moritzplatz. Die beiden Bäumchen sollten alles ändern, die Kriegslücke grüner machen und attraktiver. Es war eine kleine Protestaktion. Doch trotz der Linden wollte weiterhin niemand die Fläche kaufen und hier, am ödesten Platz zwischen Berlin-Mitte und Kreuzberg, bauen.

Bis Marco Clausen und Robert Shaw vor vier Jahren die Idee hatten, einen Nachbarschaftsgarten mitten in der Stadt zu gründen. 2009 bekam ihre Firma Nomadisch Grün den Zuschlag für eine Zwischennutzung der Brache am Moritzplatz. Sie räumten die vernachlässigte Fläche leer und fingen an, in mobilen Containern zu pflanzen. Ihr Prinzessinnengarten war von Anfang an als Garten-Start-up gedacht, eine Mischung aus einer Nachbarschaftsinitiative und einem Modell für nachhaltigeres Leben in der Stadt. Ein Sozialprojekt war der Prinzessinnengarten nie. Und in nur vier Jahren wuchs ein kleines Unternehmen heran, der Garten wurde zur Marke .

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Mittlerweile haben die Prinzessinnengärtner 14 Vollzeitstellen und 16 Ableger in der ganzen Stadt, sie bekommen Fördergelder für ihre Kooperationen mit Schulen und Kitas und haben ein Buch geschrieben , um ihre Idee zu multiplizieren. Stadtplaner und Bürgermeister aus aller Welt kommen nach Berlin , um sich das Projekt anzusehen, von den Touristen ganz zu schweigen. Und mit dem Erfolg des Gartens wuchs plötzlich auch etwas um den Moritzplatz herum. Nebenan eröffnete der Co-Working-Space Betahaus, vor drei Jahren kam "Schöner wär’s, wenn’s schöner wär'“ dazu, ein Conceptstore für nachhaltiges Design. Dann wurde gegenüber das waschbetongraue Aufbauhaus gebaut, in dem die gleichnamige Verlagsgruppe, ein Kreativbedarfladen, ein Café und ein Club zu Hause sind. Stück für Stück entstand um den Kreisverkehr eine neue Stadtlandschaft.

Doch Zwischennutzung ist Zwischennutzung. Im September machten Clausen und Shaw ihre Sorge öffentlich, dass das Gelände des Prinzessinnengartens bald vom Berliner Liegenschaftsfonds meistbietend veräußert werden könnte. Auf Anfrage eines Grünen-Abgeordneten meldete der Liegenschaftsfond das Interesse zweier potentieller Investoren.

Der Fall des Prinzessinnengartens zeigt, dass erfolgreiche Zwischennutzungen den öffentlichen oder privaten Eigentümer in ein Dilemma führen können. Eine Stadt wie Berlin profitiert strategisch davon, dass leerstehende Flächen und Gebäude mit Ideen gefüllt werden und damit eine ganze Gegend wiederbeleben können. Die Nutzer wiederum, meist junge Kreativunternehmer oder Künstler, können ihre Ideen in einem kostenlosen oder sehr günstig gemieteten Raum ohne wirtschaftlichen Druck umsetzen.

Dass aus solchen Ideen auch erfolgreiche, kleine Unternehmen werden könnten, die nachhaltig wirtschaften müssen, daran denkt anfangs niemand. Wenn dann Investoren die Liegenschaft im attraktiver gewordenen Viertel für sich entdecken, stellt sich die Frage: Wer muss gehen? Ältere Zwischennutzungsprojekte in Hamburg , in Bremen , im schweizerischen Winterthur oder in Leipzig zeigen, dass für dieses Dilemma ganz unterschiedliche Lösungen gefunden werden können.

In Berlin selbst zeigt der Umgang mit dem Gelände der ehemaligen Bar 25 am Holzmarkt eine Alternative. Das Gelände, auf dem der legendäre, zirkushafte Club am Spreeufer von 2003 bis 2010 geöffnet hatte, wollte die Berliner Stadtreinigung an Investoren des Großprojekts Mediaspree verkaufen. Zuerst wechselte das Bar-25-Team auf die andere Spreeseite in eine andere Zwischennutzung und eröffnete das Kater Holzig.

Leserkommentare
  1. für den umfangreichen und auch inhaltlich für mich sehr interessanten Bericht.

    Bei uns um die Ecke haben ein Kindergarten und eine Wohnstätte für ältere Menschen gemeinsam ein paar Bürgersteigbeete in die Pflege genommen, anfangs wurde da noch gerüpelt und gestohlen jetzt hat sich jeder daran gewöhnt und es ist immer wieder nett hinzuschauen.

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    Auf Wunsch gelöscht. Danke, die Redaktion/jp

    • TimmyS
    • 09. November 2012 13:22 Uhr

    Und ich muss der Aussage zustimmen, dass es endlich ein Handeln kommen muss. Die Stadtverantwortlichen müssen begreifen, dass ihre Denkweise nicht konform mit der Realität ist. Eine Stadt lebt von den Menschen. Auch von den entsprechenden Zwischennutzern ist ein Umdenken verlangt. Und dahin sollte es auch gehen, dass sich die Beteiligten annähern, wie es so schön im Artikel bei diversen Beispielen genannt wurde. Jede beteiligte Seite müsse umdenken und entsprechend handeln.
    Doch ein Punkt, den man den Stadtverantwortlichen immer wieder sagen muss. Vielfalt bedeutet auch eine vielfältige und flexible Wirtschaftsstruktur, die deutlich mehr Einahmen bringt als überteuerte Bauvorhaben und Immobilienvermietungen etc. die die Wirtschaft schmälert, träge macht, weil nur wenige Akteure vorhanden sind.
    Auf der anderen Seite muss die Vielfältigkeit lernen wieder richtig und breiter zu kommunizieren, um erfolgreich zu sein. Gerade Kooperationen sind in einer vielfältigen Wirtschaft/Gesellschaft wichtig, damit diese Netzwerke einander stabile Grundsteine geben.

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    Auf Wunsch gelöscht. Danke, die Redaktion/jp

  2. und Co-Working-Space Betahaus.
    Tut mir leid, da kann ich mir aber so gar nichts drunter vorstellen und ehrlich gesagt, solche Worthülsen sprechen mich auch nicht im Geringsten an.

  3. 4. [...]

    Auf Wunsch gelöscht. Danke, die Redaktion/jp

  4. 5. [...]

    Auf Wunsch gelöscht. Danke, die Redaktion/jp

    Antwort auf "vielen Dank"
  5. Die Zwischennutzer bezahlen doch die Eigentümer damit, das Sie ihre Immobilie aufwerten. Das es kein Konzept für die Ewigkeit ist, sagt doch der Name.

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