PrinzessinnengartenGekommen, um wieder zu gehen
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Die neuen Eigentümer wollten ein gemeinsames Konzept entwickeln

Parallel dazu erstellten die Party-Unternehmer ein Konzept für das Bar-25-Gelände, mit Hotel, Restaurants und Studios. Sie gründeten eine Genossenschaft , fanden in der Schweizer Pensionskassenstiftung Abendrot einen Partner und gaben ein eigenes Kaufangebot ab. Mitte Oktober bekam die Bar 25 den Zuschlag.

Die Stiftung Abendrot kaufte vor drei Jahren auch das Areal Lagerplatz in Winterthur – leere Fabrikgebäude, in die Mitte der 1990er die ersten Zwischennutzer gezogen waren. Als im Jahr 2006 Gerüchte aufkamen, dass die Industriefirma Sulzer das Gelände bis 2011 verkaufen will, gründeten die Mieter einen Verein. "Wir haben zuerst eine Umfrage gemacht unter den Mietern, wer bleiben will, wer bereit ist, Zeit und Geld zu investieren“, sagt Vereinsvorstand Manuel Lehmann. "Die Signale waren ganz deutlich: Sie wollten bleiben." Mit einem Nutzungskonzept und der Unterstützung des Gemeinderats, des Stadtpräsidenten und vieler Kulturschaffender überzeugte der Lagerplatz-Verein die Stiftung Abendrot. Diese machte Sulzer dann ein Kaufangebot. Die Mieter seien zuerst skeptisch gewesen, ob die Stiftung auch wirklich das geplante Konzept übernehme, sagt Lehmann. "Aber dann haben die neuen Eigentümer eine Zukunftswerkstatt initiiert, um ein gemeinsames Konzept zu entwickeln – 120 Leute sind gekommen“, sagt er. "Diese Geste hat bei den Mietern viele Ängste genommen."

Dass sie ernst genommen werden, diese Erfahrung machen die Mitglieder des Hamburger Vereins Frappant auch erst, seit sie vor zweieinhalb Jahren in eine neue Immobilie umziehen mussten. Solange die Künstler, Werber und Architekten ein altes Karstadtgebäude und später das rumpelige, bunte Frappant in Altona als Zwischennutzer gemietet hatten, bekamen sie immer nur Mietzusagen für vier Wochen. Die Jahre von 2005 bis Anfang 2010 waren für die Gruppe eine unsichere Zeit. Als Ikea 2009 das Gelände kaufte , um die erste innenstädtische Filiale zu bauen, hatten die Zwischennutzer keine Chance.

Doch sie bekamen die Viktoriakaserne als Alternative, gründeten einen Verein und treffen sich nun regelmäßig mit Vertretern der Stadt, um zu bereden, wie es weitergehen kann. Gemeinsam arbeiten beide Seiten an einem Konzept zur Umnutzung der Kaserne. Bislang sicher ist nur: Bis Ende 2012 kann Frappant bleiben. Daniel Behrens vom Verein Frappant meint: "Es fehlt der Stadt das Verständnis dafür, was das eigentliche Problem ist: Für den derzeitigen Träger sind zehn Euro pro Quadratmeter eine günstige Miete – aber wir stellen uns unter einer günstigen Miete etwas anderes vor. Keine Stadt kann es sich leisten, Kunst und Kultur zu ignorieren. Es ist eine Frage des Stadtmarketings, wie sie sich nach außen darstellt“, findet Behrens.

Dabei hat Hamburg mit dem Gängeviertel geradezu ein Bilderbuchbeispiel dafür, wie gut Zwischennutzungen eine Stadt aufwerten können: Es wurde gerade von der Unesco als "Ort kultureller Vielfalt“ ausgezeichnet . Nachdem eine Gruppe Künstler das lange Zeit leerstehende Innenstadtviertel im August 2009 besetzte und aus dem Einweihungsfest eine kreative Dauerfeier wurde, entwickelte sich das Gängeviertel binnen Wochen zum magischen Ort für Hamburger wie Touristen – und kurze Zeit später bekam ein Investor den Zuschlag für eine Baugenehmigung. Doch die 200 Hausbesetzer protestierten wochenlang mit der breiten Zustimmung der Hamburger Bürger im Rücken. Ende des Jahres kaufte die Stadt das Grundstück dann tatsächlich wieder zurück.

"Mit Zwischennutzungen kann man Aufmerksamkeit erzeugen, Menschen für Stadtentwicklung begeistern, die sich sonst nicht für Beteiligungsprozesse interessieren“, sagt Oliver Hasemann, Mitbetreiber der Zwischennutzungsagentur ZZZ in Bremen, die leere Gebäude und Flächen weitervermittelt. Das bewahrheitet sich derzeit beim Gängeviertel wie beim Prinzessinnengarten. Eine Online-Petition für den Verbleib des Gartens am Moritzplatz haben schon fast 24.000 Menschen unterschrieben, auch die Bezirksverordnetenversammlung von Friedrichshain-Kreuzberg hat dafür gestimmt.  

In Bremen geht es vor allem um sehr kurz angelegte Zwischennutzungen, die Projektzeiten sind auf einige Monate angelegt – aber gerade wandelt die Stadt tatsächlich eine Zwischennutzung in eine Umnutzung um. Denn die Mieter des Gebäudes Plantage 9 müssen nun nicht mehr einer Straße weichen, die gebaut werden sollte. Sie bekamen im Mai einen regulären Mietvertrag für die kommenden drei Jahre. Da die Straße keiner mehr will, werden sie wohl auch danach bleiben. Es habe sich allein in den Köpfen der Verantwortlichen viel getan, so Hasemann: "Die Skepsis in der Immobilienverwaltung der Stadt den Zwischennutzern gegenüber ist zurückgegangen. Jetzt gibt es einen Vertrauensvorschuss."

Leserkommentare
  1. für den umfangreichen und auch inhaltlich für mich sehr interessanten Bericht.

    Bei uns um die Ecke haben ein Kindergarten und eine Wohnstätte für ältere Menschen gemeinsam ein paar Bürgersteigbeete in die Pflege genommen, anfangs wurde da noch gerüpelt und gestohlen jetzt hat sich jeder daran gewöhnt und es ist immer wieder nett hinzuschauen.

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    Auf Wunsch gelöscht. Danke, die Redaktion/jp

    • TimmyS
    • 09. November 2012 13:22 Uhr

    Und ich muss der Aussage zustimmen, dass es endlich ein Handeln kommen muss. Die Stadtverantwortlichen müssen begreifen, dass ihre Denkweise nicht konform mit der Realität ist. Eine Stadt lebt von den Menschen. Auch von den entsprechenden Zwischennutzern ist ein Umdenken verlangt. Und dahin sollte es auch gehen, dass sich die Beteiligten annähern, wie es so schön im Artikel bei diversen Beispielen genannt wurde. Jede beteiligte Seite müsse umdenken und entsprechend handeln.
    Doch ein Punkt, den man den Stadtverantwortlichen immer wieder sagen muss. Vielfalt bedeutet auch eine vielfältige und flexible Wirtschaftsstruktur, die deutlich mehr Einahmen bringt als überteuerte Bauvorhaben und Immobilienvermietungen etc. die die Wirtschaft schmälert, träge macht, weil nur wenige Akteure vorhanden sind.
    Auf der anderen Seite muss die Vielfältigkeit lernen wieder richtig und breiter zu kommunizieren, um erfolgreich zu sein. Gerade Kooperationen sind in einer vielfältigen Wirtschaft/Gesellschaft wichtig, damit diese Netzwerke einander stabile Grundsteine geben.

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    Auf Wunsch gelöscht. Danke, die Redaktion/jp

  2. und Co-Working-Space Betahaus.
    Tut mir leid, da kann ich mir aber so gar nichts drunter vorstellen und ehrlich gesagt, solche Worthülsen sprechen mich auch nicht im Geringsten an.

  3. 4. [...]

    Auf Wunsch gelöscht. Danke, die Redaktion/jp

  4. 5. [...]

    Auf Wunsch gelöscht. Danke, die Redaktion/jp

    Antwort auf "vielen Dank"
  5. Die Zwischennutzer bezahlen doch die Eigentümer damit, das Sie ihre Immobilie aufwerten. Das es kein Konzept für die Ewigkeit ist, sagt doch der Name.

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