PrinzessinnengartenGekommen, um wieder zu gehen
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Nach fünf Jahren zahlt sich die Muskelhypothek aus

Drei Jahre sind schon fast ein luxuriöser Zeitraum für Zwischennutzer. "Wir sind der Auffassung, dass man auch eine gewisse Planungssicherheit braucht, wenn man so viel investiert“, erklärt Fritjof Mothes, der in Leipzig mit dem Verein Haushalten sogenannte Wächterhäuser und Wächterläden vermittelt. "Fünf Jahre sind ein angemessener Zeitraum, damit beide Seiten etwas davon haben: Für die Zwischennutzer zahlt sich die Muskelhypothek aus, für die Eigentümer und die Stadt die Aufwertung der Gebäude." In Leipzig überlassen Eigentümer ihre leer stehenden Gebäude für Minimieten "Wächtern“, die mit Eigeninitiative und eigener Hände Arbeit die Häuser wieder bewohnbar machen; immer wieder überlassen die Besitzer die so umgebauten Gebäude den Mietern in Erbpacht, also auf unbefristete Zeit – Zwischennutzer sind sie dann die längste Zeit gewesen.

Auch am Moritzplatz ist die Zeit das Problem. Mit einjährigen Mietverträgen können die Prinzessinnengärtner nicht profitabel planen. Ausschreibungen, egal ob auf EU-Ebene oder beim Bundesbauministerium , sind auf längere Fristen ausgerichtet. "Wir brauchen einen Planungshorizont von mindestens fünf Jahren, sonst können wir keine weiteren Gelder für unsere Bildungsprojekte akquirieren“, sagt Marco Clausen. Und einen Ansprechpartner, eine Person im Senat oder im Liegenschaftsfonds, der für sie zuständig ist, hätten sie auch gerne.

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Der Fall des Prinzessinnengartens hat inzwischen Symbolcharakter bekommen. Wie hier entschieden wird, könnte die Stadtplanung in Zukunft bestimmen. Hier entscheidet sich, ob das arme Berlin nur darauf schauen sollte, seine Flächen und Immobilien meistbietend zu verhökern, oder auch darauf, welche Projekte gut sind fürs Image der Stadt und somit mehr Unternehmen und Touristen nach Berlin locken.

"Stadtrendite“ nennt das der zuständige Staatssekretär für Stadtplanung Ephraim Gothe, in einem Brief an die Senatsverwaltung für Finanzen . Er plädiert dafür, einen Teil der Fläche für den Garten zu erhalten. "Die Stadtrendite in den Vordergrund zu stellen, ist ein Anspruch, an dem sich die künftige Liegenschaftspolitik Berlins messen lassen muss“, findet auch Marco Clausen. Mit Stadt neu denken hat sich nun sogar eine bezirksübergreifende Initiative gegründet, die diese neue Politik befeuern will.

"Wenn ein Viertel von einem solchen Projekt aufgewertet wurde und die Zwischennutzung ausläuft, ist es die Aufgabe der Stadt, Alternativen für diese Initiative zu finden“, sagt der Leipziger Wächterhaus-Organisator Fritjof Mothes. Dass die kommunale Strategie aufgeht, mit den kreativen Ideen der Zwischennutzer ganze Viertel aufzuwerten, das Image der Stadt noch dazu, steht für ihn außer Frage: "Dass Zwischennutzungen eine Sozialrendite erzeugen, ist der Stadt hier durchaus bewusst. Deshalb unterstützt sie diese Programme auch. Sie lässt Initiativen Freiräume, sich auszuprobieren.

"Es sollte jetzt keinen hektischen Verscherbelungsprozess geben“, sagt der Kreuzberger Bezirksbürgermeister Franz Schulz zu der Investorendiskussion. "Man muss ein bisschen Tempo rausnehmen.“ Es könne nicht sein, dass die Stadt sich mit dem Projekt brüste, sich aber nicht dafür einsetze. Schulz, Clausen und Shaw wollen ein Bürgerbeteiligungsverfahren, um gemeinsam zu erarbeiten, was aus dem Ort werden soll.

Bis dahin bereitet der Prinzessinnengarten erst einmal die Überwinterung vor. Man ist derzeit zurückhaltend, auch wenn sich mit Staatssekretär Gothe nun endlich jemand Stellung bezogen hat: Doch Clausen bleibt skeptisch: "Bisher gab es viel Wortgeklingel zur neuen Liegenschaftspolitik, dem müssen jetzt aber auch Taten folgen", sagt er. "Für uns ändert sich erst etwas, wenn der Senat mit einer Stimme spricht."

Dass ausgerechnet 2012 von der Unesco zum Internationalen Jahr der Genossenschaften ausgerufen wurde, klingt da geradezu prophetisch: Eine Genossenschaft zu gründen war oft der erste Schritt, damit aus Zwischennutzern Umnutzer wurden. Die, die blieben, statt wieder gehen zu müssen.

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Leserkommentare
  1. für den umfangreichen und auch inhaltlich für mich sehr interessanten Bericht.

    Bei uns um die Ecke haben ein Kindergarten und eine Wohnstätte für ältere Menschen gemeinsam ein paar Bürgersteigbeete in die Pflege genommen, anfangs wurde da noch gerüpelt und gestohlen jetzt hat sich jeder daran gewöhnt und es ist immer wieder nett hinzuschauen.

    Eine Leserempfehlung
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    Auf Wunsch gelöscht. Danke, die Redaktion/jp

    • TimmyS
    • 09. November 2012 13:22 Uhr

    Und ich muss der Aussage zustimmen, dass es endlich ein Handeln kommen muss. Die Stadtverantwortlichen müssen begreifen, dass ihre Denkweise nicht konform mit der Realität ist. Eine Stadt lebt von den Menschen. Auch von den entsprechenden Zwischennutzern ist ein Umdenken verlangt. Und dahin sollte es auch gehen, dass sich die Beteiligten annähern, wie es so schön im Artikel bei diversen Beispielen genannt wurde. Jede beteiligte Seite müsse umdenken und entsprechend handeln.
    Doch ein Punkt, den man den Stadtverantwortlichen immer wieder sagen muss. Vielfalt bedeutet auch eine vielfältige und flexible Wirtschaftsstruktur, die deutlich mehr Einahmen bringt als überteuerte Bauvorhaben und Immobilienvermietungen etc. die die Wirtschaft schmälert, träge macht, weil nur wenige Akteure vorhanden sind.
    Auf der anderen Seite muss die Vielfältigkeit lernen wieder richtig und breiter zu kommunizieren, um erfolgreich zu sein. Gerade Kooperationen sind in einer vielfältigen Wirtschaft/Gesellschaft wichtig, damit diese Netzwerke einander stabile Grundsteine geben.

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    Auf Wunsch gelöscht. Danke, die Redaktion/jp

  2. und Co-Working-Space Betahaus.
    Tut mir leid, da kann ich mir aber so gar nichts drunter vorstellen und ehrlich gesagt, solche Worthülsen sprechen mich auch nicht im Geringsten an.

  3. 4. [...]

    Auf Wunsch gelöscht. Danke, die Redaktion/jp

  4. 5. [...]

    Auf Wunsch gelöscht. Danke, die Redaktion/jp

    Antwort auf "vielen Dank"
  5. Die Zwischennutzer bezahlen doch die Eigentümer damit, das Sie ihre Immobilie aufwerten. Das es kein Konzept für die Ewigkeit ist, sagt doch der Name.

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