EU-VerbraucherschutzParfumklassiker verlieren ihren Duft

Chanel "No. 5" oder "Shalimar" müssen wohl umkomponiert werden: Die EU will Bürger vor Allergien schützen und beschränkt deshalb natürliche Duftstoffe in Parfums. von dpa

Jasminblüten nach der Ernte

Jasminblüten nach der Ernte  |  © Valery Hache/AFP/Getty Images

Duftklassiker wie Chanel No. 5 , Shalimar oder Opium sind in Gefahr, Parfümeure in ganz Europa alarmiert: Die EU will ihre Bürger vor Allergien schützen und prüft dafür ein Verbot diverser Inhaltsstoffe. Ein entsprechender Gesetzentwurf soll Anfang des kommenden Jahres vorgestellt werden. Dann sollen vor allem natürliche Essenzen nur noch beschränkt einsetzbar sein. Das gefährdet manche Duftkomposition und die Existenz deren Hersteller.

Und nicht nur die Streichliste sorgt für Aufregung in der Branche: Die Pläne der EU würden die Hersteller auch dazu zwingen, ihre bestgehüteten Geheimnisse preiszugeben, die Rezepturen.

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Bereits in der Vergangenheit wurden die Zusammensetzungen der Parfums angepasst. Entweder als Folge der immer strenger werdenden Auflagen der International Fragrance Association (IFRA) oder aufgrund steigender Kosten für natürliche Ingredienzen.

Verbot des wichtigen Eichenmooses

Bei etwa drei Prozent der EU-Bürger besteht die Gefahr, dass sie auf natürliche Essenzen in Parfums allergisch reagieren. Der wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit SCCS der Europäischen Kommission empfiehlt, den Anteil zwölf natürlicher Substanzen auf 0,01 Prozent im Parfum zu beschränken. Spuren von Eichenmoos und Baumflechte sollen ganz eliminiert werden. Da diese allerdings Grundzutaten der Chypre-Parfums sind, würde damit die Veränderung vieler Klassiker erzwungen.

Wenn die EU alle Empfehlungen der SCCS umsetzt, müssten nach IFRA-Schätzungen rund 9.000 Parfüms neu gemischt werden oder mit synthetischen, allergenfreien Stoffen reformuliert werden. Das könnte auch das erfolgreichste Parfum der Welt, Chanel No. 5 , betreffen – ein Duft, der aus dem Jahr 1921 stammt. Hochwertige Parfums bestehen häufig aus einer Mischung natürlicher und synthetischer Substanzen . Die Zusammensetzung zu ändern, kann die Hersteller mehrere hunderttausend Euro kosten.

Die Europäische Kommission teilte mit, es sei kein Verbot von bestimmten Parfums geplant. Bislang werde nur geprüft, wie die Empfehlungen in ein Gesetz einfließen könnten.

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Leserkommentare
  1. Allergiker reagieren nicht nur auf natürliche Duftstoffe, sondern gerade bei Deos etc. auf Chemie !

    Das gleiche gilt bei Seifen und Waschmitteln - da spielen die natürlichen Allergene aus Pflanzen gar keine Rolle .

    Verbraucher sollten lieber vor den potentiell krebserregenden, auf alle Fälle aber allergenen E- Zusatzstoffen in Lebensmitteln geschützt werden -
    nur da traut sich niemand heran : die Nahrungsmittelherstellerlobby sorgt dafür !

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Duftstoffe sind häufig reizend für Haut und Schleimhäute und manchmal auch allergieauslösend.
    Es ist dabei völlig irrelevant, ob so ein Duftstoff aus "natürlichen" Rohstoffen extrahiert wird, oder künstlich in chemischer Synthese hergestellt wird.
    Die Eigenschaften bleiben die gleichen.

  2. Warum wird im Artikel bewusst der Hintergrund solcher Gesetzentwürfe verschwiegen.

    Hier hätte die "Cosmetics Directive", dh die "Richtlinie 76/768/EWG des Rates vom 27. Juli 1976 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über kosmetische Mittel („Kosmetikrichtlinie")" erwähnt werden müssen.
    Zentrale Punkte sind dabei der Verbraucherschutz, denn
    "Stellt jedoch ein kosmetisches Mittel, das die Vorschriften dieser Richtlinie einhält, eine Gefährdung der menschlichen Gesundheit dar, kann der Mitgliedstaat, in dessen Hoheitsgebiet das Erzeugnis in Verkehr gebracht wird, dies untersagen oder einschränken."
    Weiterhin wird "mit der Richtlinie wird Tierversuchen mittels zweier Verbote ein Ende gesetzt:
    Tests von kosmetischen Fertigerzeugnissen und Bestandteilen anhand von Tierversuchen (Verbot von Tierversuchen);
    Inverkehrbringen von kosmetischen Fertigerzeugnissen und Bestandteilen, die anhand von Tierversuchen getestet wurden (Verbot des Inverkehrbringens)."

    http://europa.eu/legislat...

    Diese Bestrebungen fallen nicht plötzlich vom Himmel, sondern werden schon lange diskutiert, innerhalb der EU Kommission, zusammen mit Vertretern der Industrie und den nationalen Kontrollbehörden.

    Aber solche Fakten sind ja nur störendes Beiwerk beim Auslösen des Beissreflexes, wenn es mal wieder um vermeintlich unsinnige "EU-Erlasse" geht.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Was haben die Kosmetikrichtlinie und die Einschränkung von Tierversuchen mit dem prophylaktischen Verbot allergener Inhaltsstoffe im Parfum zu tun? Genügt nicht eine Kennzeichnungspflicht auf dem Karton, wie sie bei allergenen Stoffen bisher eingehalten werden muss?

  3. Nach der Morgenrunde wieder die Spielrunde "Hat Jemand eine schöne absurde Idee?"

    Die Birke hat mit die aggressivsten allergenen Pollen, dann gibt es Kreuzallergien mit Erle, Hasel und Buche.

    23% der Bevölkerung reagieren allergisch auf Hausstaubmilben und Blütenpollen. Dennoch käme doch keiner auf die Idee, den deutschen Wald abzuholzen und einzubetonieren.

    Kein Haselnussallergiker isst Schokolade, wenn er weiß, dass Nüsse drin sind.

    Es reicht doch völlig aus, die als allergen bekannten Inhaltsstoffe aufzulisten und gut isses !

    Ich persönlich mag die Klassiker Chanel Nr.5 und Opium. Personalabbau bei der EU ist eine gute Idee.

    Klaus Kocks hat einen netten Artikel zum staatlichen Überregulierungswahn geschrieben:

    "Kein Alkohol ist auch keine Lösung"
    http://starke-meinungen.d...

  4. Redaktion

    Was haben die Kosmetikrichtlinie und die Einschränkung von Tierversuchen mit dem prophylaktischen Verbot allergener Inhaltsstoffe im Parfum zu tun? Genügt nicht eine Kennzeichnungspflicht auf dem Karton, wie sie bei allergenen Stoffen bisher eingehalten werden muss?

  5. Redaktion

    Haha, nette Retour. Aber soviel muss gesagt werden: Maiglöckchen haben zwar in der Natur einen starken Eigenduft, er lässt sich aber nicht extrahieren. So war der Nachbau eines Maiglöckchendufts eine der großen Aufgaben der frühen synthetischen Parfumerie. Man denke nur an "Diorissimo"... (http://www.zeit.de/lebens...)

    Antwort auf "Nun ja ..."

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, sk, raw
  • Schlagworte Europäische Union | Chanel | Duft | EU-Bürger | Opium | Euro
  • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

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