Der Körper als Erzählung

Sylvie | © Ralf Mitsch
Manche Tattoos sind reine Modeerscheinungen, andere intime Bekenntnisse auf der Haut. Der Fotograf Ralf Mitsch zeigt mit seiner Serie Why I Love Tattoos, wie individuell und konsequent Menschen ihre Körper zeichnen lassen. Seine Modelle sind ganz unterschiedliche Charaktere, die ihre bedingungslose Liebe zu Tattoos verbindet. Für ein Buch, in dem seine Bilder neben kurzen Interviews erscheinen sollen, sucht er derzeit noch einen Verleger. Mitsch selbst hat übrigens keine Tattoos, er konnte sich nie auf ein Motiv festlegen.
- Datum 18.03.2013 - 16:59 Uhr
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Mir scheint, das Problem welches sie da haben ist nicht eines mit den Tats, sondern eines mit dem Altern an sich. Wenn man akzeptiert, dass man selbst und seinen Haut altert, kann man auch akzeptieren, dass die Taetowierungen darauf demselben Prozess unterworfen sind.
Der Gedanke "Aber wie sieht das aus, wenn man alt ist?" ist Zeichen gerade der Jugendfixierung, die man vorgeblich kritisiert.
Einzelne Motive sind sehr interessant und ästhetisch. Der Gesamteindruck ist aber konventionell und erinnert mich eher an das typische Rockabilly T-Shirt.
Die beste Ganzkörper-Tattookunst kommt nach wie vor aus dem Ethno-Bereich. Traditionelle Maori-Tätowierungen sind atemberaubende, prächtige Kunstwerke, auch die indischen Henna-Tattoos sind ein Traum. Auch die Motive der modernen West Coast Native Art sind absolut fantastisch.
Ein gutes Tattoo entspringt nicht nur der Laune des Moments und richtet sich nicht nach der Mode. Ob als Einzelmotiv oder Ganzkörper, es hat eine Aussage, eine (intime) Bedeutung, eine Geschichte. Es zwingt den Betrachter zur Frage: Was bedeutet es? Natürlich braucht es auch einen hervorragenden Tätowierer.
Ich habe nur ein einzelnes, schwarzes Tattoo, das Motiv ist ein Unikum. Die Tätowiererin hat Stunden damit verbracht die Schattierungen herauszuarbeiten. Sie hat die Farbe regelrecht in die Haut gestreichelt. Dieses Tattoo war ein Geschenk von ihr, Motiv und Entstehung haben eine lange, bewegte Geschichte.
Ein hervorragend gearbeitetes Tattoo altert übrigens anstandslos.
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