XXL-Softdrinks : New York darf nicht unterzuckern!

New Yorks Straßen sind von Drogen und Prostitution gesäubert worden. Nun will Michael Bloomberg auch noch den Zucker verbieten. Tuvia Tenenbom findet das grässlich.
Demonstranten halten Protestschilder gegen Bloombergs "Soda-Ban". Archivbild, Juli 2012 © Reuters/Andrew Burton

Sollten Unternehmen wie McDonald's Softdrinks in Übergrößen verkaufen dürfen? Sollte ein Richter entscheiden dürfen, ob so etwas in New York erlaubt ist? Hätten Sie diese Fragen vor dreißig Jahren gestellt, hätte Sie jeder Psychiater der Stadt auf der Stelle in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.

Aber seitdem haben wir uns sehr verändert.

New York City, der Big Apple, der einzige Ort der Welt, über den sich sagen lässt, "if you make it there, you will make it anywhere", ist die Stadt, von der ich Tag und Nacht geträumt habe und in die ich schließlich gezogen bin – vor 32 Jahren.

Ich erinnere mich an das New York von damals: Eine dreckige, laute Stadt, aber eine voller Legenden und Persönlichkeiten – so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Ich erinnere mich an den Dunst und den Rauch, den Lärm und den Müll, das endlose Gezanke und die Witze ohne Ende.

Ich erinnere mich an die frei zugänglichen Drogen. Egal, wo ich hinkam, fragten mich Gestalten: "Rauchen Sie?" "Ob ich rauche?" "Wollen Sie Spaß haben?"

Ich erinnere mich an die Prostituierten und die Zuhälter – und wie sie ihre Waren anpriesen: "Einmal ficken fünf Dollar", ließen sie jeden wissen, der es hören wollte, und: "Jede Nationalität, jede Hautfarbe, jedes Alter. Worauf stehen Sie?"

Ich erinnere mich an die Züge, die nie pünktlich kamen, und wenn doch, wünschte man, man wäre blind – es waren die hässlichsten Züge, die man sich vorstellen konnte. Doch auf wundersame Weise fuhren sie überall hin, wo man hin wollte, und jeder sprach mit einem.

Ich erinnere mich an die Schüsse um Mitternacht. Mein Nachbar probierte immer seine Gewehre nach Mitternacht aus. Nein, er hat niemanden erschossen, er zielte nur auf Blätter – er wollte herausfinden, ob er den Wind überlisten konnte. Und er schenkte mir die süßeste Katze, die ich je hatte.

Tuvia Tenenbom

ist Autor, Essayist und Dramatiker. Er ist Artistic Director des Jewish Theater in New York und Autor des Buches Allein unter Deutschen: Eine Entdeckungsreise. Für ZEIT ONLINE schreibt er seit Dezember 2011 die Fitnesskolumne "Fett wie ein Turnschuh". Im November erscheint sein neues Buch Allein unter Juden: Eine Entdeckungsreise durch Israel.

Und ich erinnere mich an das Gewimmel armer Leute aus der ganzen Welt, die meisten waren illegal dort, genau wie ich damals. Und die Bars, die nie schlossen und in denen die tollste Musik von betrunkenen und genialen armen Schluckern mit großen Träumen gespielt wurde.
Dies war die Zeit, in der sich die verschiedenen Gruppierungen liebten oder hassten, und dennoch leidenschaftlich auf dieselben Prostituierten oder dieselbe Sorte Gras standen.

Das waren noch Zeiten.

Und dann kam Rudolf "Rudy" Giuliani, der Italiener mit dem deutschen Vornamen, ein Überkonservativer, und wurde unser Führer.

Kommentare

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Berlin ist schon auf dem gleichen Weg

und diese Tendenz ist weltweit zu beobachten. 'Schoene Neue Welt' von Aldous Huxley nenne ich das. Faschismus darf man das nicht mehr nennen. Denn das waere 'political not correct'. Wir sind alle schoen nett. Ich weiss nicht, was Jesus dazu gesagt hätte, aber der Papst ist sicher zufrieden ueber diese Entwicklung. Die Frage ist nur, kann der Mensch wirklich ohne all dem Boesen leben wie das Christentum das ja schon vorher gesagt und gewuenscht hat? Oder ist alles nur unterdrückt und sucht sich dann ein anderes Ventil. Das ist wahrscheinlich wirklich eher eine Frage fuer den Psychiater.

Rauchen

"[...] erhöhten er und seine Freunde von der New Yorker Staatsregierung die Steuern auf Zigaretten auf 15 Dollar pro Schachtel."

Stimmt das wirklich? Ich war noch nie in New York. Wieviel Dollar kostet eine Schachtel Zigaretten dort insgesamt? Sieht man dort überhaupt noch Leute rauchen? Kann ich mir bei den Preisen ja kaum noch vorstellen.