Starparfumeur D. Ropion"Die starke Idee im Parfum überdauert"

Seinen Namen kennen wenige, aber Millionen Menschen riechen seine Arbeit täglich: Im Interview erklärt der Starparfumeur Dominique Ropion, was einen guten Duft ausmacht. von 

Der französische Parfumeur Dominique Ropion

Der französische Parfumeur Dominique Ropion  |  © Hajime Watanabe/IFF

ZEIT ONLINE: Monsieur Ropion, Sie haben so viele bekannte Parfums für Lancôme, Armani, Thierry Mugler oder Givenchy entworfen. Und nie steht Ihr Name auf der Flasche. Ist das deprimierend?

Dominique Ropion: Es macht mir nichts aus.

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ZEIT ONLINE: Kratzt das nicht an Ihrem Künstlerstolz?

Ropion: Nein, nicht mehr. Wenn die Leute wissen wollen, wer das Parfum gemacht hat, können sie es im Internet nachlesen.

ZEIT ONLINE: Aber es gibt Parfumeure, die sich vehement dafür einsetzen, dass ihr Handwerk als Kunst anerkannt wird.

Ropion: Ja, bestimmt. Meistens sind das nicht die besten.

ZEIT ONLINE: Wenn man so will, ist Parfum Gebrauchskunst. Jeder trägt sie anders, auf jeder Haut entwickelt sie sich anders. Wie fühlt es sich an, wenn Sie einer Ihrer Kreationen auf der Straße begegnen?

Ropion: Ich freue mich. Die Menschen fügen dem Parfum ihre eigene Persönlichkeit hinzu. Sie lesen darin, was sie lesen wollen.

ZEIT ONLINE: Und wenn Sie es an einem Unsympathen riechen?

Ropion: Ach, egal. Aber ich rieche mein Parfum lieber an jemandem, der mir sympathisch ist. Und die eigene Hautchemie ist kein Problem. Die Sillage in der Luft bleibt gleich. Man muss einem Menschen schon sehr nah kommen, um die chemische Reaktion mit Knoblauch, Gewürzen oder Zigarettenrauch wahrzunehmen. Ich habe noch niemanden getroffen, der ein Parfum komplett zerstört hätte.

Duftnoten – Alles über Parfum

In einem Themenschwerpunkt widmen wir uns der Kunst des Parfums, weil über Duft viel zu wenig geschrieben und gesprochen wird. Die Serie Duftnoten – Alles über Parfum auf ZEIT ONLINE will das Bewusstsein für Parfums schärfen und einen kritischen Diskurs über eine vernachlässigte Kunstform anregen.

Wie entsteht ein olfaktorisches Meisterwerk? Wer sind die Meister hinter den großen Klassikern? Mit welchen Worten kann ich meinen Lieblingsduft beschreiben? Und welche olfaktorischen Schätze gibt es abseits der bekannten Marken zu entdecken?

Der Schwerpunkt

Bisher erschienen:

Essay: Wir sollten besser riechen

Glossar: Von Absolue bis Zibet

Parfum-Portale: Im Netz duftet's

Jean-Claude Ellena: Zu Besuch beim Herrn der Düfte

Parfum-Rohstoffe: Wie kommt die Natur in die Flasche?

Ironiefreie Zone: Parfum, das einzig wahre Accessoire

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Parfum-Erfahrungen: Mein Duft und ich

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Promiparfums: Popstars aus der Flasche

Meister des Orients: Serge Lutens erklärt die wahre Weihnachtsgeschichte

Müssen gute Parfums teuer sein? Dominique Ropion im Interview

In loser Folge ab Mai 2013:

Nischenparfums – Kleine Firmen mit großem Bouquet

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Die Serie Duftnoten - Alles über Parfum gibt es auch als E-Book. Gehen Sie auf Entdeckungsreise in die Welt des Parfums in dieser für Ihren eReader hochwertig aufbereiteten Fassung. Unser E-Book steht Ihnen dabei als EPUB-Version für Ihren eReader, sowie als MOBI-Version für Ihr Kindle Lesegerät von Amazon zur Verfügung.

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ZEIT ONLINE: Wie Sie sind die meisten Parfumeure angestellt bei einem der fünf großen Aromakonzerne. Sie alle arbeiten kreativ, warum nicht freiberuflich unter ihrem eigenen Namen, mit dem Recht an ihren eigenen Ideen?

Ropion: Es geht nicht anders. Man braucht ein Labor mit all den Rohstoffen. Das funktioniert eben leider nicht einfach so in der Küche.

ZEIT ONLINE: Nehmen wir an, ein amerikanischer Kosmetikkonzern möchte ein neues Parfum herausbringen. Riesiges Marketingbudget, ein Filmstar in der Kampagne, weltweiter Erfolg wird erwartet. Wie lautet dann Ihre Handlungsanweisung?

Ropion: Sie meinen diese Briefings? Ich bin so lange im Parfumgeschäft, und es ist immer dasselbe. Der eine sagt: "Ich hätte gern etwas karibische See." Der andere sagt: "Es soll an den Himalaya erinnern." Duft ist etwas sehr Abstraktes. Am wichtigsten ist die Idee für ein gutes Parfum, das passt dann in fast jedes Konzept.

ZEIT ONLINE: So wie Millionen von Fans glauben, der Text eines Popsongs spiegele ihre ganz persönliche Lebenssituation.

Ropion: Ganz genau. Und es gibt ja auch nicht so viele gute Parfums, auch nicht so viele gute Parfumeure.

ZEIT ONLINE: Welche Ihrer Kompositionen sind Ihnen am wichtigsten?

Ropion: Schwierig zu beantworten. Natürlich liebe ich das erste Parfum, das ich gemacht habe: Ysatis, vielleicht nicht das beste, aber eben das erste. Amarige bedeutet mir viel, Kenzo Jungle war etwas Besonderes, Irresistible auch. Alien ist sehr gut wiederzuerkennen.

Leserkommentare
  1. Ein interessantes Interview.
    Es gibt tatsächlich sehr gute Parfüme mit Persönlichkeiten. Allerdings sind solche schon über 20 Jahre alt (Eau Sauvage, Kouros, Pour Monsieur ....)

    Was die ganzen Designer heutzutage herstellen, sind ziemlich "Müll".

    Es stimmt auch, dass viele Nischen unverschämt hohe Preise verlangen, aber eig. nicht ihr Geld wert sind (Subjektiv betrachtet!) wie z.B. C***D, B*** No.9 etc.

    Sehr kostbare Düfte, die ich trotz hoher Preise für fair und geldwert halte, sind MDCI, MFK, Tom Ford Private Blend, Frederic Malle und Guerlain!

  2. Ich lese die Beiträge dieser Serie sehr gerne, finde sie aber meist ein wenig kurz geraten. Gerade bei einem so unbekannten wie tiefgründigen Thema wäre ein wenig mehr Breite und Quantität durchaus positiv. Und jemand wie Dominique Ropion wird sicher nicht jeden Tag interviewt und hätte sicher unglaubliche Geschichten zu erzählen. Könnte ich mir zumindest vorstellen.

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