Byredo Parfums : Schwedisches Design zum Sprühen

Junge, modebewusste Großstädter wollen entsprechend duften. Schlicht, klar, bisweilen forsch. Diesen Wunsch erfüllen der Schwede Ben Gorham und seine Parfummarke Byredo.
Früher Model, Basketballer, Grafiker, jetzt Chef von Byredo Parfums: Ben Gorham © A. Ohlund

Es liegt auf der Hand: Wer sich in zeitgenössisches – derzeit also skandinavisches – Design kleidet, möchte wohl kaum wie ein barocker Blumenstrauß riechen. Geradlinige, mal forsche, auch pastellige Düfte entsprechen eher seinem Geschmack. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis die mittlerweile allgegenwärtige nordeuropäische Mode ihre Entsprechung in Parfum finden würde.

Ben Gorham wusste, dass er mit seinen Düften ein stilbewusstes, junges Publikum ansprechen wollte. Menschen, die Wert auf gutes Design legten – er selbst ist studierter Grafiker und lebt in Stockholm. 2006 gründete er die Parfummarke Byredo. Der Name steht für "by redolence", durch den Duft. Von vornherein bot Gorham seine Düfte nur Boutiquen an, die junges Design und hochwertige Straßenmode verkauften. Die Flakons sind schlicht, erinnern in ihrer schwarz-weißen Linientreue sogar ein bisschen an Chanel. Mit all dem traf Byredo genau den richtigen Nerv.

Mode und Parfum pflegen ihre Liaison seit alten Zeiten. Als die Welt noch nicht bis in die letzte Ritze parfümiert war, eingehüllt in Weichspüler und Deodorant, vor der Machtergreifung von Unilever, Henkel und Procter & Gamble – damals galt ein Duft als Ausdruck persönlichen Stils. Wer gut roch, musste ein kultivierter Mensch sein. Im 19. Jahrhundert ließ man sich ein Eau de Cologne maßanfertigen wie einen Anzug. Die Höflinge im 17. Jahrhundert trugen stets den Dernier Cri am Leib, ob aus Seidenbrokat oder Moschusöl. Und ihre Handschuh-Lieferanten, die Maître Gantiers, waren die ersten, die verstanden hatten, dass gute Mode nicht schlecht riechen darf: Mit Duftessenzen parfümierten sie ihre streng riechenden Lederwaren.

Heute vertreibt jeder Modedesigner seine eigene Parfumlinie, Chanel sei dank. Mit Haute Couture hat das, was wir da riechen, allerdings selten etwas zu tun. Mit gutem, individuellem Stil noch weniger. Doch natürlich gibt es auch eine Gegenbewegung, die den Duft als sublimsten Ausdruck des Raffinements feiert. Wie die Kleidung ist er Spiegel der Persönlichkeit. Und wie skandinavisches Design junge, urbane Menschen an einen modischen Gestaltungswillen heranführen mag, so sind Byredo-Parfums mittlerweile oft ihr erster Kontakt zur Welt der Nischendüfte.

Der Exbasketballer Ben Gorham ist so etwas wie der Impresario der Marke. Die Kreation überlässt er freilich den Experten. Die erfahrene Olivia Giacobetti steckt hinter den Düften und Jérôme Epinette. Sie übersetzen Gorhams Ideen, seine indischen, kanadischen und schwedischen Einflüsse, in Düfte. Orientalisches Ornament umspielt skandinavische Klarheit.

Manche Parfums sind hell wie Blanche, ein rosiger Aldehyd-Duft, der an frisch gewaschene Laken erinnert, auf denen ein Glas Birnensaft verschüttet wurde. Andere sind harzig und warm wie Encens Chembur, dem allerersten Byredo-Parfum, das indischen Weihrauch in einen modernen Kontext setzt. Trotz vieler orientalischer Zutaten wird jeder Anflug von drückender Schwüle sofort vom Nordwind weggetragen.

"Bullion" ist einer der beiden neusten Düfte von Byredo. © Byredo

Die meisten Byredo-Entwürfe sind von Männern und Frauen gleichermaßen tragbar. Nur das bekannteste, das Sunday Cologne – das kurzzeitig in einer Kooperation mit dem gleichnamigen Magazin unter dem Namen Fantastic Man erschien – darf den Herren vorbehalten bleiben: Eine wunderbare Interpretation des klassischen Eau de Cologne mit seiner krautigen Basis und zitrischen Kopfnote. Die Frische wird betont durch Sternanis, Lavendel und Geranium. Zart dosiertes Moos, Vetiver, Patschuli und Weihrauch geben dem Duft die nötige Erdung.

Bisher sind unter der Marke Byredo 19 Parfums erschienen, der Jahresumsatz lag zuletzt bei 30 Millionen US-Dollar. Doch Gorham expandiert bereits: Für den neuen H&M-Ableger &Other Stories hat er die Düfte der Körpercremes entworfen – Schwedens Macher unter sich. Bei aller stilbewusster Modernität weiß Gorham aber auch um die Tradition seines Metiers: Demnächst bringt er eine Kollektion parfümierter Lederwaren heraus.

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