Einsamer Protest: Eine Femen-Aktivistin hält dem Barbie-Haus am Mittwoch ein brennendes Kreuz entgegen. © Sean Gallup/Getty Images

Cupcakes sind bekanntlich eine feine Sache. Weil Buttercreme herrlich schmeckt und die bunt-verzierten Teilchen appetitlich aussehen. Und mit ihrem quietschpinken Dach passen sie exzellent in Barbies Küche. Bloß schmecken die Cupcakes hier nach: nichts. Der pinke Ofen bleibt kalt, Barbies junge Gäste können nur virtuell backen. Vorausgesetzt, sie haben ein Radio-Frequency-Identification-Armband am Handgelenk (kostet 5 Euro extra), beherrschen Drag and Drop und können aushalten, dass sich der Computerofen regelmäßig aufhängt.  

Auch sonst ist Barbies Küche wunderlich. Das Obst liegt hinter Glas, genauso wie der Toaster. Die Teller sind aufgemalt, der pink-weiß-karierte Boden schlecht verlegt und am Kühlschrank – der sich nicht öffnen lässt – klebt ein einzelne To-Do-Note: "Need to buy the latest pink nailpolish". Ach Barbie, Deine Sorgen möcht' ich haben!  

Im Wohnzimmer nebenan das gleiche Bild: Barbies Süßigkeiten (machen eh fett), die Bibliothek (wer liest schon Bücher, wenn es Bildschirme gibt?), alles unter Glasverschluss. Daneben ein pinkfarbenes Klavier – lässt sich aber nicht benutzen, die Tasten sind aufgemalt. Kreativität? Wohnt hier nicht.

Weiter geht der Rundgang durch Barbies Berliner Dreamhouse. Das "Zu den Toiletten"-Schild bewachen zwei pinkfarbene Pudelzombies, die keine Augen haben, aber eine Krone auf dem Kopf. In Barbies eigenem Klo wohnt ein Delfin. Das Plastiktierchen streckt auf Knopfdruck die Nase über die Kloschlüssel. Danach ertönt die Spülung. Auf dem Boden: Sand, Glitzer, ein paar hingeworfene Muscheln. Noch deprimierender ist Barbies Terrasse mit virtuellem Meerblick. Grauer Plastikfußboden, in einer Ecke steht verloren ein Sonnenschirm. Es gibt auch Handtücher – hinter Glas. 

Die Spiegel machen dünner statt dicker!

Nun aber aufgepasst, ein Besuch bei Madame Plastique ist doch nicht sinnlos, hier lässt sich durchaus etwas lernen: Barbie benutzt Sonnenmilch mit SPF 100! Die Flaschen stehen akkurat aufgereiht – ja genau, hinter Glas.   

"Ein Glitzertor!", ruft eines der kleines Mädchen (5 Jahre, gepunkteter Hut, Birkenstock-Sandalen) beim Sprung durch einen überdimensionierten Diamantring. Endlich mal eine Gefühlsregung! Zuvor saß das Kind unter einer Trockenhaube (Warum hat Barbie kein Glätteisen?) und betrachtete ratlos Lockenwickler hinter Glas. Genauso ratlos macht Barbies Kingsize-Bett, ein Traum aus Hartplaste mit aufgemalten Kissen.

Barbies begehbarer Kleiderschrank ist dagegen fast schon ein Kracher: Die Spiegel machen dünner statt dicker! Sonst ist alles wie auf der Kirmes. In den Regalen türmen sich die Pailletten-Tops, 12- Zentimeter-Absätze, Federboas, Gürtel und diverse Handtaschen. Ganz hinten links hängt Barbies Polizistinnen-Outfit. Und sie hat sogar ein Paar praktische Gummistiefel. Wohl für die Feministinnen unter den Müttern.

So geht es weiter von Raum zu Raum durch diese lieblos zusammengezimmerte Container-Landschaft, die nur drei Monate halten muss. Dann zieht der Barbie-Zirkus weiter und wird gewiss keinen bleibenden Schaden hinterlassen. Viel zu langweilig ist die Hütte, viel zu öde und verramscht, um irgendjemanden zu beeindrucken, ein Rollenbild zu prägen gar. Pink? Keine Panik! 

Was kleine Mädchen allerdings wirklich immer lieben: Schminktische und Prinzessinnenkostüme. Aber die gibt's auch im Waldorfkindergarten.