Parfums LubinDas Duftkontor für aufregende Herren

Elegante Düfte findet man vor allem abseits der großen Parfumerien. Zum Beispiel bei der französischen Traditionsmarke Lubin. Sie belieferte schon die Bonapartes. von 

Die Lubin-Boutique in der Pariser Rue des Canettes

Die Lubin-Boutique in der Pariser Rue des Canettes  |  © Lubin/Tocado PR

Auf der geschäftigen Pariser Rue du Rivoli werden täglich Tausende von Kassenschlagerdüften unter die Leute gebracht, in lackweißen Parfumeriefilialen, beschallt von stampfender Radiomusik. In einer Seitengasse, der Rue du Roule, laufen die Uhren noch etwas langsamer. Durch eine schmale Haustür, ausgetretene Stiegen hinauf, die unter jedem Schritt ihr Alter ächzen, hinein in eine Wohnung, wo der Geist des Art Déco an brombeerfarbenen Wänden und schwarzen Lackmöbeln vorbeihuscht. Überall Bücher, Bilder, Artefakte, kunsthistorischer Krimskrams und viele viele Glasflakons. Dies ist, man muss es wohl so nennen, das Headquarter-Büro von Lubin, einer der ältesten noch bestehenden Parfummarken Frankreichs.

Gegründet hat sie Pierre-François Lubin im revolutionären Jahr 1798. Durch gute Verbindungen zum Adel und Kenntnis der Rezepturen von Marie Antoinettes Rosenwasser blieb er auch nach dem politischen Umbruch im Geschäft. Er beduftete die Bourbonen und Bonapartes ebenso wie Englands George IV. und Russlands Alexander I. Und dann rückte die Neue Welt ins Bewusstsein der Europäer. Dort gab es zwar keine Höflinge, aber französische Aristokraten und Gutsherren, die die Kultur ihrer Heimat vermissten. So gründete Lubin schon 1830 Dependancen in New York, St. Louis und New Orleans und seine Erben erarbeiteten in den folgenden Jahrzehnten ein Luxus-Renommee.

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Die Parfums von Lubin erzählten von Seefahrern und Archäologen, den Schatzsuchern des Kolonialismus und ihren Funden. Harze, Öle, Wurzeln, Blüten aus fernen Ländern. In den 1930er Jahren entwickelten sich die Hollywood-Stars zu den Kolonialherren eines amerikanischen Lebensstils. Die Firma Lubin reagierte 1937 mit dem eleganten, seifenreinen Damenduft Nuit de Longchamp, der sich unter den wohlhabenden Amerikanerinnen bestens verkaufte. Das spritzige Gin Fizz, 1955 sicherlich nicht ohne ökonomische Hintergedanken Grace Kelly gewidmet, wurde ein Riesenerfolg. In den folgenden Jahrzehnten aber wurde es still um Lubin. Allzu oft wechselten die Besitzer. Man verwaltete das historische Erbe, aber gab sich keine Mühe, es zu modernisieren.

Duftnoten – Alles über Parfum

In einem Themenschwerpunkt widmen wir uns der Kunst des Parfums, weil über Duft viel zu wenig geschrieben und gesprochen wird. Die Serie Duftnoten – Alles über Parfum auf ZEIT ONLINE will das Bewusstsein für Parfums schärfen und einen kritischen Diskurs über eine vernachlässigte Kunstform anregen.

Wie entsteht ein olfaktorisches Meisterwerk? Wer sind die Meister hinter den großen Klassikern? Mit welchen Worten kann ich meinen Lieblingsduft beschreiben? Und welche olfaktorischen Schätze gibt es abseits der bekannten Marken zu entdecken?

Der Schwerpunkt

Bisher erschienen:

Essay: Wir sollten besser riechen

Glossar: Von Absolue bis Zibet

Parfum-Portale: Im Netz duftet's

Jean-Claude Ellena: Zu Besuch beim Herrn der Düfte

Parfum-Rohstoffe: Wie kommt die Natur in die Flasche?

Ironiefreie Zone: Parfum, das einzig wahre Accessoire

Die Top Ten: Duftempfehlungen von Luca Turin

Im Labor bei Chanel: Der Parfumeur Christopher Sheldrake

Parfum-Erfahrungen: Mein Duft und ich

Weltmarkt Parfum: Welche Düfte verkaufen sich wo am besten?

Der junge Wilde: Der Pariser Parfumeur Francis Kurkdjian

Promiparfums: Popstars aus der Flasche

Meister des Orients: Serge Lutens erklärt die wahre Weihnachtsgeschichte

Müssen gute Parfums teuer sein? Dominique Ropion im Interview

In loser Folge ab Mai 2013:

Nischenparfums – Kleine Firmen mit großem Bouquet

ALS E-BOOK

Die Serie Duftnoten - Alles über Parfum gibt es auch als E-Book. Gehen Sie auf Entdeckungsreise in die Welt des Parfums in dieser für Ihren eReader hochwertig aufbereiteten Fassung. Unser E-Book steht Ihnen dabei als EPUB-Version für Ihren eReader, sowie als MOBI-Version für Ihr Kindle Lesegerät von Amazon zur Verfügung.

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Seit 2004 brennt wieder Feuer im Hause Lubin. Gilles Thévenin, der als Marketingleiter für Rochas und Kreativdirektor für Guerlain gearbeitet hat, führt die Marke nun als energischer Impresario. In Zusammenarbeit mit eigenständigen Parfumeuren hat er die Klassiker behutsam reformulieren und sie den heutigen Gesundheitsauflagen anpassen lassen.

Auch die neuen Flakons atmen den Geist des Art Déco.

Auch die neuen Flakons atmen den Geist des Art Déco.  |  © Lubin

Das Originalrezept von Le Vetiver beispielsweise stammt aus dem 19. Jahrhundert. Nach der Überarbeitung ist es nun eines der aufregendsten Herrenparfums auf Basis dieses süßen Tropengrases: saftig-frisch, kühl und zugleich dunkel, rauchig und erdig. In wenigen Düften zeigt sich das Aroma der Vetiverwurzel so spannungsreich und ursprünglich. Oder Idole, das Olivia Giacobetti 2005 für Thévenin modernisierte: ein Unisexduft von 1962, mit starkem, aber flüchtigem Rumaroma, der sich in Leder und Sandelholz kleidet, harzig, wüstenwarm und sinnlich.

Die Parfumeure Delphine Thierry und Thomas Fontaine haben gerade drei neue Düfte für Lubin entwickelt – Galaad, Akkad und Korrigan. Mit Oud und Safran, Weihrauch und Vanille, ganz in der Tradition kolonialer Abenteuergeschichten. In den Marionneauds, Sephoras und Douglassen auf den großen Einkaufsstraßen wird man sie nicht finden. Aber in den schmalen Gassen und feinen Kontoren, wo sie hingehören.

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    • Serie Duftnoten – Alles über Parfum
    • Quelle ZEIT ONLINE
    • Schlagworte Duft | Grace Kelly | New York | St. Louis
    • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

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