Obamas HotelIm Todesstreifen des amerikanischen Art déco

Im Ritz Carlton findet Obama nicht nur Crushed Ice auf allen Fluren, sondern auch einen goldverzierten Fitness-Keller. Oliver Fritsch hat den Präsidenten-Check gemacht. von 

Beim Kissen-Menü berät die Concierge: Bett im Ritz Carlton

Beim Kissen-Menü berät die Concierge: Bett im Ritz Carlton  |  © Ritz Carlton

Den Geschmack eines Weltführers erkennt man an der Wahl des Hotels. Während seines letzten Berlin-Trips 2008 übernachtete Barack Obama im Adlon, einem traditionellen Haus, das zur Geschichte Berlins gehört wie der Reichstag und das Brandenburger Tor. Diesmal bleibt er im Ritz Carlton. Die amerikanische Variante.

Das Berliner Ritz steht am Potsdamer Platz. Früher ein Brachland in Mauernähe, reckt sich dort heute das Deutschland Hartmut Mehdorns den Wolken entgegen. Es ist ein New York in Miniaturformat, die Passanten blicken andächtig nach oben.

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In der Lobby des Ritz Carlton muss man erst mal schlucken. Das Nobelhotel will im amerikanischen Art déco die Golden Twenties wieder aufleben lassen. Säulen stehen auf Marmorsockeln Spalier. Die Wände zieren Steinfliesen mit floralem Dekor, handbemalte Paneele und hohle Intarsien. Von der Decke senken sich Kronleuchter hinab. Die Steintreppe hinauf zur Balcony wird gerahmt von zwei goldenen Handläufen. Auf halber Höhe thront ein Flügel. Es ist alles so schön und so neu und gleichzeitig so schrecklich aufdringlich auf alt gemacht.

Im verspiegelten Aufzug gelangt man in den 11. Stock in die Präsidentensuite – die man natürlich nicht betreten darf. Für das Präsidentenpaar steht dort ein Kingsize-Bett der amerikanischen Firma Sealy bereit, die Tagesdecke ist gülden, beim Kissen-Menü aus Kirsch-, Duft- und Rosshaar berät die Concierge. Auf einer samtenen Chaiselongue kann sich der Präsident am Abend vor seiner Rede von den Anstrengungen des G-8-Gipfels erholen.

Washingtoner Durchwahl auf der Toilette

Das Ritz macht Obama den Auslandsbesuch zum Heimspiel. Das Telefon auf der Toilette kann auf Washingtoner Ortsnetz umgeschaltet werden. Crushed Ice gibt es in jedem Stockwerk auf dem Gang. Im Internet surft man mit Höchstgeschwindigkeit und nach europäischem Datenschutzrecht.

Beim Frühstück kann der Präsident wählen zwischen Buffet und In-Room-Breakfasting. Der Bayonner Schinken schmeckt angenehm nussig und ergibt mit den halbierten Passionsfrüchten und dem Sahnemeerrettich einen hervorragenden Dreiklang. Das Personal sägt ihn mit einem massiven Schneidegerät des Charlottenburger Familienbetriebs Musahl unter Einsatz des ganzen Körpergewichts in Scheiben. In dünne Scheiben, das ist wichtig, damit er dem Redner nicht zwischen den Zähnen stecken bleibt. Von deutschem Backwerk sollte der Präsident lieber die Finger lassen. Sein Vorgänger George W. Bush erstickte beinahe beim Verzehr einer pretzel.

Weitere Frühstückshöhepunkte sind der neun Wochen gereifte Morbier mit Asche, das selbst gemachte Bircher Müsli und die Brandenburger Landeier, die keine Minute zu spät aus dem Berliner Kalkwasser genommen werden. Eine leichte Disharmonie entsteht zwischen den Eggs Benedict, einer amerikanischen Frühstückskomposition aus pochierten Eiern, Muffins und Kochschinken, und der deutschen Markenbutter. Hoffentlich kein politisches Omen. Immerhin, Eggs Benedict gibt es auf Wunsch in den Varianten Country (Biscuits), Hussarde (Zwieback) oder Hemingway (Räucherlachs).

Leserkommentare
  1. Ab und an zum Auflockern ganz OK, auch wenn es nicht so richtig zum Selbstverständnis der ZEIT passen will.

    5 Leserempfehlungen
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    wissen SIe das nicht?..
    Obwohl er faktisch eher wenig geleistet hat, ist er der Star aller deutschen Akademiker , die aufgrund des Stallgreuches ja die Zeit lesen..
    [...] Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/kvk

  2. Muss das sein, die Leser damit zu langweilen (von Information kann man ja nicht sprechen) welchen Kitsch Obama sich auf Reisen antun muss. Das hat doch mit dem Mann nichts zu tun.

    Hofberichterstattung vom allerletzten. "Und das ist die Toilettenschüssel von Karl Gustav Ludwig II.." "Oooh."

    5 Leserempfehlungen
    • cmim
    • 18. Juni 2013 17:44 Uhr

    Fitnesskeller-Detail und Bonsai-Pool sind ja nicht so sehr aussagekräftige Fotografien.

    via ZEIT ONLINE plus App

  3. an einem heißen Tag. Fotos mit Menschen daruf wären noch cooler.

    Eine Leserempfehlung
  4. Der Berliner "Tagesspiegel" hat einen ähnlichen sinnfreien Jubel- und Kitsch- Artikel und auch dort wundern sich die Leser über den Quatsch.

    2 Leserempfehlungen
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    Kein konstruktiver Beitrag. Die Redaktion/kvk

  5. »Chrysler des Wellness« – das ist jetzt aber nicht als Auszeichnung gedacht, oder irre ich mich?

  6. wissen SIe das nicht?..
    Obwohl er faktisch eher wenig geleistet hat, ist er der Star aller deutschen Akademiker , die aufgrund des Stallgreuches ja die Zeit lesen..
    [...] Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/kvk

  7. 8. [...]

    Kein konstruktiver Beitrag. Die Redaktion/kvk

    Antwort auf "... nicht nur hier ..."

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  • Schlagworte Barack Obama | Hotel | Angela Merkel | Chrysler | John McCain | Berlin
  • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

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