Keiner unserer Sinne ist so direkt mit dem Erinnerungszentrum verbunden wie der olfaktorische. Bratenduft im Hausflur versetzt uns gleich an Omas Tafel, mit dem neuen Apfelshampoo sind wir auf einmal wieder acht Jahre alt, nasse Hunde riechen nach unangenehmen Spazierrunden im Regen. Wir speichern stets die allererste Erfahrung mit einem Duft in unserem Gedächtnis, verknüpft mit einem Gefühl. Das macht sich auch die Aromatherapie zunutze, die beispielsweise Leistungssportler mit dem Duft ihres eigenen Erfolgs motivieren kann.

Ein Parfum als komplexe, menschengemachte Komposition verschiedener Aromen spielt also nicht nur mit unserem Geruchsempfinden, sondern auch mit unserer Psyche. Es überwindet Zeit und Raum, kann ein Poesiealbum sein oder ein duftender Gruß aus der Ferne.

Am Pariser Boulevard Saint Germain eröffneten 1961 drei kreative Freunde eine Boutique für ihre selbstentworfenen Tapeten und Musterstoffe. Diptyque nannten sie ihren Laden, ein kleiner Basar für geschmackvolle Raumausstattung. Bald verkauften sie hier exotisches Kunsthandwerk, Mitbringsel von ihren zahlreichen Reisen im Mittelmeerraum und im Orient.

Zwei Jahre nach der Eröffnung machte sich Diptyque als einer der ersten Hersteller feiner Duftkerzen einen Namen, die praktischeren Räucherstäbchen. Und wenn schon das Heim gut riecht, sollte es sein Bewohner auch tun: So entwarf Desmond Knox-Leet, der Maler unter den drei Freunden, 1968 ein würziges Eau de Toilette, in dem sich Freiheitsdrang und Selbstbewusstsein seiner Generation wiederfanden – unisex, unkonventionell und weltgewandt.

Mittlerweile ist aus dem einen L'Eau mit Unterstützung professioneller Parfumeure wie Serge Kalouguine, Fabrice Pellegrin oder Olivier Pescheux eine umfangreiche Linie gewachsen. In ihr spiegeln sich Reisefreuden und Fernweh. Berühmt wurde Olivia Giacobettis Philosykos von 1996: Es war das erste Parfum, das aus Grasnoten und Kokos einen griechischen Feigenbaum heraufbeschwor. In seinem Schatten ließen sich viele nieder, die wenige Jahre zuvor Jean-Claude Ellenas revolutionären Entwurf eines Grünen Tees für Bulgari gekostet hatten.

Die Düfte von Diptyque sind olfaktorische Illusionen fremder Biotope und ihrer Kulturpraktiken. Aus den exotischen Blumen, Hölzern, Harzen und Gewürzen entstehen duftende Ansichtskarten. Do Son beispielsweise will an eine Meeresbrise in Vietnam erinnern, mit schwerer Tuberose, die auf Orangenblättern dahinweht. L'Eau des Hespérides riecht wie ein tiefer Atemzug in einem subtropischen Garten oder ein Schluck Mojito – krautiges Grün, strahlende Zitrusfrüchte, kühle Minze und zarte Blüten. Vanille und Weihrauch in L'Eau Duelle öffnen das Tor zum Orient. Und im neuen Eau Mohéli entfaltet Ylang-Ylang von den Komoren seine gelbblättrige Süße.

Was sich als wohlriechende Postkarte lesen lässt, kann aber je nach Belieben umkodiert werden, man nehme den Duft einfach mit in den nächsten Urlaub. Aromatherapie für Einsteiger: Wer das Parfum zur schönsten Zeit des Jahres an sich entdeckt, hat auch zu Hause 365 Tage lang große Ferien.