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Nova liegt zwischen Brigitte und Emma am Kiosk. Ein feministisches Heft will das neue Magazin nicht sein. Aber auch keines, das mit Schönheitstipps und Klatsch aufwartet. "Wir wollen Frauen nicht optimieren, sondern inspirieren", sagt Marietta Duscher-Miehlich, eine der beiden Herausgeberinnen. "Ein Frauenmagazin mit Eigensinn" lautet der Claim, den sie und die Unternehmensberaterin Birte Püttjer sich ausgedacht haben. Erreichen wollen sie gebildete und konsumstarke Leserinnen über 35 Jahre.

Auf dem matten Papier der Titelseite prangt der rote Schopf einer Frau, ihr Gesicht ist hinter einem straffen Vorhang von Haar versteckt. Für ihre Zielgruppe haben die Macherinnen geschickt die Ästhetik etablierter Magazine wie Weekender, Cicero oder brand eins auf das Genre des Frauenmagazins übertragen. Das Heft wirkt daher optisch wie ein Accessoire, ein Magazin, das man im Lieblingscafé liest oder auf der Bahnfahrt.

Leitthema der ersten Ausgabe ist Multioptionalität, die alltägliche "Qual der Wahl" und die Schwierigkeit, sich zwischen scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten zu entscheiden. Das Heft empfiehlt: die Konzentration auf das Wesentliche.

Nicht nur auf den ersten Blick ein Widerspruch zum Rest des Heftes, das dem Leser so viele Optionen aufbürdet, das er manchmal nicht weiß, wo er beginnen soll: Mal geht es um aktuelles Design aus Holz, mal um die  schon vielfach beschriebene spirituelle Verwirklichung einer Frau, die auf Yogalehrerin umgesattelt hat.

Nova mangelt es an inhaltlicher Konzentration

Im weitesten Sinne geht es in Nova um Frauenthemen und Impressionen aus Kunst, Literatur, Gesellschaft, Leben und Lebensstil. So ergründet das Heft etwa die Grenzen einer digitalen Liebe anhand eines Auszugs aus Joachim Bessings Roman Untitled oder fragt nach dem Sinn der Übertragung des wirtschaftlichen Prinzips des Gebens und Nehmens auf Paarbeziehungen.

Nova erscheint im Eigenverlag, Duscher-Miehlich und Püttjer haben es aus ihrem Ersparten finanziert. Die insgesamt 30 Autoren, Grafiker und Fotografen, die an der Erstausgabe mitgewirkt haben, arbeiten bisher ohne Entgelt.

Die konsumstarke Zielgruppe könnte Nova über die Startphase heben – es muss sie nur langfristig reizen. Bekanntlich konkurriert in einer multioptionalen Gesellschaft alles mit allem um Aufmerksamkeit: Und auch Nova wird Ausgabe für Ausgabe neben dem Missy Magazine (Feminismus) oder der Vogue (Mode) am Kiosk liegen. Beide Hefte sind entschlossenere, konzentrierte Formate, und am Ende könnte den Leserinnen von Nova genau diese inhaltliche Konzentration fehlen.