Es ist ein Junge. Seinen Namen verrät die Tafel vor dem Buckingham Palace nicht. © Neil Hall/Reuters

Wir freuen uns über die Geburt der kleinen Samantha Ananas. Steht da, so oder so ähnlich unter dem Bild eines schwer behangenen Storchs im Neuwüllmer Tageblatt, dort oder anderswo. Es ist bedauernswert, aber die Zeitungsannonce zur Begrüßung eines neuen Gemeindemitglieds wird es bald nicht mehr geben. Künftighin wird man eine güldene Tafel vors Haus stellen, die lediglich den Namen der Mutter und die Uhrzeit der Niederkunft  in alle Welt, ja, flüstert. So nämlich taten es der Herzog und die Herzogin von Cambridge, auf neuwüllmerisch auch William und Kate genannt: Um 16.24 Uhr Ortszeit war es soweit, Mutter und Sohn sind wohlauf.

Der neue Thronfolger Großbritanniens ist wieder ein Junge, sein Vater und Großvater waren das ja auch schon. Aber bevor man ihn hastig Maikel Moon River Phoenix nennt, überlegt man bei Hofe lieber gründlich. Schließlich soll sein Name Tradition und Zukunft des Hauses sichern. Das dauert. Vielleicht Tage, vielleicht Wochen.

Wie ein französischer Genealoge erahnenforschte, führt die blaue Blutlinie des 3.800 Gramm schweren Menschenbündels zurück über François Mitterand und Goethes Englischlehrer zu Graf Dracula und auf verschlungenen Wegen sogar bis zum Propheten Mohammed. Beim rotblütigen, gemeinen Volk reicht die familiäre Erinnerung meist nicht weiter als bis zu Oma Jennys Käsekuchen. Der war schon immer gut, der beste im Dorf. Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen versammeln sich um den Wohnzimmertisch und köpfen ein Rotkäppchen auf Shooter Manhattan oder Apple Pie Marie. So 'ne Geburt lässt man sich schon was kosten.

Die Briten werden rund 243 Millionen Pfund für ihre Schnullerparties, für königlichen Babysekt, fotobedruckte Nachttöpfchen und andere Fanartikel ausgeben. Das sind 281 Millionen Euro, also eine halbe Milliarde Mark. Dafür könnte man alle Poco Domänen im Landkreis leerkaufen. Aber wohin dann mit den 300 Buchenfurnierschrankwänden, alugefassten Glastischen und cremefarbenen Ledersofas?

Familie von Cambridge hat Platz in 21 Zimmern auf vier Stockwerken. Kensington Palace, Apartment 1 A. Empfangszimmer, Schlafzimmer, Ankleidezimmer, Badezimmer, Bedienstetenzimmer, Kinderzimmer, Spielzimmer, Hobbyzimmer, Frisierzimmer, Lesezimmer, Tanzzimmer, Cembalozimmer, Schuhputzzimmer – alle in mehrfacher Ausführung, versteht sich. Vor vielen Jahren hat hier Großtante Margaret gewohnt, da muss natürlich erst mal entrümpelt werden. Spinnweben raus, Drehsteckdosen rein. Für 1,17 Millionen Euro wird aus dem muffigen Palast ein Kindersicherheitsschloss. Aber die Inneneinrichtung bezahlt die junge Familie selbst.

Kate und William sind doch ein modernes Paar. Fachmagazine wie Frau im Koma schreiben, dass Familie von Cambridge den Thronfolger sogar selbst erziehen will. Eine Super Nanny brauchen auch bloß die Schibowskis aus dem zweiten Stock.

Die jungen Royals hingegen mag jeder. Aber warum werden die bloß immer für ihren guten Geschmack gelobt? Kaufen sich einen Buggy wie die Spätgebärenden vom Prenzlauer Berg und decken sich mit ökologischem Körnerkram ein. Dann lieber Oma Jennys Käsekuchen, war immer gut und hat noch niemanden umgebracht. Und überhaupt: Kwien Elisibiss kann bestimmt nicht backen.