Einmal die Woche kein Fleisch in öffentlichen Kantinen in Deutschland – das wünschen sich schon seit 2010 die Grünen in ihrem Wahlprogramm. Am 5. August 2013, einige Jahre später, löste ein Bericht in der Bild-Zeitung darüber einen Sturm der Entrüstung aus. In der Community von ZEIT ONLINE war unsere Meldung dazu der meistkommentierte Text. Das galt auch für alle nachfolgenden Beiträge zum Thema Fleischkonsum.

Eine Vielzahl der Kommentare sprach sich gegen den von den Grünen vorgeschlagenen Veggie Day aus. Zwar waren sich die meisten einig, dass gegen die von der Massentierhaltung ausgehende extreme Umweltbelastung etwas getan werden müsse. Staatliche Bevormundung dürfe aber nicht das Ziel sein.

Ganz im Gegenteil: Die Menschen müssten von sich aus öfter auf Fleischgenuss verzichten, fanden einige User. Dazu wurden pädagogische Ansätze in den Schulen genauso erwogen wie ein stärkerer Tierschutz, der zu höheren Fleischpreisen führt.

Was wirklich die Gemüter erhitzte, war also nicht der Vorschlag für einen reduzierten Fleischkonsum selbst, sondern der Umstand, dass er von einer politischen Partei kam. Viele User wähnten dahinter eine geplante Bevormundung und sahen ihre Entscheidungsfreiheit bedroht.

Hauptgrund für die Empörung war eine irreführende Schlagzeile der Bild-Zeitung: "Die Grünen wollen uns das Fleisch verbieten." Dass dies Unsinn ist, erklärte vorgestern unsere Autorin Lisa Caspari. Und auch nicht wenige User erkannten, dass die Debatte am eigentlichen Thema vorbeiging.

Wie wollen wir leben?

Die Idee zum vegetarischen Wochentag kommt ursprünglich von Sid Lerner aus den Vereinigten Staaten. Bereits seit zehn Jahren wird sie von unabhängigen Initiativen weltweit gefördert. In den USA gibt es den freiwilligen Meatless Monday seit 2003, genau wie die Meatfree Mondays in England. In Belgien bekannte sich 2009 mit Gent gleich eine ganze Stadt zum Donderdag Veggiedag. In Deutschland gibt es seit 2010 Donnerstag ist Veggietag, ein Projekt des Vegetarierbund Deutschland e.V. Sein Ziel: Verbraucher davon überzeugen, an einem Tag in der Woche auf Fleisch zu verzichten.

Gesund leben - Kurz erklärt: Was bedeutet vegetarisch und vegan leben?

Als erste deutsche Stadt folgte 2010 Bremen dem Genter Beispiel. Seitdem sind 30 weitere Städte zu Teilnehmern des Programms geworden. Dazu gesellen sich Unternehmen, Uni-Mensen und Kliniken. Donnerstag ist Veggietag führt darüber Buch, wie Unternehmen und staatliche Stellen auf eine Anfrage zur Teilnahme reagieren und veröffentlicht die Ergebnisse auf der projekteigenen Website. Auch eine Umfrage unter Bundestagsabgeordneten kann hier eingesehen werden: Das Verhältnis von Befürwortern und Gegnern beträgt 2:1.