Guerilla-Dinner Gourmets im GeheimenSeite 2/2
Ganz wie in einem eleganten Restaurant kommt der Koch am Ende des Abends aus der Küche und guckt verlegen und stolz, wenn man ihm sagt, wie gut sein Essen geschmeckt hat. Reich wird er davon nicht, sagt Kevin, obwohl er, der von Gelegenheitsjobs lebt, eigentlich schon ein bisschen Geld mit seinem "Supper Club" verdienen wollte. "Wir kommen meistens gerade so bei Null raus", sagt er. "Aber ich koche einfach gern für andere."
Ortswechsel. Patricia serviert Gerichte aus dem Nahen Osten. Ihre zierlichen Arme sind voller Tattoos, die ein bisschen so aussehen, als hätte ein Kind sie mit Filzstiften gemalt. In dem Kreuzberger Studio im obersten Stock haben sich fast 40 Gäste an einer langen Tafel versammelt.
Als Aperitif gibt es Raki Fizz, einen Drink aus Ouzo, Zitrone und Soda. Als alle sitzen, reicht Patricia Meze, arabische Vorspeisen: Linsenköfte, Auberginenpüree, Babykarotten in Orange mariniert. Das Ganze würzt man mit den Kräutern, die auf Tellern in der Mitte des Tischs angerichtet sind. Als Zwischengang gibt es eine Bastilla: Pfifferlinge, leicht mit Zimt gewürzt, umhüllt von einem dünnen Filoteig, dem Blätterteig der arabischen Küche.
Patricia ist Künstlerin und arbeitet in der Panoramabar im Berliner Club "Berghain". Einmal im Monat veranstaltet sie ihr Guerilla-Dinner, die "Mindestspende" der Gäste in Höhe von 18 Euro geht an das Atelier, das sie selbst als "halböffentlichen" Ort bezeichnet. Eine Ausbildung als Köchin hat Patricia nicht, aber Essen und Kochen haben sie immer fasziniert. Anfang des Jahres reiste sie drei Wochen nach Äthiopien, nur weil sie einen Artikel in der New York Times über die Märkte in Addis Abeba gelesen hatte.
Die Zutaten entwickeln ihr Aroma nicht so präzise, wie es vielleicht in professionellen Restaurantküchen der Fall wäre, wo zahlreiche Personen an einem Gericht arbeiten. Aber ihr Menü hat den Charme des Improvisierten.
Irgendwann, auf dem Tisch stehen die leeren Kaffeetassen, eine Flasche Wodka wird herumgereicht, nimmt ein junger Franzose mit zartem Gesicht seine Gitarre und singt ein Liebeslied. Er ist eigentlich kein Sänger, er singt nur für Freunde, sagt er. Seine Stimme ist dünn und heiser, manchmal ein bisschen schief, aber es klingt trotzdem schön.
- Datum 24.09.2009 - 17:42 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 3
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:










Das das nicht nur eine berliner Sache bleibt ;)
...handeln! ;)
http://privatdinner.blogs...
http://privatdinner.blogs...
http://privatdinner.blogs...
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren