Pilze Shiitake-Pilze, schnitzelgroß!
Was tun, wenn man keine Lust auf mühseliges Pilzesuchen im Wald hat? Man züchtet sie einfach zu Hause! Ein Selbstversuch von Robert Lücke

Wachsen auf Holz: die leuchtend gelben Zitronenpilze. Zumindest in der Beschreibung des Anbieters
Jedes Jahr suche ich Pilze, wo es auch alle anderen tun: im Wald. Aber ich finde nur tödlich Giftiges, braune Matschklumpen oder die traurigen Überreste, die Pilzsammler vor mir haben stehen lassen. Es ist frustrierend. Umso verführerischer klang die Werbung einer Firma im Internet: "Pilze selber züchten". Schluss mit der mühsamen Suche im Nieselregen zwischen kratzigen Brombeerranken und nassem Farnkraut? Warum nicht?
Ich beschließe, ab sofort selbst zu züchten. Das klingt nach einer idealen Mischung aus Bequemlichkeit, Abenteuer und kindlichem Experimentierdrang. Die "Pilzfertigkulturen für Haus und Garten" kosten je nach Sorte 20 oder 30 Euro, ich bestelle gleich fünf Sorten.
Am ersten Tag schleppt der schlecht gelaunte Postmann ein riesiges Paket die Treppenstufen hoch. Darin liegt unter anderem ein viereckiger Plastiksack, gefüllt mit einem weißen Block aus Sägespänen, der mit einer seltsamen Substanz überzogen ist. In einer zweiten Tüte schwimmt ein schwarzer, glitschiger Klumpen, der aussieht wie ein vor Monaten aufgetautes, verfaultes Stück Fleisch, auf einem Aufkleber steht "Pioppino". In einem dritten Beutel steckt braungelbe Masse, ein vierter ist gefüllt mit einem Klotz voller weißer Schimmelflecken, betitelt mit "Shiitake-Kultur". Dazu kommen noch zwei gelbliche Blöcke, und ein Karton mit einem Säckchen heller Erde. Alles riecht muffig und ein bisschen nach Wald. Daraus sollen also Kräuterseitlinge, Pioppinos, eine Stockschwämmchen-ähnliche braune Pilzsorte, Steinchampignons und Limonenpilze wachsen. Na denn.
Die Anleitungen sind so ausführlich und kompliziert geschrieben, dass ich mich frage, ob ich nicht doch lieber wieder im Wald mein Glück versuchen soll. Einige Sorten hätte ich lieber erst gar nicht bestellt, denn sie vertragen laut Angabe nur Temperaturen zwischen 12 und 18 Grad, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wo soll ich die anbauen? In einem computergesteuerten Treibhaus?
Ich entscheide mich, auf Kräuterseitlinge zu verzichten und stelle den Rest hinter die Buchenhecke im Garten. Die Champignons stecken in einem Karton, über den man Spezialerde kippen soll. Als ich lese, dass man die Pilzkulturen jeden Tag bewässern soll, falls es nicht regnet, bin ich genervt. Soll ich das etwa auch immer vom Schatten in die Sonne und wieder zurück stellen? Und weil mich das Ganze jetzt schon ärgert, mache ich mit den anderen Klumpen und Blöcken einfach gar nichts mehr. Außer abzuwarten.
Nach einer Woche tut sich was: Im Pioppino-Block sprießen sieben Pilze in grotesken Ausformungen nach oben, der Shiitake-Klotz zeigt inzwischen einige gräuliche, steinharte Ausbeulungen, während beim Limonenpilzblock gar nichts passiert. Muss man ihn jetzt gießen? Ist es nachts vielleicht schon zu kalt? Regnet es überhaupt genug? Ich weiß es nicht. Ich bin doch kein Wald!
Zwischendurch wird es tagsüber noch mal richtig warm, und das scheint dem Shittake richtig gut zu tun, denn aus gräulichen, steinharten Ausbeulungen wird ein dicker Lappen Pilz, weich und schwammig, und auch die Pioppinos gedeihen wunderbar. Ich kann Pilze!
- Datum 26.10.2009 - 08:31 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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beginnen unsere Nahrung vermehrt selbst anzubauen?
In Anbetracht des von unzähligen Pestiziden verseuchten, Gen-manipulierten, denaturierten und mit allerlei dubiosen Chemikalien (E-"YX") verunreinigten Fraßes, den man uns hier mit dem Segen der Lobby-gesteuerten Politik vorsetzt, wäre vielleicht bald nur noch von einem eigenen Garten wirklich Gesundes, Essbares und Nahrhaftes zu erwarten. ;-))
das macht viel Arbeit, und wer bringt schon ohne Not die Selbstüberwindung auf, bei Sauwetter in der Erde zu wühlen oder mit gebeugtem Rücken Vogelmiere und Franzosenkraut auszuraufen? Ja, und dann müssten wir ja auch jemanden finden, der das übernimmt, wenn wir gerade wieder einmal auf Reisen sind. Ach ja, wie ernüchterd ist doch die Wirklichkeit im Vergleich zum schönen Traum. Aber es gibt gute Gründe, es dennoch zu wagen. Mehr als scheitern kann man ja nicht...
Ein langjähriger Kleingärtner
das macht viel Arbeit, und wer bringt schon ohne Not die Selbstüberwindung auf, bei Sauwetter in der Erde zu wühlen oder mit gebeugtem Rücken Vogelmiere und Franzosenkraut auszuraufen? Ja, und dann müssten wir ja auch jemanden finden, der das übernimmt, wenn wir gerade wieder einmal auf Reisen sind. Ach ja, wie ernüchterd ist doch die Wirklichkeit im Vergleich zum schönen Traum. Aber es gibt gute Gründe, es dennoch zu wagen. Mehr als scheitern kann man ja nicht...
Ein langjähriger Kleingärtner
das macht viel Arbeit, und wer bringt schon ohne Not die Selbstüberwindung auf, bei Sauwetter in der Erde zu wühlen oder mit gebeugtem Rücken Vogelmiere und Franzosenkraut auszuraufen? Ja, und dann müssten wir ja auch jemanden finden, der das übernimmt, wenn wir gerade wieder einmal auf Reisen sind. Ach ja, wie ernüchterd ist doch die Wirklichkeit im Vergleich zum schönen Traum. Aber es gibt gute Gründe, es dennoch zu wagen. Mehr als scheitern kann man ja nicht...
Ein langjähriger Kleingärtner
zu Weihnachten nicht ganz genau das gekriegt hat, was es sich gewünscht hat - ein bischen klingt der Bericht so.
Was Sie auch mal versuchen sollten, sind seltene Kartoffeln in nicht ganz verrottetem Kompost oder frisch untergegrabenem Rasen, wahrscheinlich nehmen Sie sich anschliessend nen Strick (Schnellkäfer und seine Larve, auch als Drahtwurm bekannt)...
Vielleicht sollten wir auch sonst nicht unfair sein und auch andere Bezugsquellen erwähnen, beispielsweise diese hier:
http://www.shiitake.de/in...
Da habe ich jedenfalls ganz prima Myzel des Schopftintlings bekommen. Wild gibt's die übrigens in unserer Gegend auch, besonders an den Stellen, die auch die treusesten Freunde des Menschen zur Deponierung ihrer Hinterlassenschaften vorziehen.
Wie und ob man daraus eine Anbauempfehlung machen kann, überlasse ich Ihnen. Zu diesen Pilzen ist noch interessant zu bemerken, dass sie vermutlich in der Lage sind, Nematoden zu vertilgen, und dass Hühnchen mit Schopftintlingen so wunderbar exquisit schmeckt, dass einem das Rumnölen spätestens dann endgültig vergehen dürfte...
Sorry, aber wie oft kann jemand seine Artikel eigentlich recyclen?
Diesen Pilzselbstversuch hat Herr Lücke aus Wuppertal schon einmal in einer anderen Zeitung zum besten gegeben. Wenn man freie Journalisten engagiert, sollte man trotzdem redaktionelle Sorgfalt walten lassen.
Aber kein Thema - das macht die Welt am Sonntag auch nicht, denn da erschien der jährliche Restaurant-/Gourmetführer-Bericht Lückes, der ein wenig aufgefrischt, jedes Jahr wieder aus der Schublade geholt werden kann. Besonders dreist ist auch immer wieder die Affinität zum Wuppertaler Restaurant Scarpati...
Also ich gebe ja zu, dass ich die Welt am Sonntag nicht lese, über die Kritik an jährlich "aufgefrischten" Texten über die Restaurantführer kann ich mich aber nur amüsieren. Ob das wohl daran liegt, dass in den Restaurantführern im Wesentlichen immer wieder dasselbe steht? Ich finde einen sachlichen Text über die Veränderungen dann jedenfalls besser als einen krampfhaften Versuch, das Rad neu zu erfinden. Die Frage ist wohl eher, ob man sich - wenn man gerne gut isst - jedes Jahr einen neuen Restaurantführer kaufen muss...
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