Kochen: Soljanka oder Sauerbraten?
Ost- und Westdeutschland hatten ihre eigenen Ess-Traditionen. Zwei Köchinnen versuchen eine kulinarische Wiedervereinigung in Berlin
ZEIT ONLINE: Zum 20-jährigen Jubiläum des Mauerfalls haben Sie sich mit Ihrer Kollegin Rachel Khoo ein Ost-West-Dinner ausgedacht. Wie sieht das aus?
Caroline Hobkinson: Wir werden vom 7. bis 9. November in einem privaten Appartement in unmittelbarer Nähe zur ehemaligen Sektorengrenze zwei Menüs zubereiten: eines nach der kulinarischen Tradition des Ostens, das andere nach der des Westens. Wir erwarten pro Abend 20 Gäste. Sie werden vor Ort dem Ost- oder dem Westsektor zugeteilt und nehmen in zwei unterschiedlichen Räumen Platz nehmen. Als Begrüßungsgetränk gibt es erst einmal ein Glas Champagner bzw. Rotkäppchensekt.
ZEIT ONLINE: Wie unterscheiden sich das Ost- und das Westdinner?
Hobkinson: Im "Osten“ gibt es Gurkensuppe mit Sourcream, Soljanka, Königsberger Klopse und vietnamesischen Salat. Im "Westen“ Hummersuppe, Maultauschen mit Sauerkraut, Rheinischen Sauerbraten und Kebab.
- Caroline Hobkinson
Geboren und aufgewachsen ist sie in Köln, ging mit 19 Jahren zum Kunststudium an das Central St. Martins College nach London, machte danach eine Ausbildung zur Theaterregisseurin und war als Werbetexterin für Saatchi & Saatchi tätig. Mit ihrer Kollegin Rachel Khoo richtet sie Koch-Events in London, Paris und Berlin aus und betreibt den Koch-Blog Stirring with knives.
- Rachel Khoo
Sie schloss ebenfalls ihr Studium am Londoner Central St. Martins College ab. Nachdem sie als Food-Stylistin für das Sunday Times Style Magazine und den Food Observer arbeitete, ging sie nach Paris, um dort Französisch und Pâtisserie zu studieren. Momentan arbeitet Rachel Khoo als Food-Consulter, schreibt Rezepte und bietet Kochkurse und privates Catering an.
ZEIT ONLINE: Wie kamen Sie auf die Idee?
Hobkinson: Ich interessiere mich schon lange für die kulinarische Teilung Deutschlands, die zwei Deutschlands, die parallel zueinander gegessen und Hunger gehabt haben. Während der Westen im Überfluss schwelgte, mussten die Menschen im Osten oft Schlange stehen.
ZEIT ONLINE: Spiegelt die Ost- bzw. die West-Küche das jeweilige gesellschaftliche und politische System wider, aus dem sie hervorging?
Hobkinson: Ja, auf jeden Fall. Die Offenheit des Westens spiegelt sich in der Internationalität der Küche: der Überschwang und die exotischen Trends wie Toast Hawaii. Die ostdeutsche Küche ist da purer. Durch die Isolation sind mehr echte deutsche Gerichte erhalten geblieben und weiter verbreitet. Soljanka im Osten zeigt die russische Verbundenheit, während Westdeutschland fast gar nicht mehr deutsch sein wollte.
ZEIT ONLINE: Sie werden ein "wiedervereinigtes" Dessert servieren. Was wird es sein?
Hobkinson: Im Ostsektor reißt die Mauer ein – ein symbolischer Stacheldraht aus karamellisiertem Zucker, der im Westen auf der Schwarzwälderkirschtorte "landet“. Der Westsektor isst sich durch den karamellisierten Stacheldraht und erreicht die hausgemachte Stolleneiscreme.
ZEIT ONLINE: Was ist Ihrer Meinung nach das Skurrilste an der deutschen Küche überhaupt?
Hobkinson: Das Skurrilste ist definitiv der Döner Kebab. Erfunden in Kreuzberg von einem türkischen Immigranten, der beeindruckt war vom deutschen Pragmatismus des Auf-die-Hand-Imbiss. Der Döner Kebab ist wohl das international am weitesten verbreitete Fastfood nach dem Burger. Und Sauerkraut natürlich. Es kam den ganzen Weg aus China nach Deutschland, um hier Ruhm und Anerkennung zu finden.
Die Fragen stellte Friederike Milbradt











eine gelungene Aktion, auf die wohl nur Frauen kommen konnten.
Hoffe sie wird Aufmerksamkeit in allen Regionen Deutschlands und vor allem Koch- Kreisen, finden!
Bin aufgewachsen mit genau diesem Prinzip- Meine Mutter aus Baden, mein Vater aus Thüringen, kenne Ost- und West Verhältnisse aus eigener Erfahrung und auch die Küche. So wächst vielleicht die deutsche Gesellschaft wirklich einmal zusammen oder ist auf gutem Weg, dazu. Danke diesen beiden, kreativen Köchinnen!!!
Bei uns kommen vogtländische "Grüne Klöße" auf den Tisch. Genau wie in meiner Kindheit, in der ich nie an Hunger oder Armut leiden musste.
Bei uns gab es immer dann Fleisch, wenn wir Appetit hatten und das gab es auch in der Mangelwirtschaft - im Gegensatz zu den heutigen Hartz IV-Empfängern konnten wir uns wenigstens jeden Tag ein ordentliches Essen leisten!!!
Frau Hopkinson, wenn Sie statt Kunst und Theater zu studieren eine Kochlehre absolviert hätten, dann hätten Sie dabei vermutlich auch gelernt, wie man ein Menü zusammenstellt das den Namen Menü auch verdient hat.
Aber heutzutage ist kochen ja kein Handwerk mehr, heute werden "Events" veranstaltet...
Setzen, Sechs! Was anderes fällt mir dazu nicht ein.
Maultaschen mit Sauerkraut ????
Igitt. Also entweder in der Suppe oder abgeröstet mit geschmälzten Zwiebeln.
Und abgesehen davon, bei der Zusammensetzung der Menüs kann man keine Geschmacksrichtung wirklich genießen.
octopus_vulgaris hat völlig recht.
Daß der Döner keine Berliner Erfindung ist, wird oft negiert. So schrieb Helmuth von Moltke 1836: „Unser Mittagsmahl nahmen wir ganz türkisch beim Kiebabtschi ein. Dann erschien auf einer hölzernen Scheibe der Kiebab oder kleine Stückchen Hammelfleisch, am Spieß gebraten und in Brotteig eingewickelt, ein sehr gutes, schmackhaftes Gericht.“
Im Übrigen gabs in Schulspeisung und Kantine regelmäßig Sauerbraten und auch Toast Hawaii. Auch auf den Speiskarten der DDR war das Standard.
Geschichtskenntnisse sind also eher mangelhaft bei den beiden Köchinnen.
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