SilvesterGlück kann man essen

Die Spanier schwören auf Trauben, die Dänen auf Kohlblätter und auch das Glücksschwein wird nicht nur aus Marzipan verzehrt. Silvester-Glücksgerichte aus aller Welt. von Robert Lücke

Wer verbindet Silvester nicht insgeheim mit dem Wunsch, das neue Jahr könne besser oder zumindest nicht schlechter werden wie das vergangene? Aber kann man gezielt etwas dafür tun? Glaubt man den kulinarischen Traditionen vieler Länder, muss man nur das Richtige essen.

Die Spanier essen um Mitternacht zwölf Trauben : eine Traube je Glockenschlag der Kirche oder Rathausuhr. Der Tradition nach steht jede Traube für einen Monat des Jahres – und nur, wer bis 24 Uhr alle zwölf Trauben gegessen hat, wird im ganzen kommenden Jahr Glück haben. "Der Brauch erfreut sich großer Beliebtheit", sagt Gunther Hirschfelder, Volkskundler an der Uni Bonn. "Als die Rathausuhr von Madrid am Jahreswechsel 1997/98 zu schnell schlug, gab es bei den Zuschauern viele, die sich verschluckt haben!" Von wann der Brauch stammt, darüber sind sich die Experten allerdings uneins. "Man liest gelegentlich, das Trauben-Essen sei ein altes Muster. Das glaube ich nicht", sagt Hirschfelder. Seiner Meinung nach handelt es sich um eine urbane Tradition, die erst Anfang des 19. Jahrhunderts begründet wurde.

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Weitaus handfesterer Natur sind Silvesterbräuche, wenn sie um die finanzielle Zukunft gehen. So essen die Dänen grünes Blattgemüse wie Kohl und Mangold , weil die grünen Blätter an gefaltetes Geld erinnern sollen (der Dollar ist ja immerhin auch grün). Eine dänische Spezialität ist gekochter Kohl mit Zucker und Zimt, während man in den Südstaaten der USA Collards Greens , also Kohlblätter, isst. Die Regel dabei ist simpel: Je mehr Kohl man verzehrt, umso reicher wird man im neuen Jahr. Nach dem Krisen-Jahr 2009 erscheint dieser Brauch zeitgemäßer denn je.

Eine weitere dänische Sitte ist das Silvesteressen mit Stockfisch und Aquavit . Gerade letzterer fließt oft in Strömen, da fällt der Jahresabschluss umso leichter. "Kurz vor Mitternacht steigen die Teilnehmer des Mahls auf die Stühle, und mit dem zwölften Glockenschlag springen alle auf die Erde. Das soll ein glückliches Neues Jahr ergeben", sagt Hirschfelder.

Die Italiener gelten zwar nicht als Erbsenzähler, aber für sie symbolisieren ausgerechnet die Erbsen, aber auch Bohnen und Linsen, Geld – vielleicht weil ihre Form an kleine Münzen erinnert. Eine traditionell beliebte Speise der Neujahrsnacht ist denn auch Cotechino con lenticchi eSchweinswürste mit Linsen . "Je mehr Linsen man isst, desto mehr Geld hat man im Neuen Jahr", sagt der Volkskundler Hirschfelder. "Solche Muster, wo die Vielzahl der Linsen oder auch Erbsen für Wohlstand steht, gibt es in diversen älteren Kulturen."

Eines der bekanntesten Glückssymbole ist das Schwein . Gebraten steht es in Kuba und Spanien auf dem Silvester-Speiseplan vieler Familien und Restaurants, ebenso in Österreich und Ungarn . In Deutschland wird es vor allem in seiner Marzipan-Variante verspeist – manchmal hat das Schwein auch noch den guten alten deutschen Glückspfennig im Maul. Warum das Tier ein Glücksbringer ist, wurde nie so recht geklärt: Mal soll es ein Symbol auf Zielscheiben gewesen sein, dann ein Trostpreis bei Wettkämpfen. Vielleicht ist das Ferkel dem Menschen aber einfach nur sehr sympathisch – auf dem Teller sowieso. 

Erstaunlicherweise essen ausgerechnet die Chinesen , denen das gebratene Schwein eine der liebsten Speisen ist, bei ihren stundenlangen Neujahrsgelagen etwas anders. An Silvester, das nach dem chinesischen Kalender erst im Januar oder Februar ist, gibt es vor allem gefüllte Teigtaschen, die Jiaozi . Sie werden oft zu Begrüßungen und Abschieden gegessen und passen daher gut zum Übergang vom alten zum neuen Jahr,

Und was essen die Deutschen sonst? Karpfen . Dieser Fisch ist ein fetter Kerl, und fette Tiere stehen immer für Wohlstand und die Gewissheit, nicht hungern zu müssen – wenn man es sich denn leisten kann, sie zu kaufen. Eines der weitverbreiteten Neujahrsspeisen waren auch immer die Neujahrgebäcke, sogenannte Gebildbrote. "Das waren runde Brote, Kringel oder Kränze , die am Neujahrstag gegessen wurden, meistens Hefegebäck mit Weizenmehl, oft auch mit Mohn oder Hirse", sagt Hirschfelder. Der Kranz soll an den Kreislauf der Zeit erinnern und im religiösen Sinne das ewige Leben symbolisieren. Ihm wurde einst auch eine vor Dämonen schützende Kraft zugeschrieben, wobei diese Bedeutung heute wohl kaum mehr ernst genommen wird.

Und wie verhält es sich mit des Deutschen Lieblingsmahl an Silvester, dem Fondue ? Das hat wohl weniger mit Glück, sondern mehr mit der Verzweiflung zu tun, einen sich in der Regel ewig hinziehenden Silvesterabend irgendwie gesellig herumzukriegen.

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    • Schlagworte Kuba | Spanien | USA | Ungarn | Österreich | Madrid
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