Küchen-Geschichten "Wolfram Siebeck kommt!"Seite 4/4
Mir kam die rettende Idee: "Sagen Sie ihm doch einfach, dass ein Lehrling die Kartoffel gekocht hat." Ganz still war es in der Küche. Die Kollegen hatten die Arbeit mittlerweile niedergelegt und es sich gemütlich gemacht. Monsieurs Gesichtsfarbe kehrte schlagartig zurück, dunkelrot durchblutet brüllte er: "Wenn ich dem erzähle, dass er hier von Lehrlingen bekocht wird, bringt er mich um!" Monsieur pflegte nie die Contenance zu verlieren. Wir erschraken beide. Dann wurde ich entlassen.
Das war es also, das Ende meiner Kochkarriere. Gestolpert über eine winzige Kartoffel, die mir der böse Wolfram in den Weg gelegt hatte. Ich schlurfte in den Keller, setzte mich auf eine Weinkiste, beweinte leise mein Schicksal und den Ruin meines Chefs. Viele Runden schwamm ich im salzigen Tränenmeer, kein Land in Sicht, ich war alleine, das Schiff war gesunken, und ich hatte den Stöpsel gezogen. Wie war es nur dazu gekommen?
Zunächst verfluchte ich die französischen Kartoffelbauern. Züchteten winzige Kartoffeln, die von außen den Anschein rascher Garfreudigkeit erweckten, dann aber hartnäckig meinen Kochversuchen standhielten. Auch Siebeck schien mir plötzlich nicht ganz unschuldig. Dieser schreibende Kochlöffel, hätte er sich halt mal ein bisschen mehr Mühe gegeben beim Essen. Zu faul zum Kauen und schwupps, mal eben zwei Existenzen vernichtet, Monsieur und mich in großes Leid und Arbeitslosigkeit gestürzt. Das war doch wirklich, also, das musste man sich mal …

"Kannst wieder raufkommen!" Kollege Udo hatte mich gefunden, warf mir die Schiffsleiter zu und zog mich an Deck. "Monsieur will Dich sprechen." Als ich die Stufen hochging und die heiligen Hallen wieder betrat, schien mir die Küche viel heller zu sein und der schönste Ort auf Erden. Ich war wieder an Bord. Und fast hätte ich schon wieder geheult, als Monsieur auf mich zukam. Mit strengem Blick und ernster Stimme verkündete er: "Zu doof zum Kartoffeln kochen, ich werde das in deinem Zeugnis vermerken."
Dann ging er, um mit Herrn Siebeck einen sehr, sehr alten Rotwein zu trinken. Aufs Haus.
Stevan Pauls Buch "Monsieur, der Hummer und ich" ist im Mairisch Verlag erschienen und kostet 18,90 Euro
- Datum 10.12.2009 - 17:11 Uhr
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Mit welcher Berechtigung darf dieser Mann eigentlich über Essen urteilen? Was qualifiziert ihn?
Schön einladen lassen, noch eine Kiste Wein in den Kofferraum und zurück auf die Burg oder in die Provence.
Jetzt addieren wir noch Altersstarrsinn und Konservatismus und heraus kommt ein Albtraum.
Da lobe ich mir Jürgen Dollase!
Dollase betreibt doch nichts Anderes als kullinarischen Manierismus.
Siebeck hat dagegen das Verdienst, gastronomische Mastbetriebe auf den Weg zur Ursprünglichkeit, Frische, Regionalität, und viel Gutem mehr geführt zu haben.
Was hat es mit Starrsinn zu tun, keine rohen Kartoffeln genießen zu können?
Dollase betreibt doch nichts Anderes als kullinarischen Manierismus.
Siebeck hat dagegen das Verdienst, gastronomische Mastbetriebe auf den Weg zur Ursprünglichkeit, Frische, Regionalität, und viel Gutem mehr geführt zu haben.
Was hat es mit Starrsinn zu tun, keine rohen Kartoffeln genießen zu können?
Dollase betreibt doch nichts Anderes als kullinarischen Manierismus.
Siebeck hat dagegen das Verdienst, gastronomische Mastbetriebe auf den Weg zur Ursprünglichkeit, Frische, Regionalität, und viel Gutem mehr geführt zu haben.
Was hat es mit Starrsinn zu tun, keine rohen Kartoffeln genießen zu können?
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