Wein-Auktion Adrenalinstoß für Weinliebhaber

Wenn das Pariser Gourmetrestaurant La Tour d'Argent 18.000 seiner edelsten Weine versteigert, ist das in Frankreich ein Kulturereignis. Gero von Randow war dabei

Nichts für schwache Nerven: Das Pariser Restaurant La Tour d’Argent versteigert rund 18.000 Flaschen Wein aus seinem Keller.  Und kaum etwas ist spannender, als zu versuchen, große Weine – andere hat La Tour d’Argent nicht – zu einem, sagen wir: humanen Preis zu ergattern. Wer Beute machen will, muss aufpassen wie ein Luchs, darf sich aber um seines Portemonnaies willen nicht vom Jagdfieber anstecken lassen.

Was schwer fällt. Denn die beiden Auktionatoren, die wie Dirigenten die anwesenden Mitbieter sowie die per Telefon und Netz hereinprasselnden Gebote orchestrieren, verbreiten aufgekratzte Stimmung, das reißt mit und manche Hand nach oben, noch bevor der Kopf Zustimmung erteilt. Also heißt es, trotz des hochgejagten Adrenalinspiegels so cool zu bleiben, wie es nur geht.

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Die Versteigerung der Schätze aus dem berühmtesten Weinkeller der Welt ist ein Kulturereignis in Frankreich, die Pariser Presse schwärmt seit Tagen davon. Zu Recht. Was da unter den Hammer kommt, ist allerfeinste Ware. David Ridgeway, Hüter von 450.000 Bouteillen, muss Platz schaffen, und er entlässt jetzt solche Flaschen ins Licht der Welt zurück, die in den kommenden Jahren getrunken werden sollten, aber nach menschlichem Ermessen nicht allesamt von den Restaurantgästen geordert werden können.

Die Weine – fast alle französisch – sind nicht nur trinkreif, sondern auch bestens gelagert. Der Keller bezieht ausschließlich vom Produzenten, und während der Hitze- und Kälteperioden wird nicht transportiert, um das Gut zu schonen. Die Luftfeuchtigkeit des Kellers wird seit dreißig Jahren konstant auf 80 Prozent gehalten; sie nagt zwar sichtlich an den Etiketten, hat aber gerade jenes Niveau, das die Korken am wenigsten angreift.

Die Schätzpreise des Katalogs liegen teilweise deutlich unter dem Marktwert; einer der ersten Weine am Montag war beispielsweise ein weißer Château Haut-Brion (Bordeaux) aus dem Jahr 1985: Die sechs Flaschen (mit unleserlichen Etiketten, was den Preis senkt) waren auf 850 bis 960 Euro geschätzt. Da witterten Weinfexe ihre Chance! Dann jedoch schlug die Wirklichkeit zu. Bei Namen wie Haut-Brion klingeln nämlich die Telefone und blinken die Bildschirme: Asien steigert mit, und das Gebinde ging für durchaus nachvollziehbare 1600 Euro weg.

Verglichen mit den jüngsten Versteigerungen von Christie's in Paris sind die Preise insgesamt am Steigen. Entsprechend fröhlich geht es auf der Bühne zu. Als eine Kiste mit halben Flaschen (0,375 Liter) verkauft wird, sagt ein Auktionator: "Die sind vor allem im Auto praktisch." Doch die Gelassenheit täuscht. Es geht um viel Geld, und in dem Zahlendauerfeuer kann man sich schon mal bös vertun. Ein Opi hebt aus Versehen die Hand: "Ah, Monsieur zahlt 1500?" fragt der Auktionator sicherheitshalber – oh, nein, pardon. Ein anderer Bieter ist kurzsichtig und schwerhörig und weiß nicht viel mehr, als dass jetzt grad die roten Rhone-Weine dran sind. "Wie viele hab ich jetzt ersteigert?" fragt er seinen Nachbarn.

Ansonsten sind nur Profis da. Und wahre Liebhaber. Sie sind diejenigen, die am meisten davon haben. Das Kribbeln, wenn die Kisten drankommen, für die man sich interessiert. Die leise Enttäuschung
darüber, dass so viele mitsteigern. Und der unbedingte Wille, den Dicken von rechts vorne zu überbieten.

Nix da, der 1999er La Chapelle soll meiner sein!
Ist er jetzt auch.
 

 
Leser-Kommentare
    • j-ap
    • 07.12.2009 um 19:34 Uhr

    stellenweise hatte man den Eindruck, es ginge am quai de la Tournelle zu wie dermaleinst bei der berühmten Trierer Weinversteigerung. Wie ich übrigens hörte, soll dort auch eine Flasche Armagnac aus dem Jahr 1788 aufgeworfen werden, haben Sie davon Kenntnis?

    Falls ja: Bonne chance, Herr von Randow!

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    ... es sind drei Flaschen, und es ist Cognac. Aber aus dem Café Anglais!!!! Nein, ich bin jetzt aber ausgestiegen. Muss ja auch an die Rente denken.

    ... es sind drei Flaschen, und es ist Cognac. Aber aus dem Café Anglais!!!! Nein, ich bin jetzt aber ausgestiegen. Muss ja auch an die Rente denken.

  1. ... es sind drei Flaschen, und es ist Cognac. Aber aus dem Café Anglais!!!! Nein, ich bin jetzt aber ausgestiegen. Muss ja auch an die Rente denken.

    Antwort auf "Na, Herr von Randow,"
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  2. ...gewesen, Sie hätten uns berichten können, wie diese alte Tropfen noch schmecken.

    Der älteste Wein, den ich mal verkosten konnte, war ein Madeira aus 1904.

    Reichlich Firngeschmack dahinter, aber durchaus gut.

    Aber...noch immer frage ich mich, ob der die damals ca. 70 Euro wert war.

    • j-ap
    • 08.12.2009 um 11:21 Uhr

    Immerhin muß sich nun irgendjemand um seine Rente keine Gedanken mehr machen. Aber naja — bleiben wir eben beim Rémy Martin. Der ist auch nicht schlecht.

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