Ein Glas Burgunder vor dem Bildschirm oder wie kann man sich die virtuelle Verkostung vorstellen?

Wein zu trinken ist die eine Sache, über ihn zu reden eine andere. Menschen, die gern und viel über Wein reden, nerven meistens. Vor allem, wenn sie gern von Weinen erzählen, die man sich selber niemals leisten kann. Oder mit Vokabeln um sich werfen wie "Terroir", "mineralisch", "komplex", "Nachhall" und "Potenzial.

Was also tut ein Weinliebhaber, wenn ihm seine Freunde nicht mehr zuhören? Er eröffnet ein Weinblog. Allein im deutschsprachigen Raum gibt es inzwischen eine unüberschaubare Zahl davon. Sie heißen Schnutentunker, Drinktank, Vinissimus, Wolfis Wein-Worte oder Captain Cork. Die Autoren berichten darin, was sie gerade wieder so weggetrunken haben, versorgen die Netzwelt mit Nachrichten aus der Weinwirtschaft, legen Listen ihrer Lieblingsweine und -winzer an, zitieren sich gern selbst (oder andere Weinblogger), pflegen ihre kleinen Fehden und ereifern sich über Menschen, die sich auch schon einmal über sie ereifert haben. Kurz: Weinblogger bloggen wie andere Blogger auch.

An die Beliebtheit von Koch- und Ernährungsblogs kommen die Wein-Seiten jedoch noch lange nicht heran, die diversen Ranglisten der beliebtesten Blogs führen keines zum Thema Wein. Was wahrscheinlich auch daran liegt, dass das Sujet nicht besonders anschaulich ist. Hobbyköche können ihre Seiten mit appetitlicher Food-Fotografie illustrieren, Rezepte zum Herunterladen anbieten und Video-Kurse zum Nachkochen anbieten. Wie aber kann man das Weinverkosten, das Riechen, Schmecken und Genießen virtuell erfahrbar machen?

Tatsächlich sind viele Weinblogs in erster Linie als Erfahrungsaustausch zwischen Hobbyverkostern und einigen wenigen Profis zu verstehen. Als interessierter Laie bleibt man da häufig etwas ratlos zurück. Etwa, wenn man lange Abhandlungen verfolgt über die Frage, ob Natamycin, - ein Stoff, der in einzelnen Flaschen aus Übersee gefunden wurde - nun ein Antibiotikum oder ein Antimykotikum sei. Welche Auswirkungen Natamycin auf Wein und den Konsumenten hat, darüber erfährt der User nichts.

Ein Blog, das sowohl Laien als auch Profis viel Wissenswertes vermittelt, ist Nikos Wein- und Gourmetwelten. Betrieben wird es von Nikolas Rechenberg, einen ehemaligen Berliner Tageszeitungs-Journalisten. Wer seinen Newsletter abonniert hat, erfährt meist als allererster, wenn wieder einmal ein Spitzenkoch den Arbeitsplatz wechselt oder ein Spitzenhotel seinen Generaldirektor.

Dass Rechenberg nicht nur für einen kleinen Zirkel Eingeweihter bloggt, beweist die stattliche Liste der Kolumnisten, die regelmäßig Beiträge für seine Seite schreiben. Was jedoch auffällt: Die Fachfrau für Südafrika macht hauptberuflich PR für "Wines of Southafrica".