Köchin Gabriele Kurz Die Vegetarierin in Dubai

Gabriele Kurz leitet das erste vegetarische Luxus-Restaurant in Dubai. Im Interview erzählt die Köchin, wie sie mit bayerischen und arabischen Geschmäckern spielt.

Seit 2007 arbeitet Gabriele Kurz als Küchenchefin des vegetarischen Restaurants "Magnolia" in Dubai

Seit 2007 arbeitet Gabriele Kurz als Küchenchefin des vegetarischen Restaurants "Magnolia" in Dubai

 ZEIT ONLINE: Frau Kurz, Sie betreiben mit dem Magnolia das erste vegetarische Luxus-Restaurant in Dubai. Wie passt das zu der doch sehr fleischhaltigen arabischen Küche?

Gabriele Kurz: Täuschen Sie sich nicht: Die arabische Küche hat sehr viele vegetarische Komponenten zu bieten, vor allem was die Vorspeisen angeht. Hummus, Moutabel und Babaghanoush – Mousses aus Kichererbsen, Auberginen – sind sehr beliebte vegetarische Leckereien. Es gibt gebackene Käseröllchen, Spinattaschen und ein knuspriges, mit einem speziellen Käse oder einem dem Bohnenkraut ähnlichen Würzkraut belegtes Fladenbrot, das ganz hervorragend schmeckt. Außerdem ist man hier seit Langem mit der indisch-vegetarischen Küche vertraut. Gerade in Dubai spürt man ein großes Interesse an gesünderer, leichterer Küche.

ZEIT ONLINE: Dubai gilt in vielen Bereichen als der Ort der unbegrenzten Möglichkeiten. Auch für Sie?

Kurz: Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal mit meiner Spezialisierung auf vegetarische Küche dort gefragt sein würde. Bevor ich hierher kam, habe ich 19 Jahre in Deutschland erfolgreich vegetarisch gekocht. Für mich ist Dubai ein ganz besonderer Ort, der mich sehr inspiriert.

ZEIT ONLINE: Wie unterscheiden sich die Gäste in Dubai?

Kurz: Der Gast in Dubai ist tendenziell eher verwöhnt und anspruchsvoll. Hier ist die Reizschwelle wesentlich höher als anderswo. Wir legen deshalb größten Wert auf Geschmack und Präsentation.

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Gabriele Kurz
Gabriele Kurz

Mit ihrem Bio-Hotel und dem vegetarischen Restaurant, das sie gemeinsam mit ihrer Mutter in Bischofswiesen in Bayern betrieb, machte sich Gabriele Kurz in Deutschland einen Namen. Seit 2007 ist sie die Küchenchefin des ersten vegetarischen Restaurant Dubais, "Magnolia", das an das Luxus-Resort Madinat Jumeirah angebunden ist. Am 26. April erscheint ihr neues Buch Meine Kräuterküche im Ludwig-Verlag.

ZEIT ONLINE: Ist Ihre Küche arabisch oder europäisch geprägt?

Kurz: Ich koche eher zeitgemäß europäisch, weil das hier exotisch ist. Ich lege großes Augenmerk auf die gesundheitliche Wirkung und die Balance in den Gerichten. Meine Küche ist leicht, ich lasse die Eigenaromen der verwendeten Zutaten für sich sprechen, koche so schonend wie möglich, salze relativ sparsam und verwende sehr viele frische Kräuter. Es macht mir aber auch Spaß, mit Geschmacksrichtungen zu experimentieren, die mir nicht in die Wiege gelegt wurden. Datteln mit Blauschimmelkäse und Salbei sind zum Beispiel wahnsinnig gut!

ZEIT ONLINE: Wie schwer ist es, als vegetarische Köchin in der Branche ernst genommen zu werden?

Kurz: In der Branche gibt es zu wenige Spezialisten auf diesem Gebiet. Sie sind gesucht, da die Anzahl der vegetarischen Gäste zunimmt, die ganz bewusst auswählen und sehr spezielle Wünsche haben. Als ich in Dubai ankam, war ich sehr überrascht, wie viele Gäste nach veganer Küche fragten oder nach Raw Food.
Man merkt häufig, wie schwer sich Köche mit klassischer Kochausbildung und eben solchem Werdegang tun, wenn sie vegetarische Gerichte brauchen, die über das übliche Pasta- und Salatspektrum hinausgehen. Es herrscht immer noch ein Denkschema, das aus dem Vierklang der Komponenten Protein, Gemüse- und Sättigungsbeilage und Sauce besteht, wobei das Protein den größten Anteil einnimmt. Nehmen Sie den weg, ersetzt ihn ein klassischer Koch meistens durch Tofu, Ziegenkäse oder Pilze. Das ist oft viel zu schwer. Und viel zu einfach gedacht.

Leser-Kommentare
  1. beim Lesen des Interviews - vielen Dank, Frau Ströbele. - Möge sich Frau Kurz ihren Elan erhalten; Wissen und Können hat sie.

    • Oshima
    • 21.04.2010 um 17:13 Uhr

    Es sollte sich langsam rumgesprochen haben, dass man als Vegetarier/Veganer nicht nur von Spaghetti mit Tomatensoße leben muss und Tofu genauso selten "roh" gegessen wird wie Fleisch. Die vegetarische/vegane Küche ist unglaublich vielfältig und ich bin froh zu hören, dass vegetarische/vegane Köche mehr und mehr gefragt sind. Es wird Zeit, dass es dazu die passende Ausbildung gibt, dann würden sich auch mehr Veganer für diesen Beruf entscheiden können.

  2. Wäre gut wenn auch die ZEIT mehr vegetarische/vegane Rezepte veröffentlicht.

  3. Darauf freue ich mich schon, wenn diese Welle nach Europa schwappt. Im Gegensatz zu den Rohköstlern müssen die Vegetarier zwar nicht gerade verzichten wenn es ums Ausgehen geht. Aber das ein- oder andere rein vegetarische Restarant würde das Pflaster in Europa sehr versüßen.

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