Tim Mälzer"Essen kann man lernen"

Schulküchen sind gut für die soziale Bildung, sagt der Koch Tim Mälzer. Wichtiger als Vollwertkost ist das gemeinsame Ritual, sagt er im Interview. von 

Am Schulessen sollte nicht gespart werden, findet der Koch Tim Mälzer

Am Schulessen sollte nicht gespart werden, findet der Koch Tim Mälzer   |  © Shirin Ourmutchi

ZEIT ONLINE: Herr Mälzer, was haben Sie während Ihrer Schulzeit gegessen?

Tim Mälzer: Höchstens mal einen Kakao oder ein Mohrenkopfbrötchen. Da ich keine Ganztagsschule besucht habe, war ich um ein Uhr zu Hause und bekam Mittagessen.

ZEIT ONLINE: In Deutschland streitet man gerade darüber, ob das Schulessen zu teuer für sozial schwache Familien ist. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Mälzer: Ich finde diese ewige Kostendiskussion hinfällig. Wenn man unbedingt Dosenfutterfraß haben will, sollte man sich einen Hund anschaffen, aber kein Kind. Die Eltern tragen genauso eine Verantwortung wie die Regierung und die Schulen. Wir wissen, welche Konsequenzen Fehlernährung hat: Übergewicht, Konzentrationsschwierigkeiten, mangelnde Leistungsfähigkeit. Dennoch sagen wir: Schulspeisung muss billig sein – das finde ich schlimm.

ZEIT ONLINE: Welche Ansprüche sollte an einen Schulkantinen-Lieferanten gestellt werden? Sind Fertigprodukte tabu?

Mälzer: Ganz im Gegenteil, es gibt viele Gemüse, die in tiefgefrorenem Zustand dem frischen überlegen sind. Es ist nur die Frage, ob alles tiefgefroren sein muss. Wenn ich nur geschmacksverstärkte Soßen und weichgekochtes, zerlümmeltes Gemüse und salzarme Kost anbiete, brauche ich mich nicht zu wundern, wenn die Kinder sagen: Ich mag das nicht.

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Tim Mälzer
Tim Mälzer

Der 39-Jährige wurde in Elmshorn bei Hamburg geboren. Mit seiner TV-Show Schmeckt nicht - gibt’s nicht! begann 2003 seine Karriere als Fernsehkoch. 2009 eröffnete Mälzer sein neues Restaurant "Bullerei" in Hamburg. Seit Herbst 2009 engagiert er sich gemeinsam mit dem Bundesministerium für Ernährung, der Bertelsmann Stiftung und Nolte Küchen für das Projekt "Küchen für Deutschlands Schulen".

ZEIT ONLINE: Ist es überhaupt möglich, gesundes, schmackhaftes Kantinenessen zu moderaten Preisen anzubieten?

Mälzer: Das ist schon möglich. Wäre die Schule dafür verantwortlich, entspräche der Einkaufspreis mehr oder weniger dem Verkaufspreis. Die meisten Schulen beschäftigen jedoch professionelle Caterer, die natürlich das Ziel haben, Geld zu verdienen. Von jedem Essen geht mindestens ein Euro an die Firma, also bezahlt man maximal 1,20 Euro allein für die Lebensmittel. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Schulen im ländlichen Bereich günstiger einkaufen können, weil sie direkt mit regionalen Anbietern kooperieren und die Handelsketten dadurch auslassen. Das funktioniert in der Stadt noch nicht so richtig.

ZEIT ONLINE: Wenn man ein Essen von 2,20 pro Tag auf den Monat hochrechnet, könnte das für manche Familien schon schwierig werden.

Mälzer: Wenn ich nicht mal 2,20 Euro für das Essen meiner Kinder habe, muss ich vorher mal nachdenken. Ich kann doch als Eltern nicht sagen: Kümmert ihr anderen euch mal und bezahlt. Sicherlich gibt es Familien, die grundsätzlich mit einem sehr schmalen Budget auskommen müssen. Aber selbst dort hat leider manchmal die richtige Ernährung einen untergeordneten Stellenwert, weil die Eltern nicht mehr selbst kochen, obwohl das eigentlich günstiger wäre als Fastfood oder Tiefkühlpizza. Von einem Kind kann man am wenigsten Verantwortung erwarten. Wenn die Eltern und die Schulen sie nicht übernehmen, ist irgendwann das Gejammere wieder groß, wie schlimm die Jugend geworden ist. Die Jugend ist aber ein Abziehbild unserer selbst.

ZEIT ONLINE: Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Ernährung betreuen Sie das Projekt "Küchen für Deutschlands Schulen". 100 ausgewählte deutsche Schulen sollen mit Küchen ausstattet werden. Wie lief das Projekt an?

Mälzer: Am Anfang dachten die Leute, wir kommen da hin, bauen die Küche auf, bringen die Lehrpläne mit und liefern sozusagen das Komplettpaket. Dem ist aber nicht so. Ich bin weder Pädagoge noch Bildungsbeauftragter. Ich habe mich bereit erklärt, die Küchen aufzubauen, so dass dort Unterricht stattfinden kann. Ich bin aber nicht verantwortlich für den Inhalt des Unterrichts. Das wäre anmaßend. Wir wollen mit dem Projekt vielmehr einen Anschub machen und die erste große Hürde, nämlich die Kosten für die Schulküchen, überwinden.

ZEIT ONLINE: Welche Rückmeldungen haben Sie bisher bekommen?

Mälzer: Als die Küchen standen, fand auf einmal eine Eigeninitiative in den Schulen statt, die sensationell war. Eine Grundschule in Berlin-Wedding hat zum Beispiel gleich noch einen Kräutergarten angelegt. Gerade in dieser Schule hat die Küche viel für die soziale Integration bewirkt, sie hat eine große Solidarität zwischen Eltern, Schülern und Lehrern ausgelöst. Das ist für mich Essen und Trinken. Es geht mir nicht um den absoluten Gehalt von Vitamin C in der roten Paprika. Es geht um einen normalen, natürlicheren Zugang zum Essen.

Leserkommentare
  1. ... Tim Mälzer, das hat uns noch gefehlt.

    Neben all den Kochsendungen, die das Kochen im Alltag für viele Menschen mittlerweile überflüssig erscheinen lassen und Leuten wie Lichter und Mälzer, denen die Performance wichtiger zu sein scheint, als das Essen an sich, haben wir ja dann noch die Labertaschen, die Interviews beim Schaukochen führen, uns Landschaften zeigen, die die professionell auf Kultursendungen Kochreisen zeigen, die Nachmittagshäppchen- und Partykocher, die Morgensendungskocher und was war noch???

    Merkt keiner, dass diese Schwemme nur noch langweilt und trotzdem viele Menschen nicht wissen, wie man einfachste Gerichte zubereitet - seltsam, diese Lifestyle-Geschichten.

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    • Lapje
    • 20. Mai 2010 10:08 Uhr

    ...haben Sie noch keine der Sendungen wirklich gesehen. Gerade bei Jamie Oliver geht es um einfache Dinge, die jeder nachkochen kann, und die sehr schnell gehen. Ich mache Ihnen z.B. innerhalb von 15 Minuten eine Tomatensoße für Nudeln, die besser ist, als alles, was man draußen an Fertigzeugs bekommt. Und das für ganz wenig Geld. Diee Köche sind etwas ganz anderes wie Lafer oder Schuhbeck. Diese Leute hätten mir nie den Spaß am Kochen gezeigt, JO wohl...aber schön dass Sie so verallgemeinern...

    Und über das gemeinsame Essen als Treffpunkt gebe ich ihm auch vollkommen Recht: Eine Familie sollte versuchen zumindest einmal am Tag ein gemeinsames Essen zu ermöglichen, egal ob Frühstück, Mittag- oder Abendessen.

    Das einzige wo ich ihm widerspreche ist die Tatsache, dass es wirklich Familien gibt, die sich 50 Euro im Monat für das Schulessen nicht leisten können...und bei denen kommt kein Fertigzeugs auf den Tisch.

    "und trotzdem viele Menschen nicht wissen, wie man einfachste Gerichte zubereitet" steht im Mittelpunkt dieses Artikels. - Dank an Tim Mälzer und Carolin Ströbele - und "weiter so". - Ich komme aus einer Zeit, als es noch Schulküchen gab, die dann leider zugunsten des reinen Kopflernens abgeschafft wurden; damals war die globale Hetze noch nicht ausgebrochen und es wurde in der Familie regelmäßig gekocht. Dies hat sich aufgrund der Arbeitssituation verschoben, leider zugunsten der Fertiggerichte mit allen künstlichen Zusatzstoffen. Die krankmachenden Auswirkungen kennen wir (teuer genug für den Einzelnen, die Gesellschaft, aber lukrativ auf der anderen Seite für Pharmaindustrie und Hersteller künstlicher Vitamine, Aromen, Bindemittel etc. pp.). Neuestes unbegreifliches Beispiel für mich sind gerade die mit künstlichen Aromen versehenen "duftenden" Briefmarken unserer Deutschen Post! Als wenn es nicht schon genügend Menschen gibt, die unter Allergien der Atmungsorgane und Augen leiden. - Ich wünsche mir bundesweit viele, viele "Tim Mälzers" und entsprechende Menschen in der Bildungspolitik. -

    • Lapje
    • 20. Mai 2010 10:08 Uhr

    ...haben Sie noch keine der Sendungen wirklich gesehen. Gerade bei Jamie Oliver geht es um einfache Dinge, die jeder nachkochen kann, und die sehr schnell gehen. Ich mache Ihnen z.B. innerhalb von 15 Minuten eine Tomatensoße für Nudeln, die besser ist, als alles, was man draußen an Fertigzeugs bekommt. Und das für ganz wenig Geld. Diee Köche sind etwas ganz anderes wie Lafer oder Schuhbeck. Diese Leute hätten mir nie den Spaß am Kochen gezeigt, JO wohl...aber schön dass Sie so verallgemeinern...

    Und über das gemeinsame Essen als Treffpunkt gebe ich ihm auch vollkommen Recht: Eine Familie sollte versuchen zumindest einmal am Tag ein gemeinsames Essen zu ermöglichen, egal ob Frühstück, Mittag- oder Abendessen.

    Das einzige wo ich ihm widerspreche ist die Tatsache, dass es wirklich Familien gibt, die sich 50 Euro im Monat für das Schulessen nicht leisten können...und bei denen kommt kein Fertigzeugs auf den Tisch.

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    denn dem konnte man vor einigen Jahren in England nicht entkommen, wenn man Medien nutzte oder sich irgendwo ausserhalb des Hauses bewegte und Menschen begegnete.

    Die Rezepte waren für viele Menschen in England revolutionär, weil es nicht um im Supermarkt eingeschweist zu bekommendes Futter ging, sondern man mit einfachen Mitteln vieles selbst tun kann.

    Ich empfinde die meisten der Rezepte als Allgemeinplätze und sehe es auch im Umfeld wie auch in den Basiskochbücher der Vergangenheit. Da ist nichts wirklich spannendes drin.

    Die Nachricht, dass Essen ein Gemeinschaftserlebnis darstellt, das Familie ausmacht, ist auch weder neu noch originell, sodass ich mich nun einmal mehr frage, wieso dieses Thema so hoch gehandelt und auch mit öffentlichen Mitteln geadelt wird. Das geschieht, während die Nahrungsmittelindustrie dagegen arbeitet und dazu auch keine Schranken der politisch Verantwortlichen erlebt.

    Das ist alles nur ein Medienfake, mit dem gut verdient und nichts erreicht wird, wie man auf der Insel sehr schön sehen kann, wo der Ergebnis der Kochmanie und vermeintlichen Aufklärungsarbeit gut zu betrachten ist.

  2. "und trotzdem viele Menschen nicht wissen, wie man einfachste Gerichte zubereitet" steht im Mittelpunkt dieses Artikels. - Dank an Tim Mälzer und Carolin Ströbele - und "weiter so". - Ich komme aus einer Zeit, als es noch Schulküchen gab, die dann leider zugunsten des reinen Kopflernens abgeschafft wurden; damals war die globale Hetze noch nicht ausgebrochen und es wurde in der Familie regelmäßig gekocht. Dies hat sich aufgrund der Arbeitssituation verschoben, leider zugunsten der Fertiggerichte mit allen künstlichen Zusatzstoffen. Die krankmachenden Auswirkungen kennen wir (teuer genug für den Einzelnen, die Gesellschaft, aber lukrativ auf der anderen Seite für Pharmaindustrie und Hersteller künstlicher Vitamine, Aromen, Bindemittel etc. pp.). Neuestes unbegreifliches Beispiel für mich sind gerade die mit künstlichen Aromen versehenen "duftenden" Briefmarken unserer Deutschen Post! Als wenn es nicht schon genügend Menschen gibt, die unter Allergien der Atmungsorgane und Augen leiden. - Ich wünsche mir bundesweit viele, viele "Tim Mälzers" und entsprechende Menschen in der Bildungspolitik. -

  3. denn dem konnte man vor einigen Jahren in England nicht entkommen, wenn man Medien nutzte oder sich irgendwo ausserhalb des Hauses bewegte und Menschen begegnete.

    Die Rezepte waren für viele Menschen in England revolutionär, weil es nicht um im Supermarkt eingeschweist zu bekommendes Futter ging, sondern man mit einfachen Mitteln vieles selbst tun kann.

    Ich empfinde die meisten der Rezepte als Allgemeinplätze und sehe es auch im Umfeld wie auch in den Basiskochbücher der Vergangenheit. Da ist nichts wirklich spannendes drin.

    Die Nachricht, dass Essen ein Gemeinschaftserlebnis darstellt, das Familie ausmacht, ist auch weder neu noch originell, sodass ich mich nun einmal mehr frage, wieso dieses Thema so hoch gehandelt und auch mit öffentlichen Mitteln geadelt wird. Das geschieht, während die Nahrungsmittelindustrie dagegen arbeitet und dazu auch keine Schranken der politisch Verantwortlichen erlebt.

    Das ist alles nur ein Medienfake, mit dem gut verdient und nichts erreicht wird, wie man auf der Insel sehr schön sehen kann, wo der Ergebnis der Kochmanie und vermeintlichen Aufklärungsarbeit gut zu betrachten ist.

    Antwort auf "Anscheinend..."
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    • Lapje
    • 20. Mai 2010 10:43 Uhr

    aber anscheinend - auch durch den Druck der Arbeitswelt - sehr in Vergessenheit geraten - bei mir hat es so etwas zumidnest nicht gegeben, daher achten ich und meine Frau da um so genauer drauf.

    Hat denn jemand irgendwo gesagt, dass so etwas "revolutionär" ist? ich denke Sie haben da eine vollkommen verkehrte Sicht der Dinge.

    Und das, was JO macht, ist für mich alles andere als "Basiskochen". Basiskochen ist das, was meine Oma gemacht hat und meine Mutter heute noch macht. Aber ich hätte nie gedacht, dass es so einfache und klasse Dinge gibt, die man selber kochen kann - gerade für Berufstätige ein großer Vorteil.

    Und vor allem: Wo liegt Ihr Problem? Wenn durch diese Dinge mehr Menschen vom Tütenfraß weg hin zu einfachen, schnellen aber guten Gerichten und zum kochen gebracht werden, dann ist das doch toll. Warum spielen Sie hier den Miesepeter?

    Meine Frau und ich fahren jeden Samstag zu unserem Bauern und holen frisches Gemüse. Dies ist ersten wirklich frisch, und zweitens wesentlich preiswerter als das, was 1km weiter im Supermarkt liegt. Sicherlich hat er nicht immer das gleiche da, man bekommt meistens nur das, was gerade Saison hat, aber das ist dann einfach günstig. Und das ist doch das interessante daran - man muss immer vor Ort entscheiden, was man kocht. Für uns beide ist dass zu einem festen Ritual geworden...

    ...einem jungen (und auch nicht mehr ganz jungen) Publikum spannend und modern zu präsentieren: Daran kann ich nichts Kritikwürdiges erkennen. Ganz im Gegenteil: Selbst ich als Selbständiger mit wenig Zeit lerne noch von Mälzer - und freue mich wenn er mit seinen Mitteln etwas für soziale Bildung tut.

    • Coxy
    • 28. Juni 2010 11:43 Uhr

    Es war nichts 'revolutionär' für viele Englände - ich wiss - ich bin eine.

    Es war nur für die Assis "revolutionär", die die um halb vier den Fernseher glotzen.

    Jamie Oliver, und viele andere vor ihm, haben versucht in England das Essen für Kinder zu retten. Er hat es nicht geschafft, Mälzer wirde es auch nicht in Deutschland - das Problem liegt in die Gesselschaft, nicht in den Geldbeutel.

    "Wenn ich nicht mal 2,20 Euro für das Essen meiner Kinder habe, muss ich vorher mal nachdenken..."

    vielleicht soll er auch versuchen von hartzIV für ein halbes Jahr mit 4 Kinder zuwohen. Zwei mini jobs machen od zu den ander Seite die Stadt fahren für eine 1 Euro-Job, dennach nach huase zu fahren, kinder abholden, mit hauseaufgaben helfen - in Deustchland sind die Kinder aus die Schule um 12 Uhr, putzen, auf dem Spiel platz zu gehen (die Kinder sollten nicht die ganzen Tag drin bleiben) und denn kochen. Ich will das sehen ... und das er zeit zu kochen hat. Es ist einfach für ihm das zu sagen. Die die ein besseres essen nicht Leisten können lesen die Zeit nicht.

    • creezy
    • 20. Mai 2010 10:37 Uhr

    – aber das tat er schon immer, vom ersten Tag an als er in der ersten Jamie Oliver als sein Freund, Ex-Kollege und Gastkoch aufgetreten ist. Ihm jetzt konzeptionelle Ähnlichkeit zum britischen Koch-Guru vorzuwerfen ist Tenor von vorgestern.

    Es ist ein gutes Interview, dass die Problematik beim Namen nennt. Nur Mälzers Aussage:

    Sicherlich gibt es Familien, die grundsätzlich mit einem sehr schmalen Budget auskommen müssen. Aber selbst dort hat leider manchmal die richtige Ernährung einen untergeordneten Stellenwert, weil die Eltern nicht mehr selbst kochen, obwohl das eigentlich günstiger wäre als Fastfood oder Tiefkühlpizza.

    muss widersprochen werden. Er möge doch bitte mal durch die Discounter oder Bio-Läden gehen und die Zutaten für eine Runde Pizza für eine vierköpfige Familie einkaufen – und dementsprechend beim Discounter die Fertigproduktion. Und dann Preise vergleichen. Und die Preise dem Budget einer Familie, die von einem ALG II-Satz und zwei Minijobs versucht über die Runden zu kommen vergleichend gegenüber stellen. Fastfood ist sicherlich nicht günstiger, aber ja, Chinasuppen und Tiefkühlpizza ist für viele Familien in Deutschland leider nur noch das einzige finanzierbare Essen.

    So oder so können wir aber nicht genügend Köche oder prominente Menschen haben, die darauf hinweisen, wie wichtig vor allem saisonale und regionale Essenversorgung ist.

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    • Lapje
    • 20. Mai 2010 10:49 Uhr

    Auch wenn ich Ihnen in allem soweit recht gebe, aber Fertigzeugs ist sicherlich nicht das preiswerteste. Selbst wenn ich im Supermarkt einkaufe und so koche, dass ich große Mengen zubereite, die ich einfrieren und immer auftauen kann.

    Ich musste selber einige Zeit mit einem sehr schmalen Budget und konnte gerade durch das selber kochen unheimlich viel Geld sparen. Und wenn man dann noch einen Bauern mit kleinem Laden in der Nähe hat, dann wirds wirklich preiswert. So macht meine Frau (auch wenn wir usn heute mehr leisten können) für 3 Euro eine Gemüsesupper (oder Eintopf), von dem wir 3-4 Tage essen könnten. Das wären 50 Cent pro Person/Tag für ein Mittagessen, was gesund ist und von dem man satt wird. Da möchte ich bei Fertigzeugs wirklich etwas vergleichbares finden...

    • Juni29
    • 20. Mai 2010 11:00 Uhr

    kostet zwischen zwei und drei Euro, nicht wahr?

    Macht für vier Personen ca. 10. Für zehn Euro könnte ich Ihnen aus dem Stand sehr viele Gerichte für vier Personen zusammenstellen mit frischem Fleisch und frischem Gemüse.

    Wir sind uns im Wesentlichen einig. Also kein Grund zu streiten. Aber gesunde und gute Ernährung ist bei vernünftigem Einkauf KEIN Kostenfaktor.

    Ihre Rechnung ist nicht ganz nachzuvollziehen.
    1 kg Mehl 0,45 €
    1 Würfel Hefe 0,12 €
    1 Päckchen Tomatenpüree 0,29 €
    1 Basilikumtopf 1,99 €, reicht für viele Pizzatage
    Käse weiß ich nicht ausm Kopf, rechnen wir mal 3 €.
    Das sind 5,85 € für die Sie mehr Pizza backen können, als sie für 6 € Fertigpizza bekommen.
    Zumal TK-Pizza ziemlich eklig ist.

    • Vierie
    • 20. Mai 2010 11:38 Uhr

    Das stimmt einfach nicht, dass die billiger ist. Wenn man die allerbilligste von Alid nimmt, dann kommt man in etwa mit dem gleichen Preis raus, den man auch zahlen müssten, wenn man die Sachen selbst zusammen mischt. 3,32 Euro kam beim kurzen Nachrechnen raus. Dafür hat man dann allerdings echten Käse, richtige Salami und weiß auch sonst, was an Zusatzstoffen im Essen ist.

    Ok, nehmen wir mal eine 4 Kopf Familie.
    2 Blöcke Hefe ( frisch) 0,60€
    1 Kilo Bio-Mehl 1€
    Käse zum drüberrubeln zwischen 3-5 €
    Dann noch Zutaten für 2-3 € drauf.

    Da werden 3 belegte Bleche möglich, da kann man sogar 2 tage von essen.
    Und was kostet eine 4er Packung Tiefkühlkost? Also für 4 Leute unter 10 € ist da eher selten, zumal von der Menge her man eher 6-8 Pizzen kaufen müsste.

    • Juni29
    • 20. Mai 2010 10:41 Uhr

    Es ist wichtig, dass die Verantwortung für die elemantersten Dinge, wie Essen und Nahrungszubereitung nicht aus den Familien genommen werden, wie es durch eine MUSS-Regelung der Fall wäre. Aber das steht nicht im Widerspruch Koch- und Ernährungskurse an Schulen anzubieten.
    Was spricht dagegen einfach so mit den Kindern zu kochen oder es als Wahlfach anzubieten? Nur die Kosten. Und wenn es den Staat etwas kostet, müssen alle auch müssen. Warum?

    Ich hatte Kochen als Schulfach (an einem bayrischen Gymnasium! Alle zwei Wochen fünf Stunden lang am Nachmittag) ... und die Jungs hatten Blutrausch vor Wut, weil vor 25 Jahren dafür nur Mädchen zugelassen waren. Zuerst selbstständig in der Kleingruppe einkaufen, dann Ernährungslehre, dann in der Kleingruppe kochen, dann zusammen essen. Nach zwei Jahren hatten wir eine Kochprüfung, zu denen sich tatsächlich IHK Prüfer einfanden.
    Wir haben während des Kurses nach jedem Essen die Gruppe gekürt, die am Günstigsten und Besten eingekauft hat und die, die mit dem geschmacklich ebsten Gericht. Mal saß man mit hängenden Mundwinkeln vor der einfallslosen Bulette mit Kartoffelbrei und dem Birnenkompott laut vorgeschriebenem Rezept und hat nur der Gemeinschaft wegen und um seinen guten Willen zu beweisen mitgegessen. Beim nächsten Mal hat man angefangen beim Rezept zu schummeln... damits schmeckt.

    Das Konzept Kochen in der Schule ist nicht neu. Aber es wird Zeit, dass es neuen Auftrieb kriegt, mit Jungs und ohne Müssen.

    • Lapje
    • 20. Mai 2010 10:43 Uhr

    aber anscheinend - auch durch den Druck der Arbeitswelt - sehr in Vergessenheit geraten - bei mir hat es so etwas zumidnest nicht gegeben, daher achten ich und meine Frau da um so genauer drauf.

    Hat denn jemand irgendwo gesagt, dass so etwas "revolutionär" ist? ich denke Sie haben da eine vollkommen verkehrte Sicht der Dinge.

    Und das, was JO macht, ist für mich alles andere als "Basiskochen". Basiskochen ist das, was meine Oma gemacht hat und meine Mutter heute noch macht. Aber ich hätte nie gedacht, dass es so einfache und klasse Dinge gibt, die man selber kochen kann - gerade für Berufstätige ein großer Vorteil.

    Und vor allem: Wo liegt Ihr Problem? Wenn durch diese Dinge mehr Menschen vom Tütenfraß weg hin zu einfachen, schnellen aber guten Gerichten und zum kochen gebracht werden, dann ist das doch toll. Warum spielen Sie hier den Miesepeter?

    Meine Frau und ich fahren jeden Samstag zu unserem Bauern und holen frisches Gemüse. Dies ist ersten wirklich frisch, und zweitens wesentlich preiswerter als das, was 1km weiter im Supermarkt liegt. Sicherlich hat er nicht immer das gleiche da, man bekommt meistens nur das, was gerade Saison hat, aber das ist dann einfach günstig. Und das ist doch das interessante daran - man muss immer vor Ort entscheiden, was man kocht. Für uns beide ist dass zu einem festen Ritual geworden...

    • Lapje
    • 20. Mai 2010 10:49 Uhr

    Auch wenn ich Ihnen in allem soweit recht gebe, aber Fertigzeugs ist sicherlich nicht das preiswerteste. Selbst wenn ich im Supermarkt einkaufe und so koche, dass ich große Mengen zubereite, die ich einfrieren und immer auftauen kann.

    Ich musste selber einige Zeit mit einem sehr schmalen Budget und konnte gerade durch das selber kochen unheimlich viel Geld sparen. Und wenn man dann noch einen Bauern mit kleinem Laden in der Nähe hat, dann wirds wirklich preiswert. So macht meine Frau (auch wenn wir usn heute mehr leisten können) für 3 Euro eine Gemüsesupper (oder Eintopf), von dem wir 3-4 Tage essen könnten. Das wären 50 Cent pro Person/Tag für ein Mittagessen, was gesund ist und von dem man satt wird. Da möchte ich bei Fertigzeugs wirklich etwas vergleichbares finden...

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Ilse Aigner | Eltern | Essen | Ganztagsschule | Schule | Unterricht
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