SüdafrikaEin Weingut namens Liebe

Das Weingut Thandi ist eines der jüngsten Südafrikas und das erste, das ausschließlich von Schwarzen und Farbigen geleitet wird. Wolfgang Lechner hat die Winzer in Elgin besucht. von 

Der erste Fair-Trade-Wein der Welt kommt vom Weingut Thandi in Südafrika

Der erste Fair-Trade-Wein der Welt kommt vom Weingut Thandi in Südafrika  |  © Thandi Wines

Am 2. Februar 1659 schrieb ein gewisser Jan van Riebeeck in sein Tagebuch: "Heute wurde, Gott sei gepriesen, zum ersten Mal Wein aus Kaptrauben gepresst." Der Holländer hatte den Auftrag, an der Südspitze Afrikas eine Verpflegungsstation einzurichten. Nicht nur frisches Trinkwasser sollten die Schiffe auf ihrem Weg nach Hinterindien dort bunkern, sondern auch Obst, Gemüse, Fleisch – und Wein. Mit van Riebeeck begann die Geschichte des Weinbaus in Südafrika. Es sollte über Jahrhunderte eine Geschichte weißer Winzer sein.

350 Jahre später, am 1. Oktober 2009, ging das Weingut Thandi in Elgin südöstlich von Kapstadt als erstes in Südafrika ganz in die Hände von Schwarzen über. In die Hände derer, die fast 350 Jahre lang ausgebeutet und unterdrückt wurden, die nicht einmal ein Stückchen Land besitzen durften.

Anzeige

Vernon Henn, der Generaldirektor von Thandi Wines, sitzt im Hofladen und Restaurant seines Weinguts, hält seine Nase in ein Glas Chardonnay und sieht die Sache ganz realistisch: "Dem Ausland ist die südafrikanische Wirtschaftsförderungspolitik für Schwarze egal. Wir müssen einen Wein machen, der so gut ist, dass ihn die Menschen ein zweites Mal kaufen. Und immer wieder. Sie dürfen die Marke Thandi nie mehr vergessen."

Henn, 41, verkörpert den Wandel der südafrikanischen Geschichte in seiner eigenen Person. Als eines von sechs Kindern wuchs er in einem Township bei Kapstadt auf, und obwohl er klug war und in der Schule zu den Besten gehörte, konnte er von einem Studium an der Universität nicht einmal träumen. Um 1990, als das Apartheid-Regime zerbrach, arbeitete er als Putzmann in den Büropalästen des Kapstadter Geschäftsviertels. Die Demokratisierung Südafrikas kam für ihn gerade noch zur rechten Zeit: er begann, Betriebswirtschaft zu studieren und heuerte bei Thandi an.

Thandi stammt aus der Sprache der Xhosa und heißt so viel wie "Fürsorge" und "Liebe". Thandi nannte die alteingesessene, holländischstämmige Familie Clüver das Projekt, das sie 1995 ins Leben rief: Unterstützt durch und, sagen wir, angeregt von der neuen südafrikanischen Politik, trat sie einen ungenutzten Teil ihrer eigenen Farm, zu der auch das Weingut Paul Clüver gehört, an ehemalige Arbeiter ab. Dazu kam ein frisch gerodetes Stück Land aus Staatsbesitz, schließlich konnte Thandi mit 200 Hektar Land starten.

Ihr erstes Geld verdienten die Neu-Unternehmer mit dem Anbau von Äpfeln, Birnen und Pflaumen. 2002 verkaufte Thandi Wines den ersten Karton Wein. 2003 war das Unternehmen die erste Weinfirma der Welt, die auf ihre Etiketten das Fairtrade-Siegel drucken durfte.

In den Anfangsjahren hielten Paul Clüver und nach ihm andere weiße Winzer noch Anteile an Thandi. Seit dem 1. Oktober 2009 gehört das Unternehmen allein einer großen Gemeinschaft von 250 schwarzen und farbigen Landarbeiterfamilien. Thandi wurde das erste "schwarze" Weingut Südafrikas.

Leserkommentare
  1. Können Sie mir den Unterschied zwischen "Schwarzen und Farbigen" erklären?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Schwarze sind in Südafrika Angehörige der verschiedenen afrikanischen Stämme (u.a. Xhosa, Zulu, ...), Farbige sind Nachfahren europäischer Siedler, die Kinder mit Schwarzen zeugten (vor allem zu Beginn der europäischen Besiedelung geschehen, da hauptsächlich Männer nach RSA gingen).

    Südafrika ist aber auch der einzige Staat, in dem dieser Unterschied gemacht wird.

  2. Schwarze sind in Südafrika Angehörige der verschiedenen afrikanischen Stämme (u.a. Xhosa, Zulu, ...), Farbige sind Nachfahren europäischer Siedler, die Kinder mit Schwarzen zeugten (vor allem zu Beginn der europäischen Besiedelung geschehen, da hauptsächlich Männer nach RSA gingen).

    Südafrika ist aber auch der einzige Staat, in dem dieser Unterschied gemacht wird.

    • PiBo
    • 17. Juni 2010 0:17 Uhr

    ......mein Riechkolben werden wohl nicht unterscheiden wer den tropfen gekeltert hat. ich hoffe nur, dass sich die schwarzen winzer der qualität hingeben wie weiland die jungen Winzer in Österreich nach dem Glykol-Skandal.

    Fairhandel mag erst mal helfen, darf aber nicht die Krücke auf Dauer sein.

  3. Ich empfinde diesen Artikel diskreminierend. Für einen guten Wein ist die Hautfarbe der Erzeugers egal.
    Ds Ziel in Südafrik muß ein Miteinander von allen dort lebenden Rassen sein. Die Herrausstellung des ersten "Schwarzen" Weinguts ist daher gegenüber allen anderen Rassen abgrenzend ergo diskreminierend.Der Artikel wäre also ohne den Rassenbezug keine Info und ist es mit dem Rassenbezug in einem ganz anderem Licht zu sehen.
    Wer brauch das ? Was denkt sich da der Autor ?

  4. Entfernt. Die Redaktion/se

  5. Nachdem ich über einen anderen Artikel hierauf aufmerksam geworden bin, und mich gedanklich nicht zurückerinnern konnte, wann ich zum letzten Mal eine Flasche dieses Weingutes in einem Weltladen gesehen habe, habe ich ein wenig recherchiert.

    Und siehe da. Diese Weine scheinen so gut geworden zu sein, dass sie abseits der Fairtrade Nische existieren können.

    Hut ab. Und den im anderen Artikel erwähnten Cabernet werde ich mir auf alle Fälle einmal besorgen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Südafrika | Township | Wein | Niederlande | Trinkwasser | Düsseldorf
  • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

    Vom Rand des Laufstegs

    Aktuelle Berichte von den Schauen in New York, London, Mailand, Paris und Berlin auf ZEIT ONLINE

    • Nachgesalzen

      Die Meisterköche Karl-Josef Fuchs, Jürgen Koch und Christian Mittermeier verraten ihre Tipps und Tricks

      • Hinter der Hecke

        Eine Schrebergarten-Kolonie ist ein eigener Kosmos. Unser Kolumnist Ulrich Ladurner erforscht ihn und seine Bewohner mit Demut, Feinsinn und Humor.

        • Heiter bis glücklich

          Oft sind es die einfachen Dinge, die uns heiter bis glücklich stimmen. Im "Heiter bis glücklich"-Blog stellt die ZEITmagazin-Redaktion täglich ihre Entdeckungen vor.

          Service