Nach "Bio" kommt "Regio". Seit die Bio-Welle etwas abflacht, sind regionale Lebensmittel, neudeutsch local food , im Kommen. Vom Sternekoch, der die heimatliche Provenienz seiner Zutaten akribisch auf der Speisekarte ausweist ("Schnitzel vom Schwäbisch-hällischen Landschwein an Filder Spitzkohl") bis zum Discounter mit Bayerischer Bauernmilch im Kühlregal: Eine wachsende Zahl von Kunden legt Wert darauf, dass ihre Lebensmittel nicht von weither herangekarrt, geschifft oder geflogen werden, sondern aus der "Region" stammen.

Die Wertschätzung der Verbraucher für regionale Produkte lässt sich empirisch belegen. Nach einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsunternehmens Dialego von 2009 greifen mehr als zwei Drittel der Deutschen gezielt zu regionalen Produkten, also zu solchen, die in der Region, in der man lebt, hergestellt oder angebaut wurden. Als wichtigsten Grund geben die Befragten an, regionale Betriebe unterstützen zu wollen (76 Prozent). Mehr als die Hälfte der Beteiligten möchte durch kürzere Transportwege die Umwelt entlasten.

Auch Trendforscher des von Matthias Horx geleiteten Zukunftsinstituts im hessischen Kelkheim kommen zu dem Ergebnis, dass das Interesse für Produkte wachse, die den Käufer "einbinden in Tradition und Zusammengehörigkeit". Regionalität sei ein "zukunftsträchtiger Sinnmarkt" des "Nahen, Guten, Vertrauten", der durch Finanzkrise und Globalisierung noch auf längere Zeit stimuliert werde, schreiben die Kelkheimer Forschern in ihrer 2009 veröffentlichten Studie. Dabei verweist das Institut auf eine Allensbach-Umfrage, wonach mittlerweile rund die Hälfte der Deutschen regionalen Produkten den Vorzug geben. Für Konsumenten mit höherem Einkommen stelle der regionale Genuss sogar eine neue Form von Luxus dar. 41 Prozent der Besserverdienenden bevorzugten erlesene Produkte aus der Heimat und zahlten dafür auch gerne einen höheren Preis.

Auf der Anbieterseite ist der Regio-Markt weit gefächert: Zu grundständigen Regionalinitiativen wie dem Netzwerk "Unser Land" rund um München, das aus einem kirchlichen Projekt entstand und weitreichende Ziele – von der Stärkung der regionalen Wirtschaft bis zum Klimaschutz – verfolgt, kommt eine wachsende Zahl regionaler Eigenmarken des Handels und der Industrie.

Vorreiter war das Familienunternehmen Feneberg. Der Lebensmittelfilialist aus Kempten im Allgäu vermarktet unter dem Label "Von hier" eine ganze Palette regional erzeugter Bio-Produkte von Brotspezialitäten über Milcherzeugnisse bis zu Fleisch, Obst und Gemüse.

Mit dem Motto "Aus der Region für die Region" wirbt auch der Genossenschaftsfilialist Edeka. So bringt Edeka Südwest seine Regionalprodukte unter dem Label "Unsere Heimat" an den Kunden. Auch die Lebensmittelindustrie setzt auf "Regio". Eckes-Granini bewirbt seit Jahresbeginn eine "hohes-C"-Fruchtsaftkollektion mit dem Namen "Heimische Früchte". Äpfel, Birnen, Quitten und Johannisbeeren, aus denen die Säfte gewonnen werden, stammen Unternehmensangaben zufolge aus dem "deutschsprachigen Raum", mit Ausnahme der hierzulande nicht wachsenden, stark Vitamin-C-haltigen Acerola-Kirsche.